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Prinz Philip wurde 1984 mit der GOLDENEN KAMERA von HÖRZU geehrt.
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Prinz Philip (re.) erhält die GOLDENEN KAMERA von HÖRZU für sein Umweltengagement. Der Verleger Axel Springer überreicht sie 1984 persönlich. - Foto © picture-alliance / dpa

Im TV am 18.04., 23:30 Uhr, Das Erste

Axel Springer – Ein deutscher Verleger

  • Artikel vom 18. April 2012

Lieber wäre Axel Springer Sänger geworden. Einer wie sein Idol Richard Tauber. Mit seinem schönen Bariton, dazu groß gewachsen, blond und blauäugig, bot er durchaus beste Voraussetzungen für einen Bühnenhelden. Doch daraus wurde nichts. Vater Hinrich verordnete seinem Sohn eine ordentliche Lehre als Drucker und Setzer. Hinzu kamen Volontariate bei Papiergroßhändlern und in der Redaktion der "Bergedorfer Zeitung". So lernte der Junior das Zeitungmachen von der Pike auf. Und es wurde seine wahre Passion.


Im TV-Programm: Axel Springer – Ein deutscher Verleger; am 18.04., 23:30 Uhr, im Ersten

Kritisches Porträt mit vielen Zeitzeugen.


In wenigen Jahren baute Springer ein Medienimperium auf: Am Anfang stand die HÖRZU, die Tageszeitungen "Hamburger Abendblatt" und BILD folgten rasch. Doch je erfolgreicher er wurde, je mehr Pressemacht sich in seinen Händen konzentrierte, umso mehr wurde er spätestens ab den 1960er-Jahren zur politischen Reizfigur zwischen Konservativen und Linken.

Axels Springer wäre am 2. Mai 100 Jahre alt geworden

Dabei war Axel Springer als Verleger wie als Mensch weitaus vielschichtiger. Und vielleicht deshalb so schwer fassbar. Am 2. Mai wäre er 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass sendet das Fernsehen mehrere Porträts über den "Mammutverleger" – wie Springer sich selbstironisch nannte. Den Anfang macht das Erste am 18. April (siehe TV-Tipp rechts).

Arte folgt am 1. Mai mit der 90-minütigen Doku "Drei Leben: Axel Springer". "Bald wird das freie Wort wieder gelten. Und dann werde ich das größte Zeitungshaus Europas bauen", verkündete Axel Springer zu Beginn der 1940er-Jahre. Aus heutiger Sicht visionär. Damals überraschend, zumal er zu jener Zeit mehr als kunst- und frauenbegeisterter Bohemien denn als leidenschaftlicher Journalist auftrat. In der Hamburger Vorstadt Altona verlegte sein Vater Hinrich Springer die "Altonaer Nachrichten" (später: "Hamburger Neueste Zeitung"), ein Lokalblatt ohne nennenswerte politische Ambitionen.

Das biedere Umfeld langweilte den jungen Springer, er liebte mehr das mondäne Großstadtleben in Hamburg und Berlin, wo er eine Eigenschaft perfektionierte: das Netzwerken mit wichtigen Persönlichkeiten, etwa dem Buchhändler Felix Jud oder Boxstar Max Schmeling. Er experimentierte, liebäugelte mit dem Filmgeschäft und verlegte Bücher, leichte Literatur, die in den Kriegsjahren eine begehrte Ware war. Zudem lagerte er heimlich große Mengen an Buchbeständen und Papiervorräten ein.

Axel Springer: Macher mit Instinkt

Papier war wertvoll, erst recht, wenn man wie er mit einer späteren Geldentwertung rechnete. "Alles deutet darauf hin, dass er bereits da seine Pläne für eine neue verlegerische Tätigkeit nach Kriegsende fertig in Kopf hatte", sagt Tim von Arnim, Autor der aktuellen Unternehmerbiografie "Und dann werde ich das größte Zeitungshaus Europas bauen" (Campus Verlag). "Im Mittelpunkt seiner Pläne stand offenbar eine Tageszeitung, die den Kern eines großen Verlagshauses bilden sollte." Den Anfang seines kometenhaften Aufstiegs bildete dann jedoch ein anderes Blatt: die HÖRZU.

Nach dem Krieg sehnten die Menschen sich nach Ablenkung. Fernsehen gab es noch nicht, aber das Radio boomte. Eine Rundfunkzeitschrift war die richtige Idee zur rechten Zeit, was Springer gleich erkannte. Wer ihm persönlich begegnet ist, lobt bis heute seine Fähigkeiten als Blattmacher, sein instinktiv sicheres Gespür für die Erwartungen der Leser, für das Marketing, seine Beredsamkeit, sein Einfühlungsvermögen. Geschickt fand Springer das Vertrauen der britischen Militärbehörden.

Axel Springer bekam 1946 die Lizenz für die Herausgabe einer "Rundfunk-Programm-Zeitschrift

Ende 1945 erwarb er zunächst eine Lizenz zum Publizieren von Büchern und übernahm die Veröffentlichung der "Nordwestdeutschen Hefte", in denen wortgewichtige Sendebeiträge des NWDR nachgedruckt werden. Im April 1946 dann der Durchbruch: Springer bekam die Lizenz für die Herausgabe einer "Rundfunk-Programm-Zeitschrift". Am 11. Dezember 1946 startete die HÖRZU mit einer Auflage von 250.000 Exemplaren, vier Jahre später lag sie bei einer Million. Die Weihnachtsausgabe 1960 hatte eine Auflage von gigantischen vier Millionen – bis heute ist die HÖRZU Europas größte wöchentliche Programmzeitschrift.

Der finanzielle Erfolg der HÖRZU ermöglichte Springer die Expansion: 1948 erschien als seine erste Tageszeitung das "Hamburger Abendblatt", dazu die Frauenzeitschrift "Constanze“. 1952 folgte die erste BILD, deren Richtung er als "eine unernste, besser gesagt antikonventionelle Zeitung" skizzierte. "Er hatte ein unheimliches Gefühl dafür, was der kleine Mann auf der Straße lesen wollte", beschrieb Christian Kracht, mehr als 20 Jahre Generalbevollmächtigter Springers, dessen Verlegerinstinkt. Dass die deutsche Wiedervereinigung 1990 letztlich auch seine politische Weitsicht bestätigte, war ein befriedigender, doch für ihn zu später Erfolg. 1985 starb Axel Springer in Berlin.

Autor: Sabine Goertz-Ulrich

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