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Gottesdienst zum 60. Hochzeitstag der Queen.
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19.11.2007: Queen Elizabeth feiert mit Ihrem Gatten Prinz Philip, Duke of Edinburgh, 60. Hochzeitstag. - Foto © picture-alliance/ dpa

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60. Thronjubiläum der Queen

  • Artikel vom 28. Mai 2012

Was für eine Leistung! Seit 60 Jahren ist Elizabeth II. auf dem britischen Thron. Es gibt niemanden in der modernen Welt, der auf eine derart lange Amtszeit zurückblicken kann. Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, unkritisch zu sein, denn das bin ich nicht. Doch schon die lange Regentschaft macht die Queen einzigartig.

Sie ist ein Ausbund an Pflichterfüllung. Ich kenne keinen anderen Menschen, der so konsequent ist. Selbst in den Urlaub werden ihr die berühmten Red Boxes, in denen ihre Post verwahrt ist, nachgeschickt, und sie erledigt ihre Korrespondenz. Die Queen hat ein Bombengedächtnis. Sie ist bravourös darin, Anekdoten über ihre zwölf Premierminister zu erzählen. Sie kennt alle Regierungschefs der 16 Commonwealth-Staaten persönlich, obendrein alle deutschen Kanzler der Nachkriegszeit sowie die Präsidenten der westlichen Staaten.


TV-Tipp zum diamantenen Thronjubiläum im TV

5. ZDFzeit: ElizabetH II. – Die Queen und die Deutschen
Dienstag, 5. Juni, 20.15 Uhr, ZDF
Dokumentation von Julia Melchior.


1992 war das "annus horribilis" für Queen Elizabeth

Niemand hat eine so große Personen- und wohl auch Sachkenntnis. Zudem gibt es Anlässe, an denen sie uns wissen lässt: Die Schlager der Vierziger kenne ich auch gut. Bei einem Jubiläum in den 1990ern sang sie mit ihrer Mutter und ihrer Schwester auf dem Balkon die alten Lieder aus der Kriegszeit mit. Sie ist in dieser Beziehung phänomenal. Dass die eigene Familie häufig keinen so königlichen Eindruck erweckt, ist ihre größte Schwäche. Besonders katastrophal war das berühmte "annus horribilis" 1992: Charles und Diana trennten sich, Anne ließ sich scheiden, die Ehe von Andrew und Fergie zerbrach. Und dann noch der Brand in Windsor.

"1992 ist kein Jahr, auf das ich mit reiner Freude zurückblicken werde", sagte die Queen in der Londoner Guildhall, und ihre Stimme klang dabei sehr heiser und bewegt. Sie erhielt dafür viel Mitgefühl in der Bevölkerung. Die Menschen verstanden: So etwas kommt eben selbst in den besten Familien vor. Das gehört zum Leben.

Das Alter steht Elizabeth II. gut

Ich habe über Jahrzehnte beobachtet, dass die Queen zwei Gesichter hat: ein würdevolles, offizielles, etwas streng blickendes, inspizierendes – womöglich gehört das dazu, wenn man Staatsoberhaupt ist. Und ein anderes: ein überaus herzlicher Blick, etwa wenn sie bei den "Walkabouts" auf Passanten zugeht, insbesondere auf Kinder. Dann ist sie eine strahlende Großmutter. Das ist echt, erfüllt aber immer auch eine Rolle. Als Repräsentant braucht man Instrumentarien, bei ihr waren es die beiden Blicke.

Heute hat sie mehr Instrumente, lächelt öfter, runzelt auch mal die Stirn. Man kann sagen, das Alter steht ihr gut, sie wirkt jetzt freier. Für die nahe Zukunft bereitet die Queen eine Herrschaft zu dritt vor. Charles ist stark einbezogen. Er wird, salopp gesagt, den Vizekönig geben. Das ist in jeder Monarchie so, ohne dass dafür ein Extratitel nötig wird. In der angelsächsischen Welt weiß jeder: Charles wird der zukünftige König, er ist der Prince of Wales.

Jetzt hat Elizabeth zudem die jüngere Generation ins Boot geholt. Ihren Lieblingsenkel William und seine Frau Kate schickte sie jüngst auf Reisen nach Kanada– ein Zeichen dafür, dass sie Aufgaben dieser Art gern verteilt. Es gibt die Verpflichtung, sich sehen zu lassen. Das ist wichtig im Königreich. Die Jubiläumsfeiern werden mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Den Höhepunkt bildet eine Flottenparade am 3. Juni, bei der 1000 Boote aus aller Welt zu Elizabeths Ehren auf der Themse fahren. Überall vom Ufer wird es hinüberschallen: Vivat and Hurra! Es lebe die Königin!

Autor: Rolf Seelmann-Eggebert

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