60 Jahre ARD
Helga Beimer (Marie-Luise Marjan)

Helga (Marie-Luise Marjan), Foto ©Lindenstrasse / Mara Lukaschek 2002

Das große HÖRZU-Spezial: 60 Jahre ARD

Marie-Luise Marjan im Interview

  • Artikel vom 09. April 2010

Seit 25 Jahren spielt Marie-Luise Marjan in der "Lindenstraße", der ersten deutschen Langzeitserie, die Rolle der Helga Beimer. Damit wurde sie zur "Mutter der Nation". Im Interview mit HÖRZU verrät die 69-Jährige, was sie an ihrer Figur nervt und wie ihr schwierigster Drehtag aussah.

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Mehr über die "Lindenstraße" bei HÖRZU:

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25 Jahre "Lindenstraße": Von den Anfängen bis zu den Zukunftssorgen

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HÖRZU: Was ist das Erfolgsgeheimnis der "Lindenstraße", Frau Marjan?

Marie-Luise Marjan: Eigentlich müssten wir das Publikum fragen. "Lindenstraße" macht süchtig. Das dramaturgische Konzept, das Hans W. Geißendörfer entwickelt hat, ist sensationell. Als wir anfingen, war es überraschend für den Zuschauer und ist noch heute einmalig. Es gibt keine anderen Formate, die gleichzeitig drei Geschichten auf einmal erzählen, die alle einen Spannungsbogen haben und am Schluss mit einem Cliffhanger enden. Unsere Pressearbeit ist einmalig. Noch heute kriegt jeder, selbst das kleinste und scheinbar unbedeutendste Blatt, sein Interview. Jeder wird gleich behandelt. Dadurch entsteht eine starke Publikumsbindung. Letztlich ist noch die Ausführlichkeit der Geschichten wichtig. Das Thema Darmkrebs zum Beispiel wurde fast 20 Folgen erzählt – von anfänglichen Magenschmerzen bis zum Tod.

HÖRZU: Welche Rolle spielt der Realismus der Serie als Erfolgs-Ingredienz – schließlich starb besagte Figur auf der Couch im Wohnzimmer, inmitten der Familie?

Marie-Luise Marjan: Das fand ich sehr beeindruckend. Genau wie die Darstellung der Brustkrebs-Erkrankung der Blumenfrau. Diese Krankheit betrifft sehr viele Frauen, die – wie unsere Figur in der "Lindenstraße" – ein großes Auf und Ab erleben. Die "Lindenstraße" ist insofern realistisch, als dass sie jede einzelne Phase dieser Krankheit erzählt. Eine tolle Arbeit unserer Autoren.

HÖRZU: Wie wichtig sind Aktualisierungen – etwa, wenn die "Lindenstraße" aktuelle Wahlergebnisse in die laufende Folge einbaut, und das am Ausstrahlungs-Sonntag?

Marie-Luise Marjan: Das ist schon wichtig. Es gibt nur eine kleine Fußangel, dass sich die Serie nicht in andere Länder verkaufen lässt, denn Aktualisierungen sind in einem Jahr schon Historie. Doch für das Hier und Jetzt ist es unglaublich spannend.

HÖRZU: Sie sind seit Folge 1 dabei. Wie lautete Ihr erster Satz?

Marie-Luise Marjan: "Du sollst doch im Bett bleiben, Klausi!" Mein jüngster Filmsohn hatte damals Masern. Inzwischen ist Moritz A. Sachs mit der "Lindenstraße" groß geworden, heute ist er 31. Ich selbst fing mit 45 Jahren bei der Serie an, und werde in diesem Jahr 70.

HÖRZU: Bleiben Sie der "Lindenstraße" noch mal 25 Jahre erhalten?

Marie-Luise Marjan: Wenn ich 95 würde, vielleicht. Eines finde ich erschreckend: Die letzten 25 Jahre vor der Kamera sind so schnell vergangen. Wenn ich mir vorstelle, dass die Zeit so schnell dahin rast und ich dann 95 Jahre alt bin, das kann ich mir jetzt noch gar nicht vorstellen. Hoffen wir, dass ich bei guter Gesundheit bleibe. Ich möchte allerdings auch ein bisschen mehr Freizeit haben, damit ich meinen Gedankenspeicher auch mit anderen Dingen voll packen und schauen kann, was in der Welt passiert. Wichtig ist mir auch mein soziales Engagement für PLAN, Unicef und die Malteser. Wenn man reist, bekommt man vom realen Leben viel mehr mit als vor der Kamera. Ich war gerade in Paraguay und habe mein viertes Patenkind übernommen. Wenn man sieht, wie die Menschen in der Dritten Welt leben, wird man sehr gelassen. Wie klein sind dagegen doch unsere Probleme in unserem deutschen Alltag.

Autor: Mike Powelz