60 Jahre ARD
"Die Sendung mit der Maus": Die Maus und der kleine Elefant
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"Die Sendung mit der Maus", Bild © WDR/Schmitt-Menzel/Streich (S2)

39 Jahre Lach- und Sachgeschichten

"Die Sendung mit der Maus"

  • Artikel vom 12. April 2010

Ein Nager verpflichtet: Drei Männer, die das "Maus"-Publikum als Armin, Christoph und RalphWDR-Studios E gekommen, um die nächste "Sendung mit der Maus" anzusagen. Es wird der 39. Geburtstag der Maus gefeiert, deshalb muss der 70-jährige Armin Maiwald mehrmals aus einer großen Kulissentorte springen, bis die Regisseurin zufrieden ist. Ist er stolz auf "seine" Maus? "Hätte mir jemand im ersten Jahr gesagt, dass ich heute noch mit ihr zu tun habe – ich hätte es nicht für möglich gehalten", antwortet Mit-Erfinder Maiwald.

Sicher keine Floskel: Tatsächlich waren die Macher heftiger Kritik ausgesetzt, nachdem die Geschichten mit der Maus 1971 erstmals gesendet wurden. Denn sie stellten das Genre auf den Kopf. Damals beherrschten nämlich noch Basteltanten oder Turnväter wie Adalbert Dickhut das betuliche Kinderprogramm. Aber besonders Kinder ließen sich von den kurzen Geschichten fesseln, die das Werbefernsehen erzählte. Deshalb kam es im Ersten zur orangenen Revolution – in Form einer Zeichentrickmaus mit großen Klimperaugen und Stummelbeinen

Ohne wissenschaftlichen Beirat, der damals für Kindersendungen typisch war, entwickelten Maiwald und sein damaliger Chef Gerd K. Müntefering eine neue Sendung mit kurzen, von Schlagermusik untermalten Filmen. Pädagogen fanden das wenig wertvoll, doch der Erfolg war überwältigend: Viele beliebte Kinderfiguren folgten der Maus, wie der kleine Maulwurf oder später Käpt’n Blaubär. Aber die Sendung sollte stets mehr sein als Unterhaltung: Über 2400 Sachgeschichten sind bis heute entstanden, darunter viele Klassiker, die Alltagsphänomene erklären: Wie kommen die Löche in den Käse, die Minen in die Bleistifte, die Streifen in die Zahnpasta?

Während der erste Zeichner der Maus, Friedrich Streich, heute im Ruhestand lebt, tüfteln die beiden Urgesteine Armin Maiwald und Christoph Biemann weiter mit großer Leidenschaft an neuen Sachgeschichten. Mit den Jahren stiegen die Ansprüche: Derzeit befassen sich die Welterklärer mit den Themen LED und Atomuhr. Für Recherchen fragen sie bei Experten nach, "bis es wehtut", so Maiwald. "Für die Geschichte, was man alles mit Erdöl anfangen kann, saß ich am Ende mit 18 Fachmännern, vom Physiker bis zum Verfahrenstechniker, zusammen, weil immer jemand im Detail nicht weiterwusste. Einige Beiträge laufen heute gar als Lehrfilme an Hochschulen.

Sensible Sachgeschichten

",Die Sendung mit der Maus‘ entsprach dem Geist der 68er", sagt Biemann, der 1972 seinen ersten "Maus"-Film drehte. "Wir wollten Kinder aufklären, ihnen die Wahrheit sagen und zeigen, dass das Leben nicht nur bunt und lustig ist." So waren schon früh Geschichten über behinderte Kinder zu sehen, und der Vorspann wurde auf Italienisch, Spanisch oder Türkisch gezeigt, um die Kinder der Gastarbeiter einzubeziehen. In den nächsten Jahrzehnten kamen viele sensible Themen hinzu, etwa Tschernobyl oder der Umgang mit dem Tod. In einer "Maus" über die Nachkriegszeit erzählte Maiwald aus seiner eigenen Kindheit.

"Der Armin" und "der Christoph" als Tollpatsch mit grünem Pulli wurden allmählich zu Identifikationsfiguren. Seit 1998 gehört auch Ralph Caspers zum Team. In Sachen Besserwisserei steht der 38-Jährige den Altmeistern in nichts nach: "Wir sind alle drei unglaubliche Klugscheißer", sagt er. "Wenn uns die Macher der Samstagabend-Show ,Frag doch mal die Maus‘ begeistert etwas zeigen, das sie vorbereitet haben, dann dauert es nicht lang, und wir sagen: ,Das hatten wir auch schon mal.‘ Es ist nicht ganz einfach mit uns." Auch wenn Caspers mit "Wissen macht Ah!" eine freche Kindersendung startete, die auf neue Art schlau macht: Um die "Maus" muss sich keiner der vielen Fans, zu denen auch Angela Merkel gehört, Sorgen machen. Neue Helden wie "Shaun das Schaf" und alte Könner wie Maiwald sorgen noch immer für liebevollen Spaß und große Aha-Effekte am Sonntagmorgen. Jede Wette, dass "der Armin" auch 2011 zum 40. Geburtstag aus der Torte springt.

Autor: Dirk Oetjen