60 Jahre ARD
Tierfilmer Heinz Sielmann in seiner Sendung "Expedition ins Tierreich"

Heinz Sielmann in 60 JAHRE ARD - VIER LANGE NÄCHTE (4), "Feature & Dokumentationen", am Sonntag (18.04.10) um 23:05 Uhr im Ersten, Foto © © SWR/NDR

Das große HÖRZU-Spezial: 60 Jahre ARD

Die besten Tierfilmer im Ersten

  • Artikel vom 13. April 2010

Samstag, 24. Januar 1953. Erst seit einem Monat sendet das ARD-Fernsehen, nur 300 Teilnehmer können das Programm empfangen. Da flimmert auch schon die erste Tiersendung über den Schwarz-Weiß-Bildschirm: "Etwas über Tierschutz" heißt der Beitrag um 20.45 Uhr. So beginnt eine Erfolgsgeschichte, deren Drehbuch bis heute die Natur schreibt. Zebras in Afrikas Savanne, Spechte im deutschen Wald, Wombats in Australien - weltweit waren Filmteams für spektakuläre Tieraufnahmen unterwegs und haben unsere Sicht der Natur verändert. Prof. Bernhard Grzimek steht wie kein Zweiter für diesen Erfolg.

"Guten Abend, meine lieben Freunde!" Mit stockend-näselnder Stimme begrüßte der Direktor des Frankfurter Zoos die Zuschauer - und machte Millionen Deutsche zu Tierschützern. Er plauderte, dozierte, gewann die Gunst der Menschen, wenn er Arm in Arm mit einem Orang-Utan im Studio saß. Nur 15 Minuten dauerte die erste Folge von "Ein Platz für wilde Tiere" am 28. Oktober 1956, rund 175 produzierte die ARD insgesamt. Immer wieder zog es Bernhard Grzimek nach Ostafrika. Der Serengeti gehörte sein Herz. Und dafür kämpfte er. "Ich habe den Bildschirm bewusst missbraucht", gab er zu. "Ich will keine Kaffeekränzchen unterhalten, sondern für die Entwicklung Ostafrikas werben."

Auch Tricks scheute er nicht. Um den Tourismus im armen Tansania anzukurbeln, stellte er günstige Pauschalreisen vor - die es gar nicht gab! Die Nachfrage war so groß, dass die Reiseveranstalter sie tatsächlich ins Programm aufnehmen mussten. In einer anderen Sendung aus dem Jahr 1965 folgte auf die gewohnt betuliche Plauderei ein Schockbeitrag übers Robbenschlachten in Nordamerika. 15.000 Protestbriefe hagelten auf Kanadas Regierung nieder, der zuständige Minister trat zurück.

Filmen als Abenteuer

Wollte Grzimek den Zuschauern beeindruckende Bilder zeigen, so ging es Heinz Sielmann vor allem um das Verhalten der Tiere. Im ersten ARD-Beitrag vom 6. März 1960 schil derte er "Das Jahr der Störche". Für seine Reihe "Expeditionen ins Tierreich" reiste er um die Welt, filmte die Vogelwunder Australiens, das Haremsverhalten der Robben oder den Alltag der Fischotter, seiner Lieblingstiere. Gefahrlos war die Entdeckerlust nicht: Als Sielmann 1983 mit HÖRZU-Redakteur Roland Westphal im Masai-Mara-Naturreservat unterwegs war, riskierte der Tierfilmer für Bilder fressender Elefanten sogar sein Leben. Eine Elefantenkuh donnerte auf den Störenfried zu. In letzter Sekunde erreichte Sielmann den rettenden Geländewagen.

Bei anderen Dreharbeiten brach plötzlich ein Berggorilla aus dem Dickicht. "Ein Vier-Zentner-Kerl", erinnerte sich Sielmann später. "Er trommelte sich auf die Brust, riss sein mächtiges Maul auf, raste auf mich zu." Auch damals gelang ihm nur knapp die Flucht. Trotz aller Abenteuerfreude gehörten Besonnenheit und Geduld zu den Stärken des Tierfilmers. 1954 sägte er für "Die Zimmerleute des Waldes" einen Baumstamm an. Durch eine Glasplatte ließen sich die darin brütenden Spechte wochenlang beobachten. Der Film lief erfolgreich bei der englischen BBC und brachte ihm dort den Spitznamen "Mr. Woodpecker" ein - Herr Specht.

Die besten Tierfilmer der ARD im Kurz-Porträt

Autor: Kai Riedemann