60 Jahre ARD
Dagmar Berghoff und Tom Buhrow

"Miss Tagesschau" Dagmar Berghoff und "Mr. Tagesthemen" Tom Buhrow - Foto: © Arne Weychardt für HÖRZU

Exklusives Doppelinterview

Dagmar Berghoff und Tom Buhrow

  • Artikel vom 09. April 2010

Dagmar Berghoff war die erste Tagesschausprecherin

Ein Mann, eine Frau, ein verbindender Satz: "Guten Abend, meine Damen und Herren!" Ab 1976 verlas Dagmar Berghoff (67) in der "Tagesschau" die Nachrichten. Von 1995 bis 1999 war sie als erste Frau Chefsprecherin. Tom Buhrow (51) erklärt den deutschen Zuschauern das Weltgeschehen seit 2006 in den "Tagesthemen". HÖRZU traf "Miss Tagesschau" und "Mr. Tagesthemen" zum exklusiven Doppelinterview in Hamburg – und erfuhr Verblüffendes über geheime Pannen, skurrile Sprechübungen und das geplante neue News-Studio:

HÖRZU: Frau Berghoff, wie lautete 1976 Ihre allererste Meldung in den ARD-Nachrichten?

Dagmar Berghoff Ich kenne sie nicht mehr auswendig! Es ging um die Entführung eines amerikanischen Diplomaten im Libanon. Ich weiß nur noch, dass meine erste Sendung eine Nachmittagssendung war und ich sie mit den Worten "Guten Tag, meine Damen und Herren" begann.

Tom Buhrow: Aha, nicht "Guten Abend"…

Dagmar Berghoff: Nein, das war meine dritte Sendung. Mein erster Auftritt war um 16 Uhr, der zweite abends um 22 Uhr und dann kam bereits die "Tagesschau". Heute dauert es in der Regel zwei Jahre, bis der Nachwuchs die 20-Uhr-"Tagesschau" lesen darf – zuvor übt er in den Nachtsendungen. Es lag daran, dass ich die erste Frau in der "Tagesschau" war.

HÖRZU: Frau Berghoff, Herr Buhrow, wann und wo haben Sie sich kennengelernt?

Dagmar Berghoff: Bei den Funkausstellungen, die Jo Brauner, Jan Hofer, Jens Riewa und ich moderierten. Zu diesen Events kamen die Korrespondenten von überall her. Wir hatten gar nicht genug Platz für alle – und Tom war auch dabei. Jetzt treffen wir uns öfter in Hamburg bei Fernsehfesten oder öffentlichen Veranstaltungen.

HÖRZU: Wie oft schauen Sie noch die "Tagesschau" und die "Tagesthemen"?

Dagmar Berghoff: Immer, sofern ich zuhause bin. Die "Tagesschau" sehe ich immer, die "Tagesthemen" wenn es zeitlich passt. Früher, als ich noch Chef-Sprecherin war, habe ich mir jede 20-Uhr-Ausgabe aufgezeichnet – das war die Lehre aus einer verpassten Sendung, bei der ein Kollege etwas verpatzt hatte und ich mir die Aufzeichnung mühselig besorgen musste, um sehen zu können, was geschehen war. Heute schaue ich die Nachrichten auch manchmal auf meinem Laptop.

HÖRZU: Erinnern Sie sich noch an Ihren legendären Lachanfall?

Dagmar Berghoff: Natürlich! Dabei ging es um Boris Becker, der ein Tennisturnier namens WTC gewonnen hatte. Vor der Sendung sagte ich den Redakteuren im Scherz, ich würde gleich sagen, Boris Becker habe im WC gewonnen. Niemand glaubte, dass ich das wirklich machen würde. Also überlegte ich mir, bei dem Verlesen wie eine Schauspielerin zu agieren. Mein Plan war, die ersten Worte "Boris Becker hat im…" vom Blatt abzulesen, dann hoch zu schauen – nur für die Redakteure – und dann "im WTC-Turnier gewonnen" zu sagen. Doch soviel Kalkül war zu viel an diesem Tag – und ich vermeldete, Boris Becker habe im WC-T-Turnier gewonnen. Als mir das über die Lippen gekommen war, überfiel mich der legendäre Lachkrampf.

Tom Buhrow: Das war so sympathisch! Ich habe es damals mitbekommen. Und ich glaube, mich daran zu erinnern, dass dein Lachkrampf später in vielen anderen Sendungen gezeigt wurde, Dagmar.

HÖRZU: Es war nicht die einzige Panne in der bisher 57-jährigen Geschichte der ARD-Nachrichten.

Dagmar Berghoff: Richtig. Da gibt es etwa noch einen anderen Klassiker: Während einer Sendung mit Susanne Daubner lief plötzlich ein Putzmann durch das Bild.

Tom Buhrow: Der berüchtigte Schrubber! Susanne Daubner begann wie üblich mit "Guten Morgen, meine Damen und Herren" – und der Putzmann grüßte laut und freundlich aus dem Hintergrund zurück.

Dagmar Berghoff: Der Witz war, dass der gute Mann überhaupt nicht begriff, dass er auf Sendung war. Er kam schließlich sogar nach vorn und begann, um Susanne herum zu putzen. Wäre ich auf Sendung gewesen, hätte mich mein zweiter Lachanfall in der Historie der ARD-Nachrichten ereilt.

Autor: Mike Powelz

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