60 Jahre ARD
Moderatoren der "Sportschau" 1967: Dieter Adler, Ernst Huberty und Addi Furler

Die "Sportschau" 1967 mit den Moderatoren (v.l.) Dieter Adler, Ernst Huberty und Addi Furler, Foto © WDR/Klaus Barisch

Das große HÖRZU-Spezial: 60 Jahre ARD

Bundesliga in der Sportschau

  • Artikel vom 14. April 2010

Am 24. August 1963 um 16.58 Uhr schoss Timo Konietzka das erste Tor der Bundesliga-Geschichte. Zu sehen war davon in der ARD-"Sportschau" - nichts! Der Weg der WDR- Erfindung zum heutigen "Mercedes unter den Sportsendungen" (so WDR-Sportchef Steffen Simon) war weit. "Es ist ein Treppenwitz der Geschichte, dass wir das erste Tor nicht zeigen konnten", sagt Ernst Huberty im Interview mit HÖRZU. Der heute 83-Jährige moderierte die "Sportschau" von der ersten Sendung 1961 (noch ganz ohne Fußball ) bis 1982. "Wir durften nur Ausschnitte von zwei, später drei Partien zeigen - das galt bis 1988. Der DFB dachte: Bei noch mehr kommen die Leute nicht mehr ins Stadion." Zudem lief die "Sportschau" nur am Sonntag. "Wir waren sonntags im zweiten Programm der ARD versteckt. Zum Kult wurden wir erst 1965, als wir am Samstag den Sendeplatz um 17.45 Uhr bekamen", sagt Huberty.

Das Erfolgskonzept ist seit 50 Jahren dasselbe: "kompakt, kompetent, kurzweilig und ohne Firlefanz", sagt Heribert Faßbender, eine Legende am Mikro von 1982 bis 2002. "Außerdem gab es keine Konkurrenz", ergänzt Huberty. "Nur 'Daktari' im ZDF." Zehn bis 15 Millionen Zuschauer sahen zu - der Genuss von Fußball pur wurde noch nicht durch Werbung oder Interviews unterbrochen. "Früher hat sich keiner für Interviews interessiert. Ich glaube, wir hätten damals auch keine machen dürfen", sagt Huberty.

Die Produktionsbedingungen muten heute abenteuerlich an: "Ich stand morgens am Fenster und schaute, woher der Wind kam - war es die falsche Richtung, brauchten wir eine halbe Stunde länger", erinnert sich Ernst Huberty. Damals wurden die Filmrollen zur Halbzeit noch per Motorrad, nach dem Schlusspfiff per Hubschrauber ins Studio nach Köln transportiert. "Die mussten entwickelt und von Hand geschnitten werden. Im letzten Hubschrauber saß ich. Einmal mussten wir in der Nähe von Dortmund wegen Nebel auf einem Feld neben dem Misthaufen notlanden. Auf dem Bauernhof haben wir dann gefragt, wo denn die Autobahn ist."

Ein wichtiges Markenzeichen der ARD-Fußballberichterstattung kam 1971 hinzu. "Mein Kollege Klaus Schwarze brachte eine Idee aus England mit. Dort wurde immer am Ende der Sendung das Tor des Spieltages gezeigt", sagt Heribert Faßbender. Ernst Huberty musste erst noch überzeugt werden - im März 1971 war es so weit: Gerhard Faltermeier von Jahn Regensburg schoss das erste "Tor des Monats", das die "Sportschau"-Zuschauer aus fünf Vorschlägen ausgewählt hatten.

Das "Tor des Monats"

"Bereits bei der Premiere kamen mehrere Hunderttausend Postkarten", erinnert sich Huberty. "So haben wir die Auszählung an ein Kölner Gefängnis gegeben." Bis zu fünf Millionen Zusendungen gab es - seit 1997 ist die Abstimmung nur per Telefon und Internet möglich. "Als Marke ist das unglaublich wichtig für die ARD", sagt Steffen Simon. "Ein einziger Redakteur erarbeitet übrigens die Vorschläge. Hin und wieder müssen wir ihm sagen, dass er seinen Fetischismus für Winkeltore bremsen soll und mal einen Fallrückzieher mit hineinnimmt." Hinzu kamen das "Tor des Jahres", das "Tor der Woche" u. a.

Autor: Oliver Noelle