TV-Serie Verdachtsfälle

Hörzu TV-Serie „Verdachtsfälle“

„Verdachtsfälle“ ist das pralle Menschenleben, lautstark und unreflektiert vorgeführt von Laiendarstellern. Ein Protagonist steht unter dem Verdacht, eine Straftat begangen zu haben. Angehörige und Familienmitglieder äußern sich zum Fall und zum Verdächtigen und damit auch über sich selbst, was ihnen aber nicht bewusst ist.

Scripted Reality mit Schreien und Tränen

Wenn ein Mensch in den Verdacht gerät, eine Straftat begangen zu haben, verändert das nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch das seines engsten Umfeldes. Laiendarsteller geben in „Verdachtsfälle“ ihr Bestes, in der Regel führt das zu großer Lautstärke, Selbstmitleid, Unterstellungen und einem fahrlässigen Umgang mit dem hohen Gut der Privatsphäre. Es sind die oft beschworenen bildungsfernen Schichten, die hier mit viel Schwung und ohne schauspielerisches Talent vor der Kamera agieren. Zwischentöne sind ihre Sache nicht, frohgemut fahren sie ihre Angehörigen gegen die Wand und es ist schwer vorstellbar, wie nach diesem emotionalen Armageddon jemals wieder Vertrauen die Grundlage des Verhältnisses werden könnte. Die Handlung ist frei erfunden, die Episoden von „Verdachtsfälle“ sind billig inszeniert, die Darsteller agieren ohne erkennbare Anleitung. Hauptsache laut und prollig, tätowiert und abhängig von staatlicher Finanzierung. Psychologisches Raffinement ist nicht gewollt und würde die Akteure auch überfordern. Dabei bedeutet Verdacht: Die Schuld ist noch nicht erwiesen, bei uns gilt die Unschuldsvermutung. Nachdenkliche Angehörige, Freunde, Nachbarn, die Hilfe anbieten – das wünscht sich wohl jeder, der unter Verdacht gerät. Aber man kann auch ins Nachmittagsprogramm von RTL geraten. Vor Gericht, auf hoher See und in der Scripted Reality ist jeder in Gottes Hand. Dabei wären viele Reaktionen denkbar, ohne zu denunzieren: Trauer, Verstummen, Enttäuschung, Scham. Am Ende jeder Folge von „Verdachtsfälle“ wird offenbart, ob der Verdacht berechtigt ist oder nicht. In diesem Moment beginnt in den Familien theoretisch der schwierigere Teil der Verarbeitung, aber dann läuft keine Kamera mehr.

Wo und wann läuft „Verdachtsfälle“?

RTL strahlt alle Folgen montags bis freitags im Nachmittagsprogramm aus. Danach sind sie 30 Tage abrufbar über das Video-on-Demand-Portal RTLnow. Bisher liefen über 500 Folgen von „Verdachtsfälle“.