Sendungsinfo
Fr / 11:40 - 12:09 / 3sat

Sehen statt Hören

Magazin für Hörgeschädigte mit Untertiteln und Gebärdensprache

Gesellschaftsmagazin / D 2022
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Beschreibung

Magazin für Hörgeschädigte mit Untertiteln und Gebärdensprache - Seit Beginn des russischen Angriffskriegs sind nach offiziellen Angaben inzwischen mehr als 600.000 Menschen aus der Ukraine in Deutschland als Flüchtlinge registriert. Darunter sind auch zahlreiche Gehörlose. "Sehen statt Hören" hat ankommende Geflüchtete begleitet. Viele Stunden dauern die Fahrten - besser gesagt die Flucht vom Krieg aus der Heimat. Die Menschen, die aus der Ukraine oft mitten in der Nacht mit Bussen oder der Bahn in Deutschland ankommen sind erschöpft, sowohl körperlich als auch psychisch. Wie wichtig es in solchen Momenten ist, am Ziel bereits erwartet zu werden, von Menschen mit denen man kommunizieren kann. Gerade für gehörlose Geflüchtete aus der Ukraine ist das oft herausfordernd. Glücklicherweise finden sich auch gebärdensprachliche ehrenamtliche Dolmetscher, die helfen. Doch die Zahl der muttersprachlichen Übersetzer ist begrenzt und sie sind vor allem in den Großstädten zu finden. Doch nicht alle kommen in die Städte. Die Verteilung der Geflüchteten läuft nach dem Königsteiner Schlüssel. Das heißt: Sobald Geflüchtete sich in einem Bundesland registrieren, wird dort im Computer die Quote automatisch berechnet, den Geflüchteten wird ein Bundesland zugewiesen - und dort werden sie dann untergebracht. Das soll zur Gerechtigkeit für alle Bundesländer führen. Doch für manche Gruppen ist es ein Problem, wenn sie verteilt werden. Wie bei Gehörlosen. Deshalb setzen sich eine Reihe Helferinnen und Helfer dafür ein, dass taube Ukrainerinnen und Ukrainer zusammenbleiben können. Die 22-jährige Nataliia ist ganz alleine aus der Ukraine geflohen. Ihre komplette Familie, alle Freunde hat die gehörlose Frau zurücklassen müssen. Sie kam über Polen und schließlich mit dem Bus in Düsseldorf an. Dort wird sie bereits vom gehörlosen Dolmetscher Roman Poryadin und einer hörenden Kollegin erwartet. Er macht sich durchaus Sorgen um die junge Frau. Denn erst bei der anschließenden Registrierung wird sich entscheiden, ob Nataliia auch in Düsseldorf bleiben kann. Nataliia hat Glück: Sie darf bleiben - und ihr wird als Unterkunft ein Hotel zugewiesen, in dem bereits zwei gehörlose ukrainische Familien sind. Vier Wochen später hat sich Nataliia eingelebt. Sie unternimmt etwas in ihrer Freizeit und will anfangen zu arbeiten. In Kiew hat sie Modedesign studiert und würde im nächsten Jahr ihren Abschluss machen. Jetzt will sie erstmal mit Putzen Geld verdienen. Mit ihrer Familie steht sie per Handy und Facetime in Kontakt. Doch Nataliia ist sich sicher, dass ihr nicht alles erzählt wird. Auch wenn Nataliia mittlerweile die Aufenthaltsgenehmigung hat und langsam Anschluss findet, hat sie einen einzigen großen Wunsch: Bald in die Ukraine und zu ihrer Familie zurückkehren zu können. In Köln warten die Dolmetscher Anton, Paul und Rafael auf 180 gehörlose Geflüchtete, die mit dem Bus aus Berlin ankommen sollen. Doch die Geflüchteten wollen nicht weg aus Berlin, sie protestieren und sagen, in Köln gäbe es keine Dolmetscher und Helfer - was laut der ehrenamtlichen Dolmetscher nicht der Realität entspricht. Trotzdem kommt tatsächlich nur ein Bruchteil der erwarteten Menschen an: Gerade einmal 19 steigen aus dem Bus - Frauen und Männer. Gehörlose Männer sind von der allgemeinen Mobilmachung in der Ukraine befreit. Die drei Dolmetscher nehmen die Geflüchteten in Empfang und begleiten sie zur Registrierung. Auch in Köln bangen die Begleiter, dass die Gruppe getrennt werden könnte - doch alle kommen glücklicherweise gemeinsam in einem Hotel unter. Und sie sind froh, aus der Hauptstadt weg zu sein, erzählen von Chaos, nicht erteilten Genehmigungen, fehlender finanzieller Unterstützung. In Köln erhoffen sie sich Klarheit. Einen Monat später sind alle immer noch in dem Hotel untergebracht, bislang gab es keinerlei Zwischenfälle - nur das Warten machte die Geflüchteten unruhig. Doch jetzt haben alle eine Aufenthaltsgenehmigung - und die Erleichterung ist groß. Doch es gibt auch die Gehörlosen, die in der Ukraine geblieben sind.