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Erlebnis Hessen

Ein Floß für die Weser

Regionaldoku / D 2016

Beschreibung

Ein Floß für die Weser - Sie ist Hessens nördlichste Wasserstraße. Über Jahrhunderte war die Weser für die Menschen das Tor zur Welt. Als Handelsstraße gingen mit ihr Waren jeglicher Art über Bremen bis nach Asien oder Amerika. Das älteste Transportmittel waren wohl die Flöße. Die, die sie bauten und damit stromab fuhren, hatten den Ruf von wilden Kerlen, Haudegen, und unerschrocken zu sein. Sie trotzten Wind und Wetter, lebten über Tage in einfachster Art und Weise auf ihren zusammengebundenen Holzstämmen - bis in die sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, dann ging die Weserflößerei endgültig zu Ende, das Holz wurde nur noch mit Lastwagen auf der Straße transportiert. Ein Verein hält bis heute die Erinnerung an das alte Handwerk wach und hat wieder ein Floß gebaut. Von Anfang an begleiten die Filmautoren Eckhard Braun und Jens Waechter die Männer bei ihrem Projekt, beim Schlagen der Bäume im Reinhardswald, beim kunstvollen Bau des Wassergefährts und schließlich den Fluss hinab. "Regional ist nicht egal" - dieses Motto leitet sie. Und deshalb stammen die Bäume auch aus beiden großen Waldgebieten rechts und links des Weserufers: dem hessischen Reinhardswald und dem niedersächsischen Solling. Die Tour führt entlang kleiner Weserfähren, die bis heute Brücken ersetzen und Autos übersetzen, Gierseilfähren, ohne Motor, nur mit der Kraft des Wassers getrieben. 42 Kilometer fließt die Weser in Hessen. Im Solling auf dem rechten Weserufer treffen Eckhard Braun und Jens Waechter auf ein ungewöhnliches Projekt. Um den Charakter des alten Hutewaldes zu erhalten, leben hier Rinder und Wildpferde frei im Wald, wie zu Zeiten der Hute, als Bauern ihre Tiere zum Fressen hinein trieben und so die besondere Waldform schufen. Hier findet sich auch der weltberühmte Wesersandstein. Bis heute bauen Steinhauer diesen Baustoff ab, in fast unglaublich harter Handarbeit. Eckhard Braun und Jens Waechter sind dabei, wenn aus rohem Stein wertvolle Platten, Treppenstufen oder Fenstersimse gehauen und gesägt werden. Der Sandstein wird von hier bis Amerika und Kanada exportiert, denn er gilt als einer der härtesten der Welt. Die Steinmetze in den Brüchen stammen zumeist aus Portugal. Schon seit Jahrzehnten, seit ihre Familien den armen Süden verließen, haben sie in Nordhessen eine zweite Heimat gefunden, Wirtschaftsflüchtlinge, die teilweise schon in dritter Generation hier leben. Flüchtlinge haben den Raum seit jeher bereichert. Viele Hugenottendörfer liegen an der Oberweser, die die Männer gemächlich auf dem Floß hinab fahren. Die Stadt Bad Karlshafen, an Hessens nördlichster Spitze, wurde Anfang des 18. Jahrhunderts sogar eigens für die französischen Glaubensflüchtlinge gebaut. Eckhard Braun und Jens Waechter treffen die Nachfahrin einer Hugenottenfamilie. Im Bewusstsein ihrer Familiengeschichte kümmert sie sich heute um syrische Menschen, die jetzt ihre Heimat verlassen mussten und nun für eine Zeit hier Zuflucht gefunden haben. Hier bei Bad Karlshafen verlässt das Weserfloß Hessen, die Weser fließt in Richtung Meer.