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Baseballschlägerjahre

Die Wendegeneration und rechte Gewalt

Gesellschaftsreportage / D 2020

Beschreibung

Die Wendegeneration und rechte Gewalt - Prügel, Drohungen, Hetzjagden - in den Nachwendejahren bricht in Ostdeutschland Hass, Rassismus und Gewalt auf; besonders unter Jugendlichen. An vielen Orten gehören Straßen und Plätze der rechten Szene. Bomberjacken, Springerstiefel und Hitlergruß zeigen dem eingeschüchterten Rest, wo man steht. Der Journalist und Autor Christian Bangel, in Frankfurt (Oder) geboren und aufgewachsen, nannte diese für ihn prägende Zeit die "Baseballschlägerjahre". Als Bangel Ende 2019 seine Erinnerungen in einem Artikel der Wochenzeitung DIE ZEIT veröffentlicht und unter dem Stichwort #baseballschlägerjahre in den Sozialen Medien teilt, trifft er einen Nerv: Viele Menschen aus Ost und West melden sich zu Wort, um ihre Erlebnisse und Erfahrungen auszutauschen. Zu lange war über die Zeit des Umbruchs und der Gewalt geschwiegen worden. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) und ZEIT ONLINE blicken nun in sechs Kurzfilmen auf die ersten Jahre in Ostdeutschland nach der Deutschen Einheit, als Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt aufkeimten und zur Jugendkultur wurden: ZEIT-Autor Christian Bangel begibt sich auf Spurensuche und geht in "Meine Baseballschlägerjahre" an den Ort seiner Jugend zurück, am Rande des wiedervereinten Deutschlands. In Frankfurt (Oder) wurde er von Neonazis verfolgt und erlebte eine Atmosphäre von Angst und Gewalt. Wie hat die Stadt das Problem in den Griff bekommen? Im Film "Amadeu António" wird der Fall rekonstruiert, der die Brutalität und die Hemmungslosigkeit rechter Gewalt im Dezember 1990 zum ersten Mal offenkundig werden ließ: Die Tötung von Amadeu António Kiowa, der als angolanischer Vertragsarbeiter in die DDR gekommen war und von Skinheads im brandenburgischen Eberswalde zu Tode geprügelt wurde. Wie konnte das passieren? Die Dokumentation "Himmelfahrtskommando" über die gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Neonazis und linker Szene in Magdeburg zeigt, wie sich eine ganze Jugendgeneration radikalisierte; wie Menschen gejagt, verletzt und sogar getötet wurden. "Ich bleibe" versucht zu ergründen, wie es denen erging, die unter Rassismus und Fremdenhass am unmittelbarsten leiden mussten - Menschen aus Einwandererfamilien, die immer wieder beschimpft, bedroht und verfolgt wurden. Die Reportage "Nazis im Visier" beleuchtet die späte Reaktion des Staates auf den anwachsenden Rechtsextremismus am Beispiel Brandenburgs und beschreibt die Arbeit der MEGA, einer Sondereinheit der Brandenburger Polizei, die 1998 aufgebaut wurde, um rechte Gewalt einzugrenzen und zu verfolgen. Sind die Strategien der Polizei aufgegangen? "Die Häutung" porträtiert einen ehemaligen Neonazi aus Thüringen, der seit über zehn Jahren aus der Szene aussteigen will. Das Entfernen seiner szenetypischen Tattoos steht symbolisch für den Prozess der Abkehr. Das Porträt zeigt eindrucksvoll, wie schwierig es für Betroffene ist, sich aus rechtsextremistischen Strukturen zu befreien und wie rechtes Gedankengut nach wie vor das öffentliche Klima vergiftet.