Krimi-Spezial
Tatort Verbrannt

Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) und Falke (Wotan Wilke Möhring) betreten
die Zelle des Verstorbenen. Foto: © NDR/Alexander Fischerkoesen

Der "Tatort" nach einem realen Fall

Er verbrennt bei lebendigem Leib, festgekettet auf einer Pritsche in der Arrestzelle

  • Artikel vom 02. Oktober 2015

Der "Tatort: Verbrannt" (So., 11.10., 20.15 Uhr, Das Erste) nach einem realen Fall: In Niedersachsen stirbt ein Asylbewerber aus Afrika im Polizeiarrest.

Er verbrennt bei lebendigem Leib, festgekettet auf einer Pritsche in der Arrestzelle. Auf der Polizeiwache heißt es rasch, trotz Leibesvisitation habe es der Afrikaner geschafft, ein Feuerzeug zu behalten und damit seine Matratze anzustecken.

Doch die Bundespolizisten Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) haben da erhebliche Zweifel. Warum etwa reagierten die diensthabenden Beamten so spät auf den Alarm des Feuermelders?

Was passiert im "Tatort: Verbrannt"?

Falke und Lorenz beschatten einen afrikanischen Asylbewerber in einer ungenannten niedersächsischen Kleinstadt - gedreht wurde in Salzgitter. Der Mann wird verdächtigt, mit falschen Pässen zu handeln.

Bei der Festnahme rastet Falke aus und schlägt den Verdächtigen zusammen. Der soll am nächsten Morgen verhört werden und kommt über Nacht in Polizeigewahrsam - den er nicht überlebt.

Falke fühlt sich mitschuldig, zumal der Asylbewerber auch noch irrtümlich verhaftet wurde. Mit Katharina Lorenz übernimmt er die Ermittlungen. Dabei entpuppen sich die Kollegen auf der Wache als eingeschworener Verein mit ganz eigenen Ritualen.

Was ist das Besondere an diesem "Tatort"?

Grundlage dieses "Tatorts" ist ein wahres Ereignis: 2005 verbrannte Oury Jalloh aus Sierra Leone in einer Gefängniszelle in Dessau. Der Skandal um die mangelhafte juristische Aufklärung machte bundesweit Schlagzeilen. 2012 wurde ein Beamter wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldbuße verurteilt.

Anders als am Schluss dieses Krimis ist bis heute nicht geklärt, was in Dessau genau passierte, ob und wie sich ein an Händen und Füßen angeketteter Mensch selbst angezündet hat.

Welche Schauspieler sind dabei?

Werner Wölbern, der wunderbar schmierig und pseudojovial den Revierleiter spielt, ist nächste Woche auch im "Tatort" aus Dortmund zu sehen, Anfang 2016 dann in dem aus Bremen.

Petra Schmidt-Schaller steigt mit dieser Folge aus dem Tatort aus: "Ich habe der Figur gegeben, was ich ihr geben wollte, und dann gemerkt, dass es mich weiterzieht", sagt sie über "ihre" Katharina Lorenz. Ein Verlust.

Wertung "Tatort: Verbrannt"

Wenn die Geschichte so spannend, klar und dicht erzählt und überzeugend gespielt wird, wenn sie gesellschaftliche Missstände thematisiert und einem noch am nächsten Tag nachhängt, kann man sich von einem "Tatort" kaum mehr wünschen.

Autor: Thomas Röbke