Kreuzfahrt-Spezial
Lesen, dösen, Sonne tanken: So genussvoll ist es an Deck.

Entspannung pur: Lesen, dösen, Sonne tanken auf Deck tut der Seele gut. - Foto © picture alliance / dpa-tmn

Tipps von Experten

Seefahrt für die Seele

  • Artikel vom 10. Oktober 2012

Angespannt, ausgepowert, erschöpft? Eine kurze Auszeit auf dem Meer kann Wunder wirken! Experten verraten, warum das so ist.

Ein Tag auf dem Ozean. Auf dem Achterdeck liegen, sonnen, lesen, einen Kaffee genießen. Wie gut das tut! Das Schiff steuert zielstrebig vorwärts. Der Blick schweift über das weite Blau, streift die aufgewühlte Wasserbahn, die der Ozeanriese zurücklässt. "Im übertragenen Sinn schaut man auf das, was hinter einem liegt", sagt Andreas Lukoschik, Moderator und bekennender Kreuzfahrtfan. "Da ist kein 'Du musst noch …' im Weg. Kein Ziel verengt die Aufmerksamkeit. Das erfüllt einen mit großer Ruhe. Vielleicht fällt einem die eine oder andere Begebenheit aus der Vergangenheit ein – und man schließt Frieden mit ihr."

Auf großer Fahrt ins Glück. "Währenddessen strudelt das Wasser fort in die Unendlichkeit des Meeres. Und man ahnt das Gleichnis des Lebens: Aus aufgewühlter See wird ein stilles Band an Erinnerungen, das sich zum Horizont hin verliert." So beschreibt Lukoschik die Faszination des Meeres. Er muss es wissen. Der ausgebildete Diplom-Psychologe hat fast zwei Dutzend Kreuzfahrten gemacht und jetzt ein Buch darüber geschrieben, ein Kreuzfahrt- Abc (Hier bestellen: "Schläft das Personal auch an Bord?", Kiepenheuer & Witsch, 278 S., 16,99 €).

Traumschiffe: Wiege der Geborgenheit

Einen bequemeren Weg in die Ferne als einen Luxusdampfer gibt es für Lukoschik nicht. Der 59-Jährige liebt es, nur einmal die Koffer auszupacken und trotzdem jeden Tag in einer anderen Stadt zu sein. Viele Urlauber schätzen die Traumschiffe vor allem als Trutzburgen der Sicherheit, als schwimmende Schlösser des Komforts. Es ist alles da, was man braucht. Auch für die Seele. "Wir werden auf den Schiffen auch immer ein klein wenig geschaukelt, wie in der Wiege", schreibt Lukoschik. "Das ist eine angenehme Geborgenheit."

Auch Edgar Hasse, ehrenamtlicher Bordseelsorger der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland und zurzeit bei TUI Cruises engagiert ("Mein Schiff 1 und 2"), beschreibt die ganz besondere Magie einer Kreuzfahrt. "Gerade in der Begegnung mit der Urgewalt von Wind und Wellen werden die Tiefenschichten der Seele berührt", erklärt der 52-Jährige. "Das sich bewegende Meer, die Sonnenuntergänge, der Sternenhimmel über der Karibischen See oder die geometrisch gezirkelten Eisberge vor der Antarktischen Halbinsel lassen tiefe Bilder zurück, die neue seelische Kräfte hervorrufen und Traumatisierungen lösen können."

Aus langjähriger Erfahrung weiß Hasse, dass Kreuzfahrten dazu dienen können, persönliche Krisen etwa durch Trauer oder soziale Konflikte zu bewältigen. "Ich habe auch Passagiere getroffen, die auf Partnersuche sind, vor allem ältere Damen, die das Weihnachtsfest lieber an Bord feiern wollen als allein zu Hause", erzählt der Theologe. "Die Sehnsucht besteht darin, Altes hinter sich zu lassen, neue Horizonte zu entdecken, neue Menschen kennenzulernen. Auf dem Ozean gibt es keine Begrenzungen mehr. Nur die Urgewalt des Natur."

Frei von Alltagsschwere

Selbst in Krisenzeiten stehen Kreuzfahrten bei den Menschen hoch im Kurs. Denn gerade die Reise auf hoher See schenkt ein Gefühl des Entfliehens vor dem Alltag. Sie verspricht die totale, auch geografische Abschottung vom stressigen, sorgenbelasteten Treiben. Eine Sinnsuche mit Suchtpotenzial. Denn, so sagt Lukoschik: "Wer einmal an der Reling stand, die Ellbogen auf das blank polierte Holz gestützt, und in Ruhe und Gelassenheit auf das Meer geschaut hat, das seine Farbe von Ort zu Ort ändert, der weiß, dass er stark gefährdet ist, diesen Anblick und die dabei auftauchenden Gedanken, Gerüche und Gefühle viel öfter haben zu wollen."

Autor: Anja Matthies