Psychologie

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Auf sich selbst achten

Selbstfürsorge • Was tut mir gut?

  • Artikel vom 17. Juni 2017

Wir alle vergessen im Alltag manchmal die eigenen Bedürfnisse. Dabei ist ein guter Umgang mit sich selbst die Bedingung für Wohlbefinden und Zufriedenheit. Was Selbstfürsorge bedeutet und wie sie gelingt..

Der Alltag ist bei den vielen meisten Menschen voller Aufgaben, Erledigungen und Terminen: Familie, Arbeit, Freunde, Haushalt... Da bleibt wenig Zeit, um entspannt durchzuatmen und sich selbst etwas Gutes zu tun. Dabei ist Selbstfürsorge fürs eigene Wohlbefinden und die Zufriedenheit so wichtig.

Was ist Selbstfürsorge?

Der deutsch-schweizerische Psychoanalytiker Prof. Dr. med. Joachim Küchenhoff fasst die Bedeutung von Selbstfürsorge folgendermaßen zusammen: „Selbstfürsorge meint die Fähigkeit, mit sich gut umzugehen, zu sich selbst gut zu sein, sich zu schützen und nach sich selbst zu schauen, die eigenen Bedürfnisse zu berücksichtigen, Belastungen richtig einzuschätzen, sich nicht zu überfordern oder sensibel auf Überforderungen zu bleiben".

Selbstfürsorge beinhaltet also, die eigenen Grenzen zu kennen und zu respektieren und sich so vor Überforderung zu schützen. Es bedeutet auch, sich über die eigenen Bedürfnisse überhaupt erst einmal klar zu werden und sich selbst Aufmerksamkeit entgegen zu bringen.

Selbstfürsorge lernen – weil Sie wichtig sind!

Manche Menschen kennen ihre Bedürfnisse und Grenzen genau und es fällt ihnen leicht, sie zu achten. Vielen Menschen jedoch fällt das schwer und auch gesellschaftlich wird Selbstaufgabe eher idealisiert als Selbstfürsorge. Gerade wenn Sie der Typ sind, der es immer allen recht machen möchte und die Bedürfnisse der anderen vor seine eigenen stellt, ist es wichtig, Selbstfürsorge zu lernen. Denn wenn Sie sich und Ihre Bedürfnisse immer zurücknehmen, führt das auf Dauer zu einem erhöhten Stresslevel, der wiederum zu Anspannung und letztendlich zu Unzufriedenheit oder Überforderung führt.

Selbstfürsorge ist nicht egoistisch, auch wenn es manchmal so aufgefasst wird. Denn Selbstfürsorge bedeutet nicht, die Bedürfnisse anderer nicht mehr zu achten. Im Gegenteil: Durch das Respektieren der eigenen Bedürfnisse und das entsprechende Handeln sind Sie mit ausreichend Energie und Ruhe versorgt, um sich dann auch um andere und deren Bedürfnisse kümmern zu können.

Die eigenen Bedürfnisse kennen lernen

Sie selbst wissen am besten, welche Bedürfnisse Sie haben, wo Ihre Grenzen sind, wie Sie für Ausgleich für sich sorgen können oder was Ihnen Energie gibt. Wenn Ihnen diese Punkte noch nicht klar sind, ist es hilfreich, darüber bewusst nachzudenken. Achtsamkeit kann Ihnen helfen, dies herauszufinden. Beginnen Sie doch sofort, in diesem Moment mehr auf sich selbst zu achten und fragen Sie sich:

• Wie geht es mir?

• Wie fühle ich mich gerade?

• Wie fühlt sich mein Körper an?

• Welche Gedanken beschäftigen mich?

• Was brauche ich jetzt, um entspannen zu können?


Hilfreich können auch die folgenden Fragen sein:

• Achte ich genug auf mich und meine Gefühle?

• Achte ich ausreichend auf meinen Körper und behandle ich ihn gut?

• Habe ich genug Zeit für mich, zur Erholung und Entspannung?

• Was tut mir gut? Was macht mich glücklich?

• Was gibt mir Kraft und Energie?

Grundbedürfnisse achten

Selbstfürsorge ist sehr individuell und kann für jeden etwas Unterschiedliches bedeuten. Grundbedürfnisse wie Schlaf, Ernährung und Bewegung sind allerdings bei allen Menschen vorhanden und können gute Ausgangspunkte für Selbstfürsorge sein:

• Schlaf: Schlafen Sie genug? Wie viel Schlaf brauchen Sie, um sich ausgeschlafen zu fühlen? Gehen Sie rechtzeitig ins Bett, wenn Sie müde sind? Eine tägliche Abend- oder Einschlafroutine, wie beispielsweise Lesen, Musik hören oder eine kleine Meditation, kann Ihnen helfen, erholsamer zu schlafen und ausgeruhter in den Tag zu starten.

• Ernährung: Achten Sie darauf zu essen, was Ihr Körper braucht? Oder essen Sie einfach drauf los, viel Fast Food, Fertigessen, Zucker und Süßigkeiten? Mit einer gesunden und ausgewogenen Ernährung sorgen Sie gut für sich und wertschätzen Ihren Körper, der täglich für Sie funktioniert.

• Bewegung: Bewegung ist nicht nur wichtig für die körperliche Gesundheit, sondern dient auch dem Stressabbau. Wir sollten sie alle so gut wie möglich in unseren Alltag integrieren. Wichtig ist allerdings die innere Haltung: Machen Sie zum Beispiel Sport nur, um abzunehmen? Oder weil Sie sich hinterher richtig wohl und positiv gestimmt fühlen? Versteht sich von selbst, dass Letzteres in Sachen Selbstfürsorge die bessere Variante ist. Finden Sie also heraus, welche Art der Bewegung Ihnen wirklich Spaß macht und gut tut.

Selbstfürsorge in den Alltag integrieren

Anfangs kann es helfen, sich ganz bewusst Zeit für sich zu nehmen. Tragen Sie dafür ruhig konkrete Termine in Ihren Kalender ein und behandeln Sie sie wie eine feste Verabredung mit sich selbst. Überlegen Sie sich bewusst etwas Schönes, das Sie dann tun möchten: lesen, spazieren gehen, Sport, Kunst, Handarbeiten, meditieren, schreiben oder ähnliches. Sinnvoll sind aber auch 15 Minuten “Ich-Zeit” jeden Tag, in der Sie in sich hineinspüren und ein bisschen zur Ruhe kommen.

Auf die eigenen Bedürfnisse eingehen

Letztendlich geht es bei der Selbstfürsorge darum, sich selbst und die eigenen Bedürfnisse zu kennen, um sie beim Planen und Handeln zu beachten. Es kann ein bisschen dauern, bis Sie lernen, wirklich auf sich zu hören und sich selbst mit Wertschätzung zu begegnen. Auch herauszufinden, was Ihnen tatsächlich Freude macht und nachhaltig gut tut, benötigt Zeit. Es lohnt sich aber sehr, diese Zeit zu investieren, sich nicht mit dem Wechsel aus Stress, Aufgabenerledigung und Freizeitablenkung zufriedenzugeben, sondern wahrhaft selbstfürsorglich zu werden.

Und wie gesagt: Wer gut auf sich selbst aufpasst, die eigene Ausgeglichenheit und das Selbstvertrauen stärkt, sorgt nicht nur fürs eigene Wohlbefinden und eine höhere Lebensqualität, sondern hat auch mehr Kraft übrig, sich um andere zu kümmern.

Autor: Miriam Funk