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Tinnitus Ursachen Behandlung

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Was hilft bei Ohrgeräuschen

Tinnitus • Ursachen & Behandlung

  • Artikel vom 18. Mai 2018

Tinnitus plagt Betroffene mit lästigem Summen, Pfeifen oder Klingeln im Ohr. Welche Ursachen für die Geräusche verantwortlich sein können und warum die richtige Behandlung so wichtig ist.

Tinnitus ist der medizinische Sammelbegriff für Ohrgeräusche, die in verschiedenen Formen auftreten können. Gemeinsam ist den meisten, dass sie ohne äußere Schallquelle entstehen. Sprich: Das Geräusch ist für andere nicht hörbar, existiert nur im eigenen Ohr. Bedeutet aber nicht, dass man das lästige Phänomen als lästiges "Stresssymptom" abtun und nichts dagegen unternehmen kann oder sollte. Die Suche nach der Ursache des Tinnitus lohnt sich auf jeden Fall. Nur so kann man etwas dagegen unternehmen und im Idealfall einem erneuten Auftreten vorbeugen.

Hauptursachen für Tinnitus

Eine eigenständige Krankheit ist Tinnitus nicht, vielmehr ist das unangenehme Rauschen oder Pfeifen ein Symptom, dessen Auslöser ebenso in äußeren Faktoren als auch im Inneren liegn kann.

Das sind die Hauptursachen:

• Das Hören von zu lauter Musik zum Beispiel auf einem Konzert oder über die eigenen Kopfhörer

• Das Arbeiten in einer lauten Umgebung (Bauarbeiter, Lehrer u.a.)

• Nikotin, Alkohol oder Drogen

• Psychischer Druck und Stress

• Hörsturz

• Zu viel Ohrenschmalz und Ohrpfropf

• Probleme in der Nackenwirbelsäule oder im Kiefergelenk

• Mittelohrentzündung und andere Entzündungen im Ohr

• Drehschwindel

• Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck

• Infektionen durch Viren oder Bakterien wie Gürtelrose

• Tumor im Ohr

• Medikamente wie Acetylsalicylsäure

Die Hauptursache für Tinnitus ist tatsächlich Lärm. Viele kennen das nach dem Besuch eines Clubs oder Konzertes. Die Musik ist extrem laut, die Ohren sind nicht geschützt und dann hört man auf dem Nachhauseweg oder spätestens, wenn im Bett alles ruhig ist, ein leises Rauschen oder Pfeifen. Dieser akute Tinnitus verschwindet allerdings meist nach kurzer Zeit wieder.

Schwieriger wird's, wenn man sich dauerhaft lauter Musik aussetzt. Deshalb die Lautstärke zum Beispiel beim Hören mit Kopfhörer nicht voll aufdrehen und immer wieder mal Pausen einlegen. Wenn's keine Musik ist, sondern eine nicht zu kontrollierende Lärmquelle von außen, können (wie bei extrem lauten Clubs oder Konzerten) Ohrstöpsel helfen.

Eine weitere häufige Ursache für Ohrgeräusche ist ein Hörsturz, der durch mangelhafte Durchblutung im Innenohr ausgelöst wird. Der einhergehende Hörverlust und das Taubheitsgefühl sind gut behandelbar, der Tinnitus kann dagegen bleiben. Mehr zu Ursachen, Symptomen und Behandlung eines Hörsturzes gibt es hier.

Objektiver Tinnitus

Während beim so genannten "subjektiven Tinnitus" die Auslöser tatsächlicher Lärm sein können, die Geräusche selbst aber ohne einen tatsächliche Schallquelle entstehen, kann das in seltenen Fällen auch anders sein. Beim "objektiven Tinnitus" führen beispielsweise Muskelzuckungen im Ohren- und Halsbereich oder eine verengte Halsschlagader, die die Blutfluss-Geschwindigkeit beschleunigt, zu einem Knacken, Rauschen oder Schmatzen im Ohr.

Einteilung, Häufigkeit, Chancen

Die akute und chronische Form des Tinnitus wird nach der Dauer des Auftretens unterschieden. Halten die Ohrgeräusche bis zu drei Monate an, handelt es sich um einen akuten Tinnitus. Jenseits der Dreimonatsmarke sprechen Ärzte von einem chronischen Tinnitus.

Allgemein gilt: Tinnitus ist kein seltenes Symptom. 10 Millionen Erwachsene sind laut der Deutschen Tinnitus-Liga (DTL) hierzulande davon betroffen, 25 Prozent aller Deutschen haben schon Geräusche im Ohr gehabt.

Die gute Nachricht: In 80 Prozent der Fälle verschwindet der Tinnitus wieder. Die Chancen dafür erhöht man natürlich durch fachgerechte Behandlung, weshalb der zügige Gang zum HNO-Arzt bei Auftreten von Ohrgeräuschen auch so wichtig ist.

Die vier Schweregrade

Die Einteilung des Tinnitus in vier Schweregrade hilft Ärzten bei der Einschätzung, wie sehr die Ohrgeräusche das Leben des Patienten beeinträchtigen.

Grad 1: Die Ohrgeräusche werden wahrgenommen, aber nicht als besonders störend empfunden. Kein Leidensdruck der Betroffenen.

Grad 2: Die Ohrgeräusche werden vor allem gehört, wenn sonst Stille herrscht. Belastung und Stress verstärken sie, was zur Folge hat, dass sie als störend wahrgenommen werden.

Grad 3: Die Ohrgeräusche beeinträchtigen das private und berufliche Leben dauerhaft. Die Betroffenen leiden sowohl emotional also auch körperlich sehr darunter.

Grad 4: Die Ohrgeräusche das Leben des Betroffenen vollständig und führen zur Berufsunfähigkeit.

Die Behandlung des Tinnitus

Menschen mit Schweregrad eins und zwei meistens recht gut mit den Ohrgeräuschen leben. Sind die Geräusche massiver wird es für die Betroffenen belastend, besonders ohne ausreichende Kompensationsmöglichkeit gibt. Leider verstärkt eine erhöhte Konzentration auf den Tinnitus diesen, was wiederum zu höherem Leidensdruck und einem vielleicht noch größeren Fokus auf das Problem führt. Deshalb ist die richtige Behandlung essentiell. So kann im besten Fall vermieden werden, dass die Geräusche chronisch werden.

Das sind die Behandlungsmöglichkeiten:

• Medikamentöse Behandlung des akuten subjektiven Tinnitus. In der Regel mit Kortison als Tablette oder Infusion.

• Behandlung der Ursache beim objektiven Tinnitus

• Meditation und andere Entspannungsübungen

• Pflanzliche Präparate zur Verbesserung der Durchblutung des Ohres

• Psychotherapie oder Selbsthilfegruppen bei chronischem Tinnitus

Autor: Dagmar Schüller