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Juckreiz ist eines der wichtigsten Symptome für Krätze / Foto © iStock, HeikeKampe

Hauterkrankung durch Krätzmilben

Krätze – Symptome beachten, Ansteckung vermeiden

  • Artikel vom 25. Januar 2017

Krätzmilben werden durch Hautkontakt übertragen. Juckreiz und typische Hautveränderungen sind die Anzeichen der Krätze, die mit Neurodermitis verwechselt werden kann.

Jahrzehntelang galt die Krätze in Deutschland als so gut wie ausgerottet, spielte nur noch als seltene Geschlechtskrankheit eine Rolle. Dabei ist Krätze, medizinisch Scabies, in Ländern mit niedrigem medizinischen Standard immer noch sehr verbreitet. Die WHO
geht von rund 130 Millionen Infizierten weltweit aus.

Scabies-Anstieg in Deutschland

Seit Kurzem verzeichnen Hausärzte und Dermatologen wieder einen Anstieg der infektiösen Hautkrankheit in Deutschland. Als Ursache wird der Zustrom von Zuwanderern aus dem Mittleren Osten und dem Balkan vermutet. Genaue Zahlen zu Scabies in Deutschland existieren jedoch nicht, weil die ansteckende Krankheit nicht meldepflichtig ist.

Symptome von Krätze reichen von Juckreiz bis Ausschlag

Krätze zeigt sich durch typische Symptome. Weil die Krankheit jedoch bei uns so lange nicht mehr auftrat, sind die Anzeichen den meisten Menschen unbekannt. Folgende Symptome sind kennzeichnend:

• Starker Juckreiz, vor allem nachts durch die Bettwärme – das Kratzen gab der Krankheit ihren Namen
• Dunkle, kommaförmige winzige Milbengänge unter der Haut
• Längliche Papeln auf der Haut
• Bläschen, Knötchen und Pusteln

Juckreiz und Hautveränderungen treten vor allem in Hautfalten auf, ähnlich wie Neurodermitis – also in folgenden Bereichen

• zwischen den Fingern
• an den Handgelenken
• Armbeugen
• Achselhöhlen
• Nabel
• Brustwarzen
• Leisten
• Analfalte
• Intimregion
• Penisschaft
• Füße

Krätze am Kopf und im Gesicht ist dagegen selten. Allerdings können Kleinkinder auch in diesen Bereichen vom Milbenbefall geplagt werden.

Was ist Krätze?

Auslöser der Scabies sind Krätzmilben. Sie gehören zur Gattung der Spinnentiere und sind rund 0,3 Millimeter klein, mit dem bloßen Auge also nicht zu erkennen. Die Parasiten ernähren sich von Hautzellen und der Lymphe des Menschen.

Männchen und Weibchen der Krätzmilben leben auf der Haut. Dort findet auch die Begattung statt. Danach sterben die männlichen Milben und die weiblichen graben kleine Gänge unter die Haut, dort, wo sie besonders dünn ist und keine Hornhaut das Eingraben erschwert. In den Gängen legen sie ihre Eier ab, aber auch Kot. Die Folgen: Juckreiz und Hautausschlag.

Nach zwei bis drei Tagen schlüpfen aus den Eiern Larven. Sie begeben sich an die Hautoberfläche und bewegen sich zu Hautfalten. Dort werden sie nach etwa 20 Tagen zu geschlechtsreifen Milben.

Ansteckung mit Krätzmilben

Krätze ist zwar ansteckend, jedoch nicht ganz so massiv wie oft befürchtet. Denn die Milben bewegen sich sehr langsam, höchstens fünf Millimeter pro Tag. Es muss enger Hautkontakt von mindestens fünf Minuten bestehen, damit Krätzmilben von einem zum anderen Menschen gelangen können.

Mit mangelnder Hygiene hat Krätze also weniger zu tun, auch wenn das immer wieder behauptet wird. Der größte Risikofaktor ist enger Hautkontakt, wobei bereits die Übertragung eines einzigen befruchteten Milbenweibchens reicht, um sich mit Krätze anzustecken.

Übertragung von Krätze

Ansteckungsrisiko besteht also bei folgenden Aktivitäten mit infizierten Personen

• Kuscheln und Spielen
• gemeinsame Körperpflege
• Schlafen in einem Bett
• Geschlechtsverkehr

Indirekte Ansteckung über Wäsche, Kleidung und andere Gegenstände ist jedoch eher selten, weil die Milben ohne ihren Wirt nur wenige Tage überleben.

Kein Ansteckungsrisiko besteht bei Händeschütteln und einer kurzen Umarmung.

Bei der Erstinfektion mit Krätzmilben bilden sich die Symptome erst zwei bis fünf Wochen nach der Ansteckung. Allerdings ist der Infizierte bereits vor dem Ausbruch der Symptome ansteckend.

Wer früher bereits schon einmal Krätze hatte, reagiert bei einer erneuten Infektion (Reinfestation) wesentlich früher mit Juckreiz und Hautausschlag, schon ein bis vier Tage nach dem erneuten Kontakt. Denn das Immunsystem ist auf die Krätzmilben dann schon sensibilisiert.

Krätze lässt sich ohne Aufwand feststellen

Bei starkem Juckreiz und Hautveränderungen sollte auf jeden Fall ein Arzt zur sicheren Diagnose herangezogen werden. Krätzmilben sind zwar nicht giftig und übertragen keine gefährlichen Krankheiten. Doch vor allem bei kleinen Kindern, älteren Menschen und Patienten mit Immunschwäche kann Krätze zum Problem werden.

In allen anderen Fällen ist Skabies zwar unangenehm, jedoch selten gefährlich. Allerdings können beim Kratzen Bakterien in die kleinen Wunden gelangen und zu größeren Entzündungen führen. Gerade in Gemeinschafts- und Sammelunterkünften oder Kitas kann es zu regelrechten Krätze-Epidemien kommen.

Die Diagnose von Krätze ist deshalb wichtig, um eine zielgerichtete Behandlung einzuleiten. Denn die Symptome gleichen manchen anderen Hautkrankheiten, die jedoch ganz anders therapiert werden müssen, etwa Neurodermitis.

Für die Diagnose von Krätze gibt es folgende Möglichkeiten:

Inspektion der Hautveränderungen mit Dermatoskopie: Hier lassen sich die Spinnentiere meistens leicht erkennen.

Mikroskopische Untersuchung von abgeschabten Hautpartikelchen aus dem Bereich der Gänge (Milbenhügel).

Klebebandtest, wobei ein Stück Klebeband fest auf einen Milbenhügel gepresst wird, danach rasch abgezogen und die Klebefläche unter dem Mikroskop untersucht wird.

Behandlung von Krätze mit Permethrin und Ivermectin

Krätze ist kein Fall zur Selbstmedikation. Teebaumöl, das öfter als Hausmittel zur Behandlung von Krätze genannt wird, ist nicht sicher genug.

Hautärzte empfehlen zur Behandlung der Krätze in erster Linie eine lokale Therapie mit milbenabtötenden Salben und Lotionen. Mittel der Wahl ist dabei der Wirkstoff Permethrin, der sowohl Milben als auch Eier vernichtet. Die einmalige Behandlung mit einem Produkt, das den Wirkstoff in fünfprozentiger Konzentration enthält, reicht in der Regel. Die Einwirkzeit beträgt acht bis 12 Stunden, die Behandlung erfolgt also am besten über Nacht. Vor dem Einsatz ist gründliche Hautreinigung unerlässlich.

Etwas seltener wird der Wirkstoff Crotamiton empfohlen. Die Lotion, Salbe oder Creme muss an drei aufeinander folgenden Tagen aufgetragen und danach abgeduscht werden.

Das gilt auch für Benzylbenzoat, das wie Crotamiton mehrmals angewendet werden muss. Weil die Behandlung mit diesen Wirkstoffen deshalb etwas aufwändiger ist, hat sich die Therapie mit Permethrin weitgehend durchgesetzt. Benzylbenzoat und Crotamiton gelten als Mittel der zweiten Wahl.

Wirken die Lokaltherapeutika nicht, gibt es ein Medikament zur oralen Behandlung, Ivermectin. Die Tablette wird nur einmal eingenommen. Die Wirkstoffmenge dieser Einzeldosis richtet sich nach dem Körpergewicht. 24 Stunden nach der Einnahme sind die Parasiten eliminiert.

In den meisten Fällen ist die Krätze damit verschwunden. Ist die Hautkrankheit jedoch ausgedehnt, rät der Arzt aus Sicherheitsgründen zu einer zweiten Behandlung nach sieben Tagen. Außerdem sind Kontrolluntersuchungen zwei, vier und sechs Wochen nach der Therapie nötig. Weil die Entwicklung der Larven zwei Wochen dauert, ist dieser Zeitabstand wichtig – falls trotz der Behandlung die eine oder andere überlebt hat und heranreifen konnte.

Krätze vermeiden

Das Risiko, sich mit Krätze anzustecken, besteht überall dort, wo enger Kontakt mit infizierten Menschen gegeben ist, also in Gemeinschaftsunterkünften und Kitas. Erste Maßnahme, um sich nicht mit Krätze anzustecken ist dabei Abstand halten. Achten Sie auf sorgfältige Hygiene und schneiden Sie sich die Fingernägel. Lange Fingernägel sind ein idealer Tummelplatz für Bakterien und Parasiten.

Auch wenn es für Krätze keine Meldepflicht gibt: Wird in einer Gemeinschaftseinrichtung Scabies festgestellt, kommt das Infektionsschutzgesetz zum Tragen. Das bedeutet:

Für die Beschäftigten am besten keinen direkten Kontakt zu den Betreuten und entsprechende Schutzmaßnahmen (Schutzkleidung mit langen Ärmeln, Einmalhandschuhe falls Hautkontakt nötig ist)

Beschäftigte, die sich infiziert haben, dürfen keinen engen Kontakt mit den Betreuten haben.

Durchführung der Umgebungsmaßnahmen, dazu gehören tägliches Wechseln von Kleidung, Bettwäsche und Handtüchern. Die Wäsche mit 60 Grad waschen. Krätzmilben, ihre Eier und Larven werden bei Temperaturen von 50 Grad sicher vernichtet. Gegenstände und Textilien, die nicht gewaschen werden können, lassen sich mit folgendem Trick milbenfrei machen: Gegenstand in einen Plastiksack packen und 72 Stunden bei 21 Grad lagern. Das tötet die Parasiten mit Sicherheit, denn ohne ihren Wirt und bei für ihre Spezies kühlen 21 Grad kann sie nicht überleben.

Quellen: Informationen des RKI; Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung; Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG)

Autor: Monika Preuk