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50 Symptome und was dahintersteckt

Wenn der Arzt nichts findet

  • Artikel vom 12. November 2010

Drei Ärzte – vier Meinungen. Sagt der Volksmund. Doch warum müssen selbst in unserer Zeit der immensen technischen Möglichkeiten Patienten lange leiden, bevor sie endlich erfahren, welche Krankheit sie haben? Nicht immer sind Diagnose und Therapie so einfach wie bei einem Beinbruch. Doch oft sind auch Mediziner überlastet. Oder nicht fähig, den Patienten ganzheitlich zu sehen. Werden Sie Ihr eigener Arzt! "Lange bevor es zu schwerwiegenden Leiden kommt, schickt der Körper Warnzeichen", weiß Prof. Dr. Ingo Froböse ("Versteckte Krankheiten", Gräfe & Unzer, 19,99 Euro). Wer diese frühzeitig erkennt, kann sich so manche Odyssee durch Arztpraxen ersparen. Die wichtigsten Alarmsignale – und was sie bedeuten.

Kopf & Hals

1. Trockene Augen
Man kriegt sie nicht nur, wenn man zu lange vor dem Bildschirm sitzt. Empfindliche, gerötete Augen können auch auf Rheuma, Hormonstörungen und Diabetes hinweisen.
2. Tinnitus
Wenn es permanent piept und rauscht, können innere Leiden schuld sein: Bluthochdruck oder Diabetes. Auch Verspannungen der Halswirbelsäule sowie Probleme im Hals-Kiefer-Bereich kommen infrage. Seelisch ist Tinnitus oft ein Zeichen von Überforderung.
3. Hervortretende Augen
Dieses Symptom kann an einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) liegen. Der Stoffwechsel beschleunigt sich, Betroffene leiden zudem unter Unruhe, Schlafstörungen oder vermehrtem Schwitzen.
4. Reizhusten
Oft sind Medikamente das Problem, etwa Blutdrucksenker (ACE-Hemmer, Betablocker), deren Wirkstoffe die Bronchien verengen. Häufigste Nebenwirkung: Reizhusten!
5. Chronischer Husten
Nicht selten ist das Aufsteigen von Magensäure die Ursache. Denn dieser sogenannte Reflux kann nicht nur Sodbrennen, sondern auch viele Atemwegsbeschwerden auslösen.
6. Riechstörung
Wer den Oregano auf der Pizza nicht mehr riecht oder die Vanille im Kuchen, könnte an Parkinson leiden. Auch Menschen mit Alzheimer haben immer wieder Probleme, Düfte wahrzunehmen.
7. Mundgeruch
Die Mundhöhle ist häufig Indikator für Stoffwechselstörungen: Ein ranziger Mundgeruch weist auf Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse und der Gallenblase hin, ein eher süßlicher Atem auf einen gestörten Zuckerstoffwechsel bei Diabetes.
8. Ständiger Ohrendruck
Dieses Gefühl kennen wir von Erkältungen oder Flugzeugreisen. Auslöser kann aber auch nächtliches Zähneknirschen sein: Die Kiefermuskulatur wird dabei so stark beansprucht, dass sie anschwillt und dann auf das Innenohr drückt.
9. Schwindel
Der Boden scheint sich unter den Füßen zu bewegen. Ein Nerven-oder Herzleiden, Nebenwirkungen von Medikamenten sowie Verspannungen im Halswirbelbereich können an diesem Gefühl schuld sein. In rund 80 Prozent der Fälle ist der Schwindel jedoch Ausdruck einer Überbeanspruchung.
10. Schläfenkopfschmerz
Dahinter könnte Arteriitis temporalis stecken, die Entzündung einer oder beider Schläfenarterien, verursacht durch eine Fehlsteuerung des Immunsystems. Symptom: ein starker Schläfenkopfschmerz, der sich über das ganze Gesicht ausbreiten kann.
11. Schwank-Schwindel
Eine Ursache für Schwindel kann Angst sein. Mediziner sprechen in diesen Fällen auch von phobischem Schwankschwindel.
12. Blitze vor den Augen
Viele Migränepatienten leiden unter diesen Lichtblitzen. Auch eine Netzhautablösung kann sich so ankündigen.
13. Zahnfleischentzündung
Achtung: erhöhte Blutfettwerte? Sie lassen die Konzentration entzündungsfördernder Stoffe im Mund ansteigen und können so indirekt das Zahnfleisch schädigen.
14. Halsentzündung
Unsere Milz spielt eine wichtige Rolle im Immunsystem. Daher sollten Ärzte bei immer wiederkehrenden Halsentzündungen stets auch die Milzwerte überprüfen.

Inneres & Organe

15. Verspannter Nacken
Auch er kann ein Zeichen für Bluthochdruck sein: Nucleus tractus solitarii heißt die Hirnregion, die ihn reguliert. Von ihr führen Nervenbahnen den Hals hinunter bis zu den Nackenmuskeln. Sind diese verspannt oder Wirbel in diesem Bereich verklemmt, kann der Blutdruck ansteigen.
16. Herzrasen
Der Puls rast, und die Luft wird knapp? Möglicherweise eine Arzneiunverträglichkeit etwa auf das Antiallergiemittel Histamin.
17. Bauchschmerzen
Rebellieren Magen und Darm, liegt das häufig an unbewältigten Problemen, Hektik, Kummer oder zu viel Stress.
18. Ständiger Harndrang
Diabetiker, aber auch Bluthochdruckpatienten neigen zu einer vermehrten Produktion von Urin. Als Auslöser kommen allerdings auch Harnwegs-sowie Prostataentzündungen oder eine Vergrößerung der Vorsteherdrüse infrage.
19. Probleme beim Urinieren
Quetscht Bandscheibengewebe ein Nervenbündel der unteren Wirbelsäule ein, kann es mitunter zu Lähmungen an Beinen, Blase und Darm kommen.
20. Blasenstörung
Treten Blasenprobleme in Kombination mit Gelenkbeschwerden, Hautproblemen oder Müdigkeit auf, besteht der Verdacht auf Borreliose, eine von Zecken übertragene Infektionskrankheit.
21. Ständige Müdigkeit
Geistige und körperliche Erschöpfungszustände sowie Hals-, Kopf-, Gelenk-und Muskelschmerzen, Konzentrations-und Gedächtnisstörungen: Das sind einige der typischen Symptome des Chronischen Erschöpfungssyndroms (CFS).
22. Verstopfung
Wem es psychisch schwerfällt loszulassen, den plagen oft auch Verdauungsprobleme. Problematisch sind zudem häufige und lange Diäten: Zu wenig oder nur sehr leichte Kost unterfordert den Darm, er verkümmert und degeneriert mit der Zeit.
23. Fieber bei Kindern
Andauerndes hohes Fieber, Ausschlag auf der Brust und geschwollene Lymphknoten sind manchmal Anzeichen einer schweren rheumatischen Gelenkerkrankung namens Morbus Still.
24. Übelkeit
Bei Frauen, die auch Atemnot, Bauch- oder Schulterschmerzen haben, könnte plötzliche Übelkeit auf einen Herzinfarkt hinweisen. Weibliche Symptome unterscheiden sich oft von männlichen (Schmerzen in der linken Brust, Taubheit im linken Arm).
25. Grippegefühl
Bei einer Erkältung im Sommer mit Fieber, Kopf- und Nackenschmerzen denkt man erst an Grippe. Vorsicht: Meningitis-Gefahr (Gehirnhautentzündung)!
26. Herzinfarktsymptome
Menschen mit Broken-Heart-Syndrom können messbare, herzinfarktähnliche Beschwerden haben, ohne dass ein echter Infarkt vorliegt. Auslöser sind dann nicht verstopfte Gefäße, sondern Stresshormone.
27. Taubheitsgefühl
Sind die Beine taub? Kribbeln sie? Hängt ein Mundwinkel herunter? Haben Sie Probleme, den Arm zu heben? Eine schleppende Sprache? Verdacht auf Schlaganfall!
28. Juckreiz
Nicht immer ist er Ausdruck von Allergien oder Hautleiden. Auch innere Erkrankungen etwa der Leber oder Nieren und manchmal auch Krebs provozieren heftigen Juckreiz.
29. Leistungsminderung
Bei ungeklärter abnehmender Leistungsfähigkeit im Sport besteht das Risiko einer Epstein-Barr-Virus-Infektion, wenn zusätzlich grippeähnliche Symptome vorliegen.
30. Gewichtsverlust
Kommt zu Husten und Fieberschüben plötzlich noch Gewichtsverlust, besteht Verdacht auf Histoplasmose – einen Befall mit den Sporen eines Schimmelpilzes.

Stimmung & Verhalten

31. Unruhe, Zappeligkeit
Zeigen Kinder ADHS-Symptome und werden zum Zappelphilipp, kann auch Magnesiummangel dahinterstecken. Eine Therapie mit dem Mineral macht sie ruhiger.
32. Niedergeschlagenheit
Fühlen Sie sich nach der Einnahme von Medikamenten lustlos und trübsinnig? Einige Mittel wie etwa Blutdrucksenker können durchaus Depressionen auslösen.
33. Abgeschlagenheit
Schnarchen Sie? Bei einer bestimmten Art des Schnarchens, der Schlafapnoe, kommt es bis zu 600-mal pro Nacht zu kurzen Atempausen. Das schlaucht.
34. Nervosität
Wenig Konzentration, schlechter Schlaf, ständig unter Strom? Vielleicht sind Schilddrüsenprobleme die Ursache.

Haut

35. Blässe
Sie kann an einem Vitamin-B12-Mangel liegen. Der Körper braucht diesen Nährstoff, um ausreichend rote Blutkörperchen bilden zu können.
36. Eingerissene Mundwinkel
Möglicherweise ein Hinweis auf Diabetes. Doch auch ein Befall mit Pilzen oder Bakterien kann die Mundwinkel einreißen lassen. In den meisten Fällen ist allerdings Zink- und Vitaminmangel die Ursache.
37. Rote Handinnenflächen
Die Farbe kann eine Leberentzündung anzeigen. Weiteres Indiz: sternförmig von einem Blutgefäß ausgehende Miniäderchen, sogenannte Lebersternchen, die meist im Brustbereich auftreten.
38. Brennende Zunge
Eine hormonelle Umstellung kann für schmerzhaftes Brennen sorgen. Möglich ist auch ein Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure.
39. Rote Zunge
Eine himbeerrote Färbung weist auf Scharlach hin. Auch bei Leber- oder Darmerkrankungen zeigt die Zunge häufig ein ungewöhnliches Rot. Kommt eine glatte Oberfläche hinzu – man spricht dann von einer "Lackzunge" –, könnte es sich auch um Blutarmut handeln.
40. Vorgewölbte Nägel
Sogenannte Uhrglasnägel signalisieren eine chronische Unterversorgung mit Sauerstoff. Der mögliche Grund: eine mangelhafte Herz-Lungen-Funktion.
41. Schwitzen
Kommt es in der Nacht zu stärkeren Schweißausbrüchen, kann das auf eine durch Diabetes verursachte nächtliche Unterzuckerung hinweisen. Unbedingt von einem Arzt untersuchen lassen!
42. Sonnenallergie
Wenn die Haut auf die Strahlen der Sonne mit Juckreiz oder Rötungen reagiert, könnte das auch ein Symptom von Weichteilrheuma sein. Bitte einen Facharzt konsultieren!

Knochen & Gelenke

43. Kieferschmerzen
Der Auslöser sitzt oft eine Etage tiefer. Kommen Kopf- und Magenschmerzen hinzu, könnte sogar eine Herzmuskelentzündung der Grund dafür sein.
44. Gelenkschmerzen
Nicht nur Arthrose oder Gicht können hier für Schmerzen sorgen. Die Eisenspeicherkrankheit (Siderose), bei der zu viel des Minerals im Körper eingelagert wird, ist ebenfalls eine mögliche Ursache.
45. Kribbelnde Finger
Neben eingeklemmten Nerven oder einer Sehnenscheidenentzündung lässt auch eine Schilddrüsenunterfunktion dieses unruhige, unangenehme Gefühl in den Gliedmaßen entstehen.
46. Schulterschmerzen
Werden die Schmerzen in der Schulterpartie von auffälliger Appetitlosigkeit begleitet, kann das auch auf Leberprobleme hinweisen.
47. Steifigkeit
Steife Glieder treten nicht nur im Zuge des Alterungsprozesses auf, sie können ebenfalls ein erstes Anzeichen einer beginnenden Stoffwechselstörung sein.
48. Schmerzende Wirbel
Betreffen die Beschwerden den Bereich der Lendenwirbelsäule, können Gallensteine schuld sein.
49. Nackenschmerzen
Steht ein Zahn schief oder fehlt, kann das Zusammenspiel zwischen Kiefer und Kaumuskulatur so gestört werden, dass sogar Nackenschmerzen entstehen.
50. Schmerzende Beine
Jeder fünfte deutsche Patient mit diesen Beschwerden leidet an einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK), auch Schaufensterkrankheit genannt, die das Schlaganfall- und Infarktrisiko für die Betroffenen drastisch erhöht.

Autor: Nicole Simon