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Was tun, wenn Angehörige betroffen sind

Vergesslichkeit • Bei welchen Warnzeichen Sie aktiv werden sollten

  • Artikel vom 08. Juni 2011

Nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch Angehörige bekümmert es, wenn sich Vergesslichkeit im Alltag stärker bemerkbar macht. Doch was ist normaler Teil des Alterungsprozesses - und wann müssen wir etwas unternehmen?

Es muss tatsächlich niemanden beunruhigen, wenn man selbst, ein Elternteil, der Partner oder die Partnerin älter wird und infolgedessen hier und da etwas mehr vergisst als früher. Das ist im Rahmen des Erwartbaren. Auch jüngere Menschen stellen in Zeiten großer Anspannung und stressbedingter Überforderung fest, dass sie sich nicht an Dinge erinnern, die sonst mühelos registriert werden. Alles erst einmal kein Grund zur Sorge.

Doch was ist, wenn man bei einem lieben Menschen feststellt, dass er plötzlich vieles vergisst? Ihm oder ihr fällt das vielleicht zunächst gar nicht so auf - doch aus der Distanz beobachtet scheint sich ein Muster zu verfestigen und man wird hellhörig.

In diesem Fall ist es hilfreich, Anzeichen einer ersten leichten kognitiven Beeinträchtigung (MCI) als Vorstadium einer Demenz oder Anzeichen einer beginnenden Demenz zu kennen, die sich in aller Regel erst in einem höheren Alter entwickeln.

Häufige Warnzeichen

• Er oder sie kann Gesprächen nicht mehr gut folgen
• Oft wird nach Worten gesucht
• Orientierungslosigkeit macht sich bemerkbar
• Personen oder Dinge werden vergessen
• Er oder sie wirkt depressiv verstimmt
• Die Persönlichkeit verändert sich
• Routinetätigkeiten sind plötzlich mühsam
• Er oder sie kann sich nicht mehr an Vereinbarungen erinnern

Diese Warnzeichen sind allgemein formuliert. Im persönlichen Alltag äußert sich eine leichte kognitive Beeinträchtigung oder eine beginnende Demenz natürlich in individueller Form - sei es der vergessene Geburtstag der Enkelin, das Versäumen eines Treffs mit Freundinnen etc.

Zeigen kann sich eine beginnende Demenz aber auch darin, dass der oder die Betroffene liebgewonnene Hobbys aufgibt, weil sie durch die Vergesslichkeit erschwert werden und man es nicht wahrhaben will oder "vertuschen" möchte. Viele versuchen so lange wie möglich, die auftretenden Schwächen selbst vor den Liebsten zu verbergen, um weiterhin als "normal" angesehen zu werden und das gewohnte Leben führen zu können.

Machen sich einige oder mehrere dieser Anzeichen bei einem oder einer Angehörigen bemerkbar, sollte man aktiv werden - mit professioneller Hilfe. Denn je früher den ersten Symptomen entgegengewirkt wird, um so höher sind die Chancen auf eine erfolgversprechende Behandlung. Doch wie spricht man das sensible Thema an, ohne ihn oder sie mehr als unbedingt nötig zu beunruhigen?

So suchen Sie das Gespräch

Letztlich können nur Ärztin oder Arzt feststellen, ob die bemerkten Anzeichen tatsächlich auf eine leichte kognitive Beeinträchtigung oder beginnende Demenz zurückzuführen sind, oder ob eine andere körperliche oder geistige Ursache der Grund ist. Medikamenten-Nebenwirkungen, eine Depression oder andere Faktoren können ebenfalls zu erhöhter Vergesslichkeit führen. Deshalb ist die erste Maßnahme der Gang zu Fachfrau oder Fachmann. Den kann man anregen, ohne das für alle erschreckende Wort "Demenz" zu verwenden - falls es nicht von der betroffenen Person schon selbst ins Gespräch gebracht wird.

Wie es ja auch tatsächlich der Fall ist, sollte man einfach freundlich formulieren, dass man sich ein wenig Sorgen macht und es deshalb doch eine gute Idee wäre, zu Arzt oder Ärztin zu gehen, um einen Check durchführen zu lassen. So würde man erfahren, was die Ursache ist und eine kompetente Beratung erhalten, was getan werden kann, um eine Besserung herbeizuführen. Diskret kann man Arzt oder Ärztin vor dem Termin auf die konkrete Befürchtung hinweisen.

Hilfreich und wichtig ist es, in diesem für keine Seite einfachen Gespräch das "Gemeinsam schaffen wir das"-Gefühl zu vermitteln und nicht ein vielleicht ohnehin schon vorhandenes Gefühl des Mangels oder der Angst zu verstärken.

Was tun, wenn es Demenz ist?

Leider ist Demenz bislang nicht heilbar, auch wenn eine entsprechende Behandlung den Verlauf verzögern und die Lebensqualität des/der Betroffenen verbessern kann. Neben der unbedingt notwendigen ärztlichen Unterstützung gibt es weitere Anlaufstellen gerade für die Angehörigen von Betroffenen, die jetzt auf Beratung angewiesen sind: Zu nennen sind das Alzheimer-­­Telefon (030/259 37 95 14) oder das Demenz-Sorgentelefon (040/30 62 03 49). Auch auf Facebook oder regional vor Ort gibt es Selbsthilfegruppen, in denen man sich gegenseitig mit Rat und Tat zur Seite steht. So wichtig, wenn Sorge und Aufgaben überfordern.

Natürlich sollte man nicht versäumen, sich - sobald nötig - geschulte Hilfe bei der Pflege zu holen. Entsprechende Leistungen können nach gestellter Diagnose bei der Krankenkasse beantragt werden.

Ganz wichtig im Umgang mit den Betroffenen selbst: Nicht auf Versäumtes und Vergessenes hinweisen, sondern so gut es geht vermitteln, dass man Verständnis hat, ihn oder sie liebt und unterstützt. Auch dann, wenn ein Vorfall die Krankheit unübersehbar macht und auf beiden Seiten für Traurigkeit oder auch mal Wut sorgt. Gut ist es auch, ihm oder ihr so lange wie möglich das Gefühl von Selbstständigkeit zu lassen - auch wenn man dabei viel Geduld beweisen und vielleicht im Hintergrund ein bisschen schummeln muss, um dieses Gefühl zu ermöglichen.

Autor: Hörzu Redaktion