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Nähe: Nur im Kontakt mit anderen entdeckt man sich selbst.
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Nähe: Nur im Kontakt mit anderen entdeckt man sich selbst. - Foto © picture-alliance / Image Source

Ausstrahlung stärken

Persönlichkeit

  • Artikel vom 13. Mai 2011

Prinzessin Victoria von Schweden hat es. Nachrichten-Moderator Claus Kleber hat es. Schauspielerinnen wie Iris Berben und Senta Berger haben es: das Sympathie-Gen. Eine geheimnisvolle Leuchtkraft, die alle Umstehenden dazu verführt, hinzusehen und zuzuhören. Sie alle sind Ausnahmepersönlichkeiten, gewohnt, vor Publikum zu glänzen und auf glattem Parkett sicher aufzutreten. Was aber tun, wenn einem schon der Gedanke an eine Rede vor Zuhörern den Hals zuschnürt? Wenn der Beitrag in Konferenzen aus beredtem Schweigen besteht? Man das Gefühl hat, von anderen oft übersehen oder gar verkannt zu werden? Kein Grund, auf ewig das unscheinbare Veilchen im Moose zu geben – sagen renommierte Persönlichkeitstrainer.

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Psychotest: Wer bin ich wirklich?

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Jeder hat das Potenzial, sein inneres Leuchtfeuer zu entfachen. Der Weg dorthin führt über intensive Selbsterkundung. Nur wer sich kennt und authentisch ist, wird von anderen akzeptiert oder gar geliebt. Die Fragen lauten: Was macht mich aus? Wo liegen meine Stärken? Was will ich wirklich? (Siehe auch Test hier). Wer tut, was ihm liegt und Spaß macht, baut sich eine stabile Basis. Von dieser Plattform aus stehen ihm viele Möglichkeiten offen. Genauso wichtig wie der Blick nach innen ist allerdings der Blick nach außen – auf das Gegenüber. "Die meisten Menschen gehen davon aus, alle anderen wären genauso wie sie selbst", sagt Christopher Rauen, Vorsitzender des Bundesverbandes Coaching. "Ein großer Irrtum! Die wichtigste Voraussetzung für eine sympathische Ausstrahlung ist das Interesse am anderen." Das Motto lautet: Gehen Sie auf andere zu!

Selbsterkenntnis: Jeder Mensch entwickelt sich am Du

Erstaunlicherweise hilft das auch bei der Selbsterkenntnis. Rauen: "Jeder Mensch entwickelt sich am Du." Wer innerlich wachsen will, sollte sich austauschen und keine Angst vor Rückmeldungen haben. Im Gegenteil: Nur im Spiegel der anderen sieht man sich selbst genauer. Freunde und Familie bieten sich an, aber auch zufällige Begegnungen. Keine Angst vor Small Talk! Dieser unverbindliche Austausch, oft als oberflächlich getadelt, ist eine ideale Spielwiese. Die Zutaten für ein Einstiegsgespräch dürfen ganz banal sein. Etwa zu Wochenbeginn: "Es ist Montag. Woher nehmen Sie heute bloß Ihre gute Laune?"

Gelungene Kommunikation ist eine Kunst. Ausgerechnet in unserem Medienzeitalter scheinen viele in der Begegnung mit anderen jedoch so ungeübt wie Abc-Schützen. "Das größte Bedürfnis in diesem Land hat nichts mit noch mehr essen oder noch mehr fernsehen zu tun", sagt Kommunikationstrainerin Barbara Berckhan (siehe auch Buchtipp rechts). "Wonach Menschen geradezu schmerzlich hungern, sind Interesse, Anerkennung und Wertschätzung. Für jeden, der ihnen das gibt, gehen Türen auf."

Fünf Schritte zur Sympathie

Persönlichkeitstrainer empfehlen folgende Merksätze für mehr Ausstrahlung:

1. Jeder ist wichtig!
Mit diesem neuen Glaubenssatz sollten Sie ab jetzt in den Tag starten: "Jeder Mensch ist es wert, dass ich mich mit ihm beschäftige!" Am besten sprechen Sie den Satz morgens einmal laut aus.

2. Keine Schubladen mehr!
Noch ein neues Motto: "Ich sortiere die Menschen, denen ich begegne, nicht nach Nützlichkeit und Status, sondern interessiere mich für jeden.“ Wenn Sie dem Busfahrer Ihr Fahrgeld geben, schauen Sie ihn an und lächeln. Wenn Sie sich im Flugzeug anschnallen, nicken Sie Ihrem Nebenmann kurz zu. Expertin Barbara Berckhan: "Verteilen Sie Wertschätzung, ohne eine Gegenleistung zu verlangen. Geben Sie immer großzügig Kredit."

3. Kritik in Wünsche verwandeln!
Denn Wünsche öffnen Fenster, Vorwürfe lassen Mauern wachsen. Die Kinder haben mal wieder vergessen, den Müll runterzubringen? Sagen Sie einfach: "Ich möchte gern Zeit haben, uns etwas Leckeres zu kochen und mit euch gemeinsam Abendbrot zu essen. Helft ihr mir bitte schnell beim Aufräumen?" (Unter www.gewaltfreie-kommunikation.de finden Sie im Internet weitere Anregungen.)

4. Komplimente verteilen!
Jeder hört gern etwas Nettes. Und Anlässe gibt es immer. Beispiel Bäckerladen: "Sie haben eine solche Auswahl, ich weiß gar nicht, was ich nehmen soll. Am liebsten würde ich Ihnen alles abkaufen." Klingt netter als: "Sie haben hier nur leere Kohlenhydrate, die dick machen." Beide Sätze sind inhaltlich richtig, doch mit dem Kompliment wecken Sie Sympathie.

5. Mehr Mut zum Risiko!
Also, raus aus der Komfortzone, in der man sich sicher fühlt, und hinein ins Leben. Persönlichkeitstrainer Rauen: "Wer von der Arbeitswoche so erschöpft ist, dass er sich am Wochenende mit einem Stapel Zeitungen einigelt, hat wenig Chancen, seinem verborgenen Ich auf die Spur zu kommen." Wer sich dagegen beim Elternabend bereit erklärt, das nächste Klassenfest zu organisieren, kann sein Verhandlungsgeschick ausprobieren und lernt, eigene Ideen durchzusetzen. Wer für den runden Geburtstag der besten Freundin eine Tischrede vorbereitet, kann testen, ob seine Stimme auch bei Aufregung trägt und ob sein Vortrag ankommt. Im besten Fall erntet er sogar Lacher und Applaus. Wer allein eine Reise antritt, lernt neue Leute kennen und schult nebenbei seine Fähigkeit, flexibel zu reagieren und stets gut für sich zu sorgen.

Perfektion? Nein, Danke!

Aufmerksam und freundlich sein, Interesse am Gegenüber zeigen, freigebig Komplimente verteilen – klingt das nicht allzu servil und anbiedernd? Nein, sagt Expertin Barbara Berckhan. Man muss nicht "jedermanns Liebling" werden, um beliebt zu sein. Im Gegenteil: "Eine Persönlichkeit zeichnet sich durch Freundlichkeit aus – aber auch durch Würde." Trainer Rauen ergänzt: "Wer sich verstellt, um nicht anzuecken, verliert sich selbst." Die Zauberformel heißt: freundlich auftreten, aber bestimmt. Etwa so: "Ihr Angebot ehrt mich sehr. Vielen Dank! Ich möchte es trotzdem nicht annehmen."

Zu einer souveränen Persönlichkeit gehört auch eine eigene Haltung. So wie bei Regisseurin Doris Dörrie, die 1985 mit ihrer Komödie "Männer" dem dogmatischen Feminismus den Stachel nahm. So wie bei Elke Heidenreich, die die Literaturkritik mit ihren handfesten Empfehlungen aus dem Elfenbeinturm befreite. Oder wie bei Entertainer Hape Kerkeling, der die schillernde Fassade des TV-Stars mit seinem Erfahrungsbericht über eine Pilgertour aufbrach. Ein Erfolg, weil er dabei alles andere als den strahlenden Helden gab (siehe auch unten).

Wer gesteht, nicht perfekt zu sein, schützt sich davor, demontiert zu werden. "Hüten Sie sich vor Gipfeln, denn danach kommt nur der Abstieg", so Berckhan. "Wer etwa in der Politik hochgejubelt wird, sollte sich am besten sofort in die nächste Talkshow setzen und mindestens zehn Schwächen einräumen." Wirklich sympathisch wirkt nämlich nur, wer echt ist und Mensch bleibt – und auch im Gegenüber den Menschen sieht.

Potenzial: Persönlichkeit - Was diese Stars sympathisch macht

Diese Prominenten (siehe Bilderstrecke unten) sind sehr beliebt, obwohl sie einen ganz eigenen Stil pflegen. Und damit auch mal anecken. Wie einst Joschka Fischer. Oder sich gegen den Zeitgeist stellen. Wie Künstlerin Doris Dörrie. Oder auffallen. Wie Politikerin Claudia Roth. Oder sich zum Clown machen. Wie TV-Star Hape Kerkeling. Ihr Geheimnis: Mut zur Persönlichkeit!

Autor: Angela Meyer-Barg