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Der Bug vom Schiffswrack der "Titanic".
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Der Bug vom Schiffswrack der "Titanic". Es liegt 3800 Meter tief, dem Zerfall geweiht. - Foto © ZDF / NOAA/FE/URI

Im TV: Terra X - Titanic, 01.04., 19:30 Uhr, ZDF

Mythos Titanic

  • Artikel vom 31. März 2012

Die Katastrophe setzt die Welt unter Schock: Am 15. April 1912 kollidiert die "Titanic", damals das größte und prächtigste Schiff der Erde, auf ihrer Jungfernfahrt mit einem Eisberg. Sie sinkt und reißt 1520 Menschen in den Tod. Ein Drama unvorstellbaren Ausmaßes – doch bald gerät es in Vergessenheit, denn die Welt wird konfrontiert mit zwei noch viel größeren Katastrophen: zwei Weltkriegen.


TV-Mehrteiler Titanic: die neue Verfilmung im TV-Programm am Karfreitag und Ostermontag im ZDF

Ein neuer "Titanic"-Film? Nach dem legendären Hollywood-Epos von 1997? Ein Wagnis. Oscar- und Emmy-Preisträger Julian Fellowes ("Downton Abbey") ging es ein – und reüssierte: Sein Vierteiler "Titanic" wurde in 86 Länder verkauft. Als Zweiteiler läuft die britische Produktion am Karfreitag und Ostermontag im ZDF (jeweils 17.30 Uhr), auf ZDF Neo bereits am 31. März und 1. April um 20.15 Uhr. Anders als im Hollywoodfilm, der am 5. April als 3-D-Version in die Kinos kommt, steht diesmal keine Liebesgeschichte im Zentrum. Folge eins erzählt die Reise aus Sicht der Erste-Klasse-Passagiere, in Folge zwei stehen zweite und dritte Klasse im Mittelpunkt, in Folge drei die Besatzung. Im letzten Teil laufen alle Handlungsfäden zusammen. Egal welcher gesellschaftlichen Klasse die Passagiere angehören, beim Untergang eint sie alle ein Wunsch: zu überleben.

Schock: Viele Passagiere begreifen zu spät den Ernst der Lage. Szene aus dem TV-Mehrteiler "Titanic" mit Maria Doyle Kennedy und Toby Jones als Muriel und John Batley. - Foto © ZDF / ITV.picture.shows.


1958 greift der Spielfilm "A Night to Remember" die "Titanic"- Tragödie wieder auf, stößt aber auf mäßiges Interesse. Nur einer wird von dem Werk so fasziniert, dass das Thema ihn nie mehr loslässt: Ed Kamuda aus Massachusetts.

Wieder und wieder sieht er sich den Film im Kino an – und findet dabei seine Lebensaufgabe: Er reist zu den Überlebenden und nimmt ihre Berichte auf Tonband auf – Dutzende, 25 Jahre lang. Berichte, für die sich zuvor keiner interessierte. Sie befeuern wiederum das Interesse des US-Ozeanforschers Robert Ballard. 1985 spürt er das Wrack vor Neufundland in 3800 Meter Tiefe auf und macht mithilfe eines Tauchroboters fantastische Aufnahmen. Fotos voll trauriger Magie – und neuer Erkenntnisse.


Im TV-Programm: "Titanic – Beweise aus der Tiefe", 15.04, 20:30 Uhr, HISTORY

Am 15. April 2012 jährt sich der Untergang der Titanic zum hundertsten Mal. Wie ging der angeblich unsinkbare Luxusliner wirklich unter? Gab es Schwachstellen und wenn ja, wer war verantwortlich dafür? Diese Fragen beantwortet HISTORY in der außergewöhnlichen Dokumentation "Titanic – Beweise aus der Tiefe" am 15. April um 20.30 Uhr in deutscher Erstausstrahlung. Erstmals wurde das gesamte Trümmerareal der Titanic in rund 3800 Meter Tiefe in einer aufwendigen Expedition untersucht und erfasst. Anhand der gesammelten Daten rekonstruierten Experten wie bei einem Flugzeugabsturz die Details des Untergangs und erschufen ein virtuelles 3D-Modell des Wracks.


Bis dato hatte man angenommen, das Schiff sei im Ganzen gesunken. Nun wird klar: Es ist in zwei Teile zerbrochen. Später wird es US-Regisseur James Cameron sogar gelingen, Bilder aus dem Inneren des Wracks zu machen. Auch ihn lässt des Schiffsdrama nie wieder los: Sein legendärer "Titanic"-Film wird 1997 zum Kinoerfolg, spielt 1,8 Milliarden Dollar ein.

Die letzten Geheimnisse der Titanic

Ed Kamuda, der die "Titanic" auf seine Weise "unsinkbar" machte, kommt nun in einer "Terra X"-Dokumentation zum 100. Jahrestag der Katastrophe zu Wort (siehe TV-Tipp rechts). Schon einen Tag vorher lüftet eine Doku auf Arte "Die letzten Geheimnisse der Titanic": Sie folgt den Spuren des Tiefseetauchers Paul-Henri Nargeolet, der 1987 als einer der Ersten in einem bemannten U-Boot das Wrack erkundete.

Nargeolet wies nach, dass der Eisberg der "Titanic" nicht einen einzelnen langen Riss zufügte, sondern sechs kleine Lecks schlug: Sechs wasserdichte Kammern waren beschädigt, eine mehr, als die Ingenieure der "Titanic" für möglich gehalten hatten. Die Nieten, die die Stahlplatten zusammenhielten, waren zudem nur doppelt gesetzt, nicht wie vorgeschrieben dreifach. Obendrein waren sie von minderer Qualität.

Bau- und Materialfehler, Navigationsirrtümer, schlechte Sicherheitsvorschriften und ein kopfloses Krisenmanagement, das nur für die Hälfte der 2224 Menschen an Bord Rettungsboote stellte – dies alles führte zu jener Tragödie, die nur 704 überlebten. Die "Titanic" ist ein Mahnmal gegen Leichtsinn und Selbstüberschätzung. Wie das Drama der "Costa Concordia" zeigt, haben wir wenig daraus gelernt.

Autor: Thomas Röbke

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