Wissen
Liebespaar

Wichtige Stützpfeiler der Beziehung sind u.a. gemeinsame Interessen und gegenseitige Wertschätzung. - Foto © picture-alliance

Plus: Psycho-Test

Liebe: was sie stärkt und hält

  • Artikel vom 08. April 2011

Die Liebe – Für sie kam es in den letzten Jahren knüppeldick. Was wurde ihr nicht alles angedichtet: Sie sei aus der Mode, überschätzt, eine flüchtige Aufwallung des Kuschelhormons Oxytocin. Zwei Menschen sollte sie in einem engen (ewigen?) Bund vereinen. Ein hohes Ideal – das anscheinend abgewirtschaftet hatte. Vom Lebens- zum Auslaufmodell. Das zumindest legen viele Schlagzeilen nahe: Kaum eine Woche vergeht ohne den Seitensprung eines Prominenten.

Jede dritte Ehe wird geschieden, diese Statistik ist längst Allgemeingut. Verliebt, verlobt, verlassen – das scheint der düstere Dreisatz in Zeiten der Ablenkung. Doch ist das die ganze Wahrheit? Tatsache bleibt: Eine glückliche Beziehung hat für die meisten Menschen im Leben den höchsten Stellenwert. 72 Prozent der Deutschen leben in einer festen Beziehung, die Scheidungsrate sinkt. Selbst Ehen, die geschieden werden, dauern im Schnitt wieder länger: erstaunliche 14 Jahre. 1990 gingen sie schon nach elfeinhalb Jahren in die Brüche. "Wir haben einen hohen Anteil stabiler Partnerschaften", erklärt die Psychologin Prof. Sabine Walper von der Ludwig-Maximilians- Universität München.

Ein Beispiel: In Deutschland leben drei Viertel aller minderjährigen Kinder in ihrer "Kernfamilie" mit den leiblichen Eltern – in den USA nur die Hälfte. "In Sachen Ehe und Partnerschaft Endzeitpanik zu verbreiten ist unangebracht", sagt Walper. Sie leitet das Projekt Pairfam, eine 2008 gestartete, weltweit einmalige Partnerschaftsstudie der Universitäten München, Bremen, Chemnitz und Mannheim. Über einen Zeitraum von 14 Jahren werden dafür in jährlichen Wellen über 12.000 Menschen befragt.

Liebe braucht Opfer

Die Pairfam-Forscher ergründen dabei erstmals die positiven Faktoren, die ein Paar zusammenhalten, den Schmierstoff im Räderwerk der Gefühle – die Formel der Liebe. Derzeit läuft die Auswertung der zweiten Befragungswelle von 2010. So viel wissen Walper und ihre Kollegen schon jetzt: Bei den Teilnehmern herrscht hohe Zufriedenheit in der Partnerschaft.

Wichtige Stützpfeiler der Beziehung sind:
- ähnliche Erwartungen an Liebe und Geborgenheit
- genügend Freiräume trotz großer Nähe
- gegenseitige Wertschätzung
- ein ausgewogenes Verhältnis von Geben und Nehmen bei der Arbeit in Haushalt und Erziehung

In Krisenzeiten wirkt es sich positiv aus, wenn jeder eigene Bedürfnisse für den anderen zurückstellt, ohne dies als Opfer zu empfinden. Für Auseinandersetzungen gilt: "Zufriedene Paare weichen Konflikten nicht aus, doch die Partner begegnen sich auch nicht mit einer skeptischen Grundhaltung", erklärt die Familientherapeutin Walper. "Je emotionaler, aggressiver Konflikte ausgetragen und wahrgenommen werden, desto ungünstiger für die Beziehung."

Liebe: Sympathie und Authentizität spielen eine große Rolle

Auch der Beginn jeder Liebe folgt bestimmten Formeln, bei denen die Faktoren Sympathie und Authentizität eine große Rolle spielen. Sie bestimmen, ob aus einer flüchtigen Begegnung ein dauerhaft großes Gefühl wird. Schon im Moment des Kennenlernens legt unser Gehirn fest, ob wir die Ausstrahlung des anderen Menschen als angenehm, anziehend oder gar liebenswert empfinden – und ob mehr daraus werden kann. Im besten (aber seltenen) Fall entflammt sogar die berühmte Liebe auf den ersten Blick. "In Millisekunden nehmen wir unbewusst unzählige Einzelheiten der Körpersprache wahr, etwa Muskeltonus, Pupillengröße, Durchblutung der Haut, Beugung der Hände oder einen angespannten Bauch", erklärt die Psychologin Dr. Maja Storch, Leiterin des Instituts für Selbstmanagement und Motivation in Zürich.

Die Signale, die unser Körper sendet, sind eng verknüpft mit unserer Psyche. Wer an seiner Ausstrahlung arbeiten möchte, muss also erst einmal eine Reise ins Ich antreten. Denn psychologisch gesehen verfügt jeder Mensch über zwei innere Haltungen, die bewusste und die unbewusste. Die Krux: Nur die erste können wir beeinflussen. "Je mehr diese beiden aber übereinstimmen, desto mehr Ausstrahlung hat ein Mensch", erklärt Storch. "Wir erkennen intuitiv, ob diese Person 'echt' ist, ob das Innere im Einklang mit der Körpersprache steht."

Prinzipiell gilt: Wir können nichts verkörpern, was nicht in uns steckt. Da klingt es tröstlich, dass Ausstrahlung gar nicht unbedingt an Schönheit gebunden ist. "Der Dalai Lama etwa ist ein kleiner Mann mit leiser Stimme", so Storch, "aber er hat eine enorme Ausstrahlung, weil er 'echt' ist." Unser Gehirn entschlüsselt die Signale des Körpers blitzschnell. In früheren Zeiten war es lebenswichtig, Wut, Verachtung und Vertrauen sofort zu erkennen. Bei der Deutung sollte man sich nie auf eine einzelne Geste konzentrieren, denn die kann in die Irre führen.

Ausstrahlung: Schlüssel zur Sympathie

Die Hamburger Rhetoriktrainerin Nadine Kmoth erklärt das am Beispiel der berühmten "verschränkten Arme". Kmoth: "Dass sie Verschlossenheit ausdrücken, ist ein Märchen. Es müssen noch andere Zeichen hinzukommen, etwa ein nach hinten gebogener Körper und schmale Lippen.“ Nähe und Vertrauen kann man mit einer offenen Haltung signalisieren. "Auch ein Lächeln wirkt sympathisch. Das klingt einfach, wird aber oft vergessen", weiß Kmoth. Positive Zeichen am Beginn der Liebe sind zudem: häufiger Augenkontakt, etwas schräge Kopfstellung, ein leicht seitlicher Stand und das Darbieten von "verletzlichen" Stellen wie Handinnenflächen und Hals.

Den ersten Schritt zu einem stimmigen Auftritt macht man durch einen realistischen, liebevollen Umgang mit eigenen Stärken und Schwächen. Die Formel lautet: Nur wer sich selbst mag, wird gemocht. Viele Frauen neigen jedoch dazu, sich an überhöhten Vorbildern aus Film und Fernsehen zu orientieren. Warum eigentlich? Freunde, Kollegen, der eigene Mann – auch sie sind nicht perfekt. Aus einem Spatzen lässt sich kein Paradiesvogel machen, aus einem wortkargen Bauern kein Salonlöwe – aber alle haben liebenswerte Seiten, die man betonen kann. Wer nur an Fehlern laboriert, verkrampft und trägt diese Gemütslage nach außen wie eine zweite Haut.

Doch wie kommt man zu einer klaren inneren Haltung? Maja Storch rät, sich positive innere Bilder zu kreieren: "So kann man gut auf das Unbewusste zugreifen." Ein Beispiel: Eine Seminarteilnehmerin, die von Männern oft als zickige, launische Diva wahrgenommen wurde, wählte für sich das Bild einer Lotosblüte. Ihr Ziel: mehr Freundlichkeit auszustrahlen und mehr Wertschätzung zu erhalten. Mit der Lotosblüte fand sie ihre natürliche Haltung, die Selbstbewusstsein mit Wärme und Ruhe vereint. "In der Körpersprache drückt sich die Blume durch aufrechte Haltung und tiefe Atmung aus", erklärt Storch. So kann es jedem gelingen, positive Seiten zu betonen und jene Charakterzüge zu stärken, die auf das Sympathiekonto einzahlen.

"Wer offen, spontan, hilfsbereit und einfühlsam ist, wird mehrheitlich gemocht", sagt Storch. Von allen geliebt zu werden sei allerdings ein unsinniges, unrealistisches Ziel. Wichtig sei vor allem der Partner. Maja Storch erzählt ein weiteres Beispiel aus ihren Seminaren: Zu ihr kam ein Mann, den seine Frau geschickt hatte. Ihr Wunsch: Er solle lockerer werden. Seine Angst: Er wollte sich nicht zum Clown machen. "Gerade Kopfmenschen sind in Sachen Spontaneität oft blockiert", so Storch. Der Mann wählte als inneres Bild den Pinguin. "Der springt zwar spontan ins kalte Wasser, macht aber kurze Schritte. Außerdem trägt er Frack, behält also seine Würde." Manchmal muss man in der Liebe eben auch seine ganz persönliche Formel finden.

Psycho-Test: Was macht Sie sympathisch?

Autor: Dagmar Weychardt

Anzeige