Fotos ZDF / © Tim Cope
Eigentlich sollte das Abenteuer 18 Monate dauern. Eine Expedition durch glühend heiße Wüsten, über hart gefrorene Steppen und schroffe Felsketten. Doch der australische Filmemacher und Abenteurer Tim Cope hatte die Gefahren unterschätzt. Mehr als drei Jahre lang war er unterwegs im Reich des legendären Mongolenherrschers Dschingis Khan: 10.000 Kilometer quer durch Zentralasien bis nach Ungarn. Was er dabei erlebte, zeigt jetzt die vierteilige Arte-Dokumentation "Auf der Spur der Nomaden" (22.02. - 25.02., jeweils 19.30 Uhr, Arte).
Kein Kamerateam begleitete ihn, kein Versorgungsflugzeug brachte regelmäßig Nachschub. Genau wie Dschingis Khans Reiterhorden vertraute Tim Cope nur auf seine Pferde. "Ich wollte mehr über die Lebensweise der Nomaden lernen", erklärt der Abenteurer. "Das geht am besten, wenn man alles selbst erlebt. Wie hat sich vor 800 Jahren ein Mongole gefühlt, der seine Heimat verließ und Richtung Europa zog?" Eine Nomadenweisheit rät: Willst du den Wolf verstehen, musst du dir sein Fell überstreifen.
Für Nomaden hat die Welt keine Grenzen, das Land keine Zäune. Aus dieser kargen Steppenlandschaft kam vor 800 Jahren einer der größten Herrscher aller Zeiten. Seit damals steht Dschingis Khan für Wildheit und Grausamkeit. "Tartaren" wurden seine Reiter im Mittelalter genannt, stammten sie doch angeblich direkt aus der Hölle (lateinisch: ex tartaro).
"Noch heute gilt Dschingis Khan als grausamer Eroberer", sagt Mongolen-Expertin Prof. Veronika Veit von der Universität Bonn. Doch die Wahrheit ist vielschichtiger: "Machtbewusstsein, das auch vor Mord nicht zurückschreckt, militärisches Genie und das Prinzip von Loyalität und Fürsorge im Verhältnis zu seinen Gefolgsleuten gehören ohne Zweifel zu den markanten Kennzeichen seiner Persönlichkeit. In seiner Heimat wird der mongolische Herrscher zum volkstümlichen Helden stilisiert: Wodka, Bier, eine Rockband, Hotels, Straßen, sogar der Flughafen von Ulan-Bator sind nach ihm benannt. Der Staat ehrt ihn als Begründer der mongolischen Nation, als deren Identifikationsfigur."
Autor: Kai Riedemann
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