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11. September 2001: Der Anschlag auf das World Trade Center.

11. September 2001: Der Anschlag auf das World Trade Center erschüttert die westliche Welt. - Foto © dpa Picture-Alliance GmbH

Packende TV-Doku

Die Wahrheit über den 11. September

  • Artikel vom 17. August 2010

Panik bricht aus, als um 8.46 Uhr eine Boeing 767 in den Nordturm des World Trade Centers in New York fliegt. Ein Unfall? Als um 9.03 Uhr eine zweite Maschine in den Südturm kracht, wird klar: Es ist ein Anschlag. Aber noch ahnen nur ganz wenige Menschen, dass es sich um einen Angriff der islamistischen Terror-Organisation al-Qaida handelt. Die zweiteilige ZDF-Dokumentation "Der 11. September – Die wahre Geschichte" (siehe TV-Tipp rechts) beleuchtet Hintergründe der Tat und Schicksale von Opfern.

Der erste Teil, der von Marc Brasse und Florian Huber stammt, zeigt Entwicklungen, die zu dem Anschlag führten. Brasse: "Wir wollten die Vorgeschichte analysieren und den Blick auf die US-Gegenspieler von al-Qaida-Führer Bin Laden lenken: Wer stand sich da eigentlich gegenüber?" Es waren Michael Scheuer vom CIA und John O’Neill vom FBI. Beide erkannten schon früh die Gefahr, die von al-Qaida ausging. Doch eine Kette von Fehleinschätzungen, Versäumnissen und persönlichen Antipathien verhinderte eine wirksame Gegenwehr. Bereits 1993 explodierte eine Bombe im Keller des World Trade Centers. Sechs Menschen kamen ums Leben, über tausend weitere wurden verletzt. "Das war ein Weckruf, den kaum jemand hörte", sagt der CIA-Mann Michael Scheuer. "Die US-Regierung sah das als einen einmaligen Vorgang an." Scheuer war einer der wenigen, die die Gefahr richtig einschätzten – genauso wie der Anti-Terror-Experte des FBI John O’Neill:

John Patrick O’Neill
* 6.2.1952 in Atlantic City
† 11.9.2001 in New York City
Der Anti-Terror-Experte des FBI warnte jahrelang vergeblich vor al-Qaida. Als O’Neill beim FBI Probleme bekam, kündigte er. Als Sicherheitschef des World Trade Centers kam er bei den Anschlägen am 11. September 2001 ums Leben.

Michael Scheuer vom CIA und John O’Neill waren sich bewusst, welche Bedrohung von Osama Bin Laden ausging. Seit Anfang der 90er-Jahre baute der al-Qaida-Führer meist von Afghanistan aus ein internationales Terrornetzwerk auf – mit dem Ziel, den Westen anzugreifen. Zur gleichen Zeit kam ein junger Ägypter nach Hamburg und schrieb sich als Student an der Technischen Universität ein. Sein Name: Mohammed Atta. Seine Professoren beschreiben ihn als freundlichen Mann. In seiner Freizeit betete Atta in der Hamburger Al-Quds-Moschee. Dort schürten Islamisten den Hass gegen den Westen und die USA. Das blieb dem Hamburger Verfassungsschutz nicht verborgen. Auch nicht, dass Atta 1996 sein Testament schrieb.

Was keiner ahnte: Atta fühlte sich als Kämpfer des Dschihad, des „heiligen Krieges“ gegen alle Ungläubigen. "Wir hatten keinen Grund anzunehmen, dass die Hamburger Gruppe einen Terroranschlag in den USA plante", sagt Manfred Murck vom Verfassungsschutz. Eine Fehleinschätzung. Auch in den USA wurde die Gefahr unterschätzt. Scheuer und O’Neill waren isoliert. Sie weigerten sich zusammenzuarbeiten, weil sie sich nicht ausstehen konnten. "O’Neill war ein Lügner und Betrüger", sagt Scheuer noch heute. "Das einzig Positive am Anschlag war, dass O’Neill dabei ums Leben kam." Scheuer hasste O’Neill. "Die Rivalität zwischen CIA und FBI wurde durch das persönliche Verhältnis der beiden auf die Spitze getrieben", sagt Filmemacher Marc Brasse.

Während Scheuer, der Ende der 90er-Jahre einen militärischen Einsatz gegen Bin Laden forderte, mit seinen martialischen Vorschlägen auf wenig Gegenliebe bei der US-Regierung stieß, verspielte der charismatische O’Neill durch persönliche Eskapaden seine Glaubwürdigkeit. Mit seiner selbstherrlichen Art eckte er innerhalb des FBI ständig an. Wegen etlicher Fehltritte liefen interne Untersuchungen gegen ihn. So manövrierte er sich immer mehr ins Abseits. Dabei war er einer der wenigen, die mit einem Anschlag in den USA rechneten. 1997 untersuchte eine als Touristen getarnte al-Qaida-Gruppe mögliche Anschlagsziele in New York. Auch das World Trade Center. Scheuer und O’Neill warnten unabhängig voneinander immer wieder vergeblich.

Ab Anfang 2000 bildete al-Qaida in Afghanistan Kämpfer für den Einsatz gegen die USA aus. Die Idee, Flugzeuge als Waffen einzusetzen, entstand Mitte der 90er Jahre. Doch al Qaida fehlten die richtigen Leute dafür. Ausgerechnet da tauchten Mohammed Atta und Marwan Al-Shehhi aus Hamburg auf. Sie sprachen Englisch und waren technisch versiert: die idealen Kandidaten. Osama Bin Laden wählte sie persönlich für seine Mission aus. Ein Jahr später absolvierten sie in Florida eine Flugausbildung. Am 9. September 2001 lenkten sie zwei entführte Passagierflugzeuge in das World Trade Center. Fast 3000 Menschen verloren dabei ihr Leben. Filmemacher Marc Brasse ist überzeugt: "Hätten der CIA und das FBI vorher kooperiert, hätten sie gute Chancen gehabt, den Anschlag zu verhindern."

Autor: Thomas Kunze

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