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Nach der Tsunami-Katastrophe 2004 sucht ein Vater verzweifelt seine Tochter.

Nach der Tsunami-Katastrophe 2004 sucht ein holländischer Vater auf Phuket verzweifelt seine Tochter. / Foto: © epa-Bildfunk

Im Zeichen des Tsunami

Das wahre Drama hinter dem Kinofilm ''The Impossible''

  • Artikel vom 26. Januar 2013

Maria Belón macht es sich auf einem Liegestuhl am Pool bequem und schlägt ihr Buch auf. Zu Hause würde sie heute, am 26. Dezember 2004, den Trubel des zweiten Weihnachtstags managen, doch hier, im Urlaub unter Palmen, kann sich die Spanierin total entspannen. Gelegentlich wandert ihr Blick zu ihrem Mann Enrique, der mit den drei Söhnen Lucas, Simon und Tomas im Becken Ball spielt. Ein wunderschöner Morgen im thailändischen Ferienparadies auf Phuket.

Doch plötzlich hören die Urlauber vom Ozean her ein Grollen. Die Erde erzittert, Maria blickt besorgt nach oben. Ein Schwarm Vögel erhebt sich aufgescheucht aus den Bäumen. Dann erscheint über ihren Wipfeln eine graue Wasserwand: Eine gigantische Welle rollt auf das Resort zu. Die Menschen erstarren. Sekunden später hat die Flut sie erfasst.

Drei Jahre später in Barcelona. Filmproduzentin Belén Atienza sitzt im Auto, als sie zufällig im Radio ein Interview mit Familie Belón hört. Die fünf berichten von ihrem verzweifelten Überlebenskampf im Chaos des Tsunami. Die Produzentin ist zu Tränen gerührt, sie erzählt dem befreundeten Regisseur Juan Antonio Bayona von dem bewegenden Drama. Beiden ist schnell klar: Dieses Schicksal muss erzählt werden! Und sie setzten ihren Plan um: Am 31. Januar startet ''The Impossible'' in den deutschen Kinos.


Kinotrailer zu ''The Impossible'':



Hauptdarstellerin Naomi Watts (44) hat für ihre Leistung als Maria bereits Nominierungen für den Golden Globe und den Oscar erhalten. Regisseur Bayona erinnert sich im Gespräch mit HÖRZU an seine erste Begegnung mit den Belóns: "Sie wären niemals auf die Idee gekommen, über ihre Erlebnisse ein Buch zu schreiben, geschweige denn, einen Film zu machen. Nach anfänglichen Zweifeln fasste die Familie aber Vertrauen und war von dem Projekt begeistert."

Auch wenn das bedeutete, noch einmal in die traumatischen Ereignisse einzutauchen. Maria Belón, die 2004 von der Welle erfasst und durch eine Glasscheibe katapultiert wurde, erinnert sich noch gut an die Panik: "Es fühlte sich an, wie in einer Waschmaschine gefangen zu sein. Ich sah einen Tunnel aus Licht, wie Menschen es beschreiben, die dem Tod ins Auge gesehen haben."

Zwischen Leben und Tod

Sie wird mitgerissen, versucht, Trümmern auszuweichen, hört die Schreie ihres ältesten Sohnes. Beide klammern sich an einer treibenden Palme fest, landen in einem Sumpf, ziehen sich mit letzter Kraft an einem Baum hoch. Dort entdeckt die damals 38-jährige Ärztin, dass sie klaffende Wunden an Bein und Brust hat. Schier endlos erscheint beiden die Zeit, die sie auf dem Baum zubringen, bis Einheimische sie endlich retten. Die alten Thaifrauen trösten die Verletzte, ziehen ihr Kleider an. Doch Maria Belón ist verzweifelt: Wo ist ihr Mann Enrique? Wo die beiden Jüngsten? "Ich war kurz davor aufzugeben, glaubte, alle seien tot."

Doch Enrique, Simon (damals 8) und Tomas (5) leben. Wie durch ein Wunder ist es dem Vater gelungen, beide Söhne festzuhalten. Schweren Herzens hat er sie auf einen Lastwagen gesetzt, der eine Rettungsstation ansteuert. Nun will er seine Frau und Lucas finden – nicht ahnend, dass beide schon in einer Klinik versorgt werden. Dort geht es zu wie in einem Kriegslazarett. Als Lucas kurz von der Seite seiner Mutter weicht, wird sie ohne sein Wissen verlegt. Der Junge ist nun auf sich gestellt. Auch Enrique gerät in Panik, denn Simon und Tomas sind nie bei der Rettungsstation angekommen!

Die dramatischen 48 Stunden, die die Belóns nach dem Tsunami durchlitten, zeichnet das Drama "The Impossible" äußerst realistisch nach. Im Film heißt die Familie Bennett und kommt aus England, Starschauspieler Ewan McGregor (41) verkörpert Marias Gatten. Um möglichst authentisch zu sein, tauschten sich die Darsteller oft mit den Belóns aus: "Maria und ich unterhielten uns stundenlang – über ihre Gefühle während der Katastrophe, übers Muttersein, über Leben und Tod", berichtet Naomi Watts.

Auch vor der Kamera wurde dem Hollywoodstar sehr viel abverlangt: "Ich schwamm fünf Wochen lang zehn Stunden täglich in einem riesigen Wassertank", erzählt Watts im HÖRZU-Interview. "Teilweise wurde ich auf einer Art Sitz festgeschnallt, herumgewirbelt und untergetaucht. Beängstigend!"

Gedreht wurde auch an Originalschauplätzen, etwa in dem wieder aufgebauten Ferienresort. Für die Belóns, die am Set dabei waren, ein seltsames Gefühl. Vor allem, als es in Thailand, wo gerade Trockenzeit herrschte, überraschend häufig regnete. Maria Belón: "Für mich fühlte es sich nicht an wie Regen. Es war, als ob die Seelen der vielen Opfer vom Himmel weinten."

Autor: Wiebke Toebelmann

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