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Die Geheimnisse der Pharaonen in Ägypten werden jetzt per DNA-Test erforscht.

Die Sphinx in Ägypten, Foto © www.piqs.de / Paul-Gerhardt Koch, CC (Some rights are reserved.)

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Die letzten Geheimnisse Ägyptens

  • Artikel vom 19. März 2010

Wie man Menschenmassen mobilisiert, wussten die Pharaonen besser als alle anderen. Der Bau der gigantischen Pyramiden ist nur ein Beispiel für die Allmacht der altägyptischen Herrscher. Wenn aber ein Pharao, der exakt 3333 Jahre tot ist, über 500 Journalisten aus aller Welt zu einer Pressekonferenz lockt, muss Außergewöhnliches geschehen sein. Es ist Mitte Februar, und im Ägyptischen Museum in Kairo kämpfen Journalisten um die besten Plätze. In diesem Fall heißt das: freier Blick auf die Mumie des legendären ägyptischen Königs Tutanchamun, der wie Schneewittchen in einem gläsernen Sarg ruht.

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Gespannt lauschen alle dem Expertenteam auf dem Podium. Fast drei Jahre haben die Wissenschaftler mit aufwendigen DNA-Analysen die Abstammung von Tutanchamun erforscht. Das Resultat: ein fast kompletter Fünf-Generationen-Stammbaum der Familie des Pharaos, der unter anderem zeigt, dass Tutanchamun der Sohn des mächtigen Herrschers Echnaton und dessen Schwester war.

Auch mehrere Jahrtausende nach seiner Blütezeit übt das alte Ägypten eine einzigartige Faszination aus. Jede neue Entdeckung lässt die Hochkultur der Pharaonen wieder lebendig werden - vor allem, wenn es um Tutanchamun geht. Durch den sensationellen Fund seines fast unversehrten Grabes 1922 prägte der Herrscher das Pharaonenbild in der Öffentlichkeit wie kein anderer. Kurioserweise ist aber gerade sein aktueller Fall bestes Beispiel dafür, dass nicht mehr nur neu entdeckte Gräber für Sensationsmeldungen in der Ägyptologie sorgen.

"Viele Rätsel der ägyptischen Geschichte können wir erst jetzt durch Einsatz modernster Technologie lösen", sagt Dr. Zahi Hawass nach der Pressekonferenz im Exklusivinterview mit HÖRZU. Hawass ist als Chef der ägyptischen Altertümerverwaltung der oberste Archäologe des Landes. Er hatte ein Forschungsteam um den Tübinger Genetiker Dr. Carsten Pusch beauftragt, eine Familienanalyse des mehr als 3300 Jahre alten Königshauses zu erstellen. Allein für die DNA-Analyse Tutanchamuns brauchten die Experten fast zweieinhalb Jahre. Eigens für das Projekt wurde im Keller des Ägyptischen Museums ein Labor eingerichtet, in dem die Forscher auch neue Erkenntnisse zu den Todesumständen des sagenumwobenen Königs ans Licht brachten.

Noch 10.000 Mumien im Sand

Aber auch dieses "CSI: Kairo" kann klassische Ausgrabungsarbeit nicht ersetzen. "Beide Ansätze sind gleichermaßen wichtig", erklärt Dr. Hawass. "Wir können ja nichts analysieren, das wir nicht vorher gefunden haben." Anfang 2010 kamen gleich zwei bemerkenswerte Funde dazu. In Alexandria entdeckten Archäologen im Januar die Überreste eines ptolemäischen Tempels sowie 600 Statuen und Tierfiguren. Nur wenige Wochen später fanden Forscher in Luxor den Kopf einer Riesenstatue von Pharao Amenhotep III. Das Porträt des Großvaters von Tutanchamun aus rotem Granit ist über zweieinhalb Meter groß. "Ich schätze, wir haben bisher erst 30 Prozent aller ägyptischen Schätze gefunden", sagt Dr. Hawass, der jetzt für sein neues Buch und eine Ausstellung nach Deutschland kommt. "70 Prozent warten also noch im ägyptischen Sand auf uns."

Autor: Michael Tokarski