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Haupthalle des Grand Central Terminals in New York.
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Grand Central Station in New York: In der Haupthalle hat es jeder eilig. Die US-Flagge hängt seit dem 11. September 2001 dort. - Foto © picture alliance / Neil Emmerson

Jubiläum

100 Jahre Grand Central in New York

  • Artikel vom 13. Februar 2013

Der historische Bau in New York ist ein Ort der Superlative. Jetzt feiert der Grand Central Terminal 100. Geburtstag.


Video: Grand Central Station feiert 100-jähriges Jubiläum


Grand Central: Kurze Reise durch die Zeit

Die Geschichte des Grand Central beginnt eigentlich schon vor seiner Eröffnung 1913.
1871 Fertigstellung des Grand Central Depots. Hier endeten die Züge von drei Eisenbahngesellschaften.
1900 Aufstockung des Hauptgebäudes und Erneuerung der Fassade. Danach Umbenennung in Grand Central Station.
1903 Beginn des Großumbaus im französischen Beaux-Arts-Stil: Der Grand Central Terminal entsteht.
1913 Am 2. Februar um 12 Uhr ertönt die Fanfare zur Eröffnung des Terminals. Rund 150.000 Gäste kommen.
1976 Das Gebäude wird unter Denkmalschutz gestellt. Dafür setzte sich u. a. Jacqueline Kennedy Onassis ein.
1998 Beginn einer aufwendigen Restaurierung und Renovierung, an der mehr als 2000 Menschen beteiligt waren.


Sonnenlicht flutet sanft durch die hohen Bogenfenster und legt sich leise auf den Marmorboden. Unbeirrt von der Hektik, die durch den Raum treibt, und unbemerkt von den Reisenden, die nur die Zeit im Blick haben: Wie spät ist es? Wann fährt mein Zug? Schaffe ich es noch rechtzeitig bis zum Gleis? In dem eindrucksvollen Gebäude, das Stil und Wohlstand seiner Baujahre ausstrahlt, scheint die Zeit stillzustehen und dabei doch unerbittlicher fortzuschreiten als an anderen Plätzen. Sogar die Abfahrtszeit auf den Anzeigetafeln liegt eine Minute früher als die reale. Die Wege im größten Bahnhof der Welt sind lang, die Passagiere sollen ihre Züge pünktlich erreichen.

Grand Central: Bahnhof der Rekorde

Allein die Haupthalle hat gigantische Ausmaße: Rund 37.000 Quadratmeter ist sie groß – auf Rasen wäre das genug Platz, um fünf Fußballspiele gleichzeitig auszutragen. In der Mitte der Halle befindet sich eine sichere Insel im stetigen Strom der Reisenden: der Infoschalter. Auf seinem Dach thront eine markante Runduhr aus teurem Opalglas mit vier Zifferblättern. Sie macht den Schalter zu einem beliebten Treffpunkt, vor allem aber zum wichtigsten Ort für Auskünfte aller Art in diesem Bahnhof. Pro Stunde bekommen dort rund tausend Menschen Antworten auf ihre Fragen.

In 38 Meter Höhe wölbt sich über allem eine Decke, die der Himmelskuppel nachempfunden ist. Auf türkisfarbenem Grund prangen 2500 goldene Sterne sowie einige Sternbilder. Wer sich auskennt, wird bemerken, dass diese Bilder seitenverkehrt aufgemalt sind. So hält zum Beispiel Orion die Keule in der rechten statt in der linken Hand. Ob sich der Künstler Paul Helleu vertan hat? Man weiß es nicht: Er selbst sprach angeblich von Absicht und erklärte, den Sternenhimmel von Gottes Standpunkt aus gemalt zu haben.

Götter sind es auch, die den Haupteingang des Grand Central Terminal an der 42. Straße zieren: Die Skulpturen von Minerva, Göttin der Weisheit, Herkules, Gott der Stärke, und Merkur, Gott des Handels und der Geschwindigkeit, sind insgesamt 1500 Tonnen schwer. In der Mitte des steinernen Trios befindet sich mit einem Durchmesser von vier Metern die größte Tiffany-Uhr der Welt. Während die Haupthalle, das pulsierende Herz des Bahnhofs, ebenerdig liegt, verkehren die Lebensadern tief unter der Erde: Auf zwei Ebenen mit insgesamt 67 Gleisen kommen jeden Tag rund 700 Züge im Grand Central Terminal an, zudem verlaufen hier vier U-Bahn-Linien und ein Shuttle zum Times Square.

Es gibt auch ein legendäres "geheimes" Gleis: Von Nr. 61 führt ein Privatweg direkt zum Hotel Waldorf-Astoria – der Bahnsteig wurde einst extra für den US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt gebaut. Der Grand Central ist nicht nur Reisezentrum, sondern auch Einkaufs- und Schlemmerparadies: Insgesamt 68 Geschäfte gibt es, vom Herrenausstatter bis zum Weinladen, einen edlen Delikatessenmarkt, dazu Restaurants wie die "Oyster Bar", aber auch Lebensmittelstände und Schnellimbisse. Die Einnahmen kommen u. a. der Erhaltung des Bahnhofs zugute; einer Stadt in der Stadt, täglich belebt von etwa 700.000 Menschen.

Grand Central: Geburtstagsparty zum 100.

Selbstverständlich wird das runde Jubiläum des größten Bahnhofs der Welt ausgiebig gefeiert. So gibt es ab 1. Februar fortlaufend verschiedene Ausstellungen in der Vanderbilt-Halle im Grand Central Terminal, für ein Maiwochenende ist eine Parade mit historischen Zügen geplant, es soll bunte Shows geben, Talkrunden sowie eine Sonderbriefmarke. Und als wäre das alles noch nicht groß genug, soll der Bahnhof weiter wachsen.

Unter dem Projekttitel "East Side Access" wird der Terminal mit dem Netz der Long Island Rail Road verknüpft, um Pendlern aus dem Stadtteil Queens oder von der Insel Long Island eine bessere Anbindung nach Manhattan zu ermöglichen. Dazu sollen acht weitere Gleise unter dem Grand Central Terminal entstehen und ein neuer Tunnel gegraben werden. Die Fertigstellung war zunächst für das Jahr 2015 geplant, wurde aber inzwischen auf 2019 verschoben. Das passiert sogar im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Autor: Melanie Schirmann

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