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Weihnachts-Spezial
Der Brauch, Adventskerzen anzuzünden, stammt aus dem Jahr 1939.

Foto © www.piqs.de / Fotograf: Daniela Zenth, CC (Some rights are reserved.)

Bräuche vom Kalender bis zum Kranz

Zauber des Advents

  • Artikel vom 02. November 2011

Die glanzvolle Zeit des Advents beginnt mit einer einzigen brennenden Kerze. Ihr warmer Schein ist es, der uns umhüllt und ein Gefühl der Geborgenheit schenkt. Dazu dieses leichte Flackern, das flüsternde Knistern - so einfach wird eine Kerze zum Fest für die Sinne, zum Boten der Besinnlichkeit. Immer mehr von ihnen erstrahlen im Lauf des Dezembers, in den Bäumen, in den Fenstern - und natürlich auf dem beliebten Adventskranz.


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Diese leuchtende Tradition geht zurück ins Jahr 1839. Damals wollte der evangelische Theologe Johann Hinrich Wichern den Kindern in seiner Hamburger Erziehungsanstalt das Warten auf Weihnachten verschönern. Dafür zündete er Kerzen an, jeden Abend im Dezember eine mehr - kleine rote an den Wochentagen, große weiße an den Sonntagen. Je näher das Weihnachtsfest rückte, desto heller strahlte der Saal, bis es dann am 24. Dezember so weit war: Alle Kerzen brannten, man feierte die Geburt von Jesus Christus, seine Ankunft (lat.: adventus) auf Erden. Im Lauf der Zeit hat sich die Idee des Kranzes noch weiter entwickelt: Weil der Kreis für ewiges Leben steht, stellte man die Kerzen auf einen Holzreif und schmückte ihn später mit grünen Zweigen, dem Symbol der Hoffnung. So sehen Adventskränze bis heute aus, reduziert jedoch auf die vier Sonntagskerzen.

Stille Zeit, Heilige Zeit

Der Advent ist die Zeit des Wartens - und damit ist nicht das Warten in der endlosen Schlange an der Kasse gemeint, an der wir unsere im Trubel erstandenen Weihnachtsgeschenke bezahlen wollen. Nein, Advent war immer gedacht als Zeit der Geduld und Einkehr. Als stille Zeit, heilige Zeit, ohne Pauken, Trompeten oder Posaunen. Sogar ohne Weihnachtsmärkte, Glühwein, Punsch und Mandelkern. Ursprünglich war der Advent eine Fastenzeit. Stille Wochen des Verzichts. So still, dass man nicht nur die Kerzen knistern, sondern auch sich selbst hören konnte und sich darauf besann, was im Leben wichtig ist. Gerechtigkeit, Harmonie, Nähe zum Beispiel. Werte, die früher viel mehr Gewicht hatten.

Ach, früher... Gerade im Advent erinnern wir uns ja auch besonders gern an früher, an die Tage unserer Kindheit. An den Duft von Mamas frisch gebackenen Plätzchen, vielleicht mit Zimt, vielleicht mit Kardamom oder Piment. Gerüche, die ursprünglich aus Klöstern stammen, denn Nonnen und Mönche probierten exotische Gewürze oft als Erste aus, um damit ihre Lebkuchen zu verfeinern. Wir erinnern uns auch gern daran, wie wir uns die Nasen an der kalten Fensterscheibe plattgedrückt haben, als wir ungeduldig auf den ersten Schnee warteten. Daran, wie wir stets den größten Stiefel putzten, um am nächsten Tag mit bangem Herzen nachzusehen, ob der Nikolaus das nicht vielleicht doch ein bisschen unverschämt gefunden und zur Strafe nur die Rute dagelassen hatte. Und wir denken gern daran, wie lang früher die Zeit bis Heiligabend zu sein schien. Unvorstellbar lang.

Morgen Kinder wird's was geben

Daran konnten nicht einmal der Adventskalender und die tägliche Vorfreude auf das nächste Türchen etwas ändern. Eine Erfindung, die dem Verleger Gerhard Lang zugeschrieben wird - als er selbst noch klein war, hatte seine Mutter ihm die Adventszeit mit einem Karton versüßt, auf den sie 24 Kästchen gemalt und auf jedes ein Gebäckstück genäht hatte. Jeden Tag durfte er eines essen. Das blieb Gerhard Lang offenbar über Jahre im Gedächtnis, denn als Geschäftsmann wollte er Adventskalender für jeden produzieren. Auf das Gebäck verzichtete er allerdings, als er 1908 tatsächlich den ersten gedruckten Adventskalender herstellte. Er war fensterlos, bestand aus 24 vorweihnachtlichen Bildern und trug den Titel "Im Lande des Christkindes". Um 1920 wurden dann Kalender mit Türchen hergestellt, hinter denen Bilder oder Bibelverse gedruckt waren. Seit 1958 gibt es mit Schokolade gefüllte Adventskalender.

Neben dem Kalender und dem Kranz gehört in vielen Familien auch die Krippe zum Advent. Diesen Brauch verdanken wir dem heiligen Franz von Assisi, der die Bibelszene im Jahr 1223 erstmals nachgestellt haben soll. Meistens werden die Hauskrippen am ersten Adventssonntag aufgestellt, nach und nach kommen dann die verschiedenen Figuren dazu, etwa die Hirten auf dem Feld, Maria und Joseph auf Herbergssuche, Ochs und Esel. Die Krippe selbst bleibt bis Heiligabend leer, denn erst da erblickte ja das Jesuskind das Licht der Welt. Das Krippenspiel symbolisiert vieles, was uns gerade in der Adventszeit wichtig ist. Familiäre Nähe zum Beispiel, und Nächstenliebe.

Während es draußen kalt ist, haben wir den Wunsch, zusammenzurücken und uns gegenseitig die Herzen zu wärmen. Wir lernen, dankbar zu sein für das, was wir haben - und geben den Teil, den wir entbehren können, an diejenigen weiter, die es nicht so gut haben. So wie die drei Weisen das Christuskind beschenkt haben. Und so wie man früher die Kerzen im Fenster nicht nur für sich angezündet hat, sondern um dem Wanderer damit zu sagen: Hier kehre ein, hier bist du willkommen.

Autor: Melanie Schirmann

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