Folgen Sie HÖRZU auf

Follow HOERZUnews on Twitter
Weihnachts-Spezial
Schwedischer Glühwein, Glögg genannt.

Schwedischer Glühwein, Glögg genannt, enthält neben Rotwein und weihnachtlichen Gewürzen auch Korn oder Wodka, Rosinen und geschälte Mandeln. - Foto © picture-alliance / Chad Ehlers

Weihnachtsbräuche

So feiert die Welt

  • Artikel vom 11. Dezember 2011

Ein Baum muss sein, alle Jahre wieder. Er gehört zu unserem Weihnachtsfest wie Krippe, Kranz und Christstollen. Unzählige solcher Symbole und Bräuche begegnen uns in diesen Tagen, fast alle sind uns angenehm vertraut, weil wir sie schon seit Kindertagen kennen. Umso spannender ist der Blick über die Landesgrenzen, der mancherorts ganz fremdes und dennoch schönes Brauchtum offenbart.


Machen Sie den Test: Wie gut kennen Sie Weihnachten?


Kulinarische Weihnachtsbräuche aus Dänemark

In Dänemark zum Beispiel gibt es anstelle des mürrischen Knecht Ruprecht viele kleine Wichtel, die sogenannten Nisser, die dem Weihnachtsmann bei seiner Arbeit helfen. Sie werden auch bei jedem Weihnachtsmahl bedacht: Wenn die Familie zum Dessert die traditionelle Weihnachtsgrütze isst, eine Art sahnigen Milchreis, stellt sie den fleißigen Wichteln eine Schüssel davon vor die Tür oder auf den Dachboden. In der Grütze ist übrigens eine Mandel versteckt – wer sie in seiner Portion entdeckt, bekommt ein kleines Geschenk, die sogenannte Mandelgave. Aus Dänemark kommt auch das Weihnachtsbier, das es bereits ab dem ersten Freitag im November gibt. Die unterschiedlichen Brauereien mischen, jede nach ihrem eigenen Rezept, das Bier mit Zutaten wie Anis, Zimt, Vanille oder Lakritz.

In Schweden hingegen hält man sich eher an Glühwein – der heißt hier Glögg und enthält neben Rotwein und weihnachtlichen Gewürzen auch Korn oder Wodka, Rosinen und geschälte Mandeln. Am Weihnachtsabend steht jedoch überall auf der Welt das Essen im Mittelpunkt der Feierlichkeiten.

Kulinarische Weihnachtsbräuche aus Deutschland, Brasilien und Polen

Während in Deutschland am Heiligen Abend vor allem Gans, Karpfen oder Würstchen mit Kartoffelsalat aufgetischt werden, isst man etwa in Brasilien Puter mit Maronen, in Luxemburg gibt’s Blutwurst mit Stampfkartoffeln und Apfelsauce, und in Italien wird in aller Regel kein Fleisch gegessen, sondern Fisch.

Das bulgarische Festmahl enthält sogar nur Speisen ganz ohne tierische Erzeugnisse wie Fleisch, Milch oder Eier, da der 24. Dezember der letzte Tag der Fastenzeit ist. So werden hier beispielsweise Paprika, Reis in Weinblättern oder Bohnensuppe gereicht. Mehrere Besonderheiten bietet das traditionelle polnische Weihnachtsmenü: Es besteht aus insgesamt zwölf Gerichten, die den Aposteln gewidmet sind, und auf dem Tisch steht immer ein Teller mehr als nötig – falls unerwarteter Besuch kommt. Auf jedem Gedeck liegt eine Oblate, die jeweils mit den anderen Familienmitgliedern geteilt wird. Und erst wenn ein Stern am Himmel zu sehen ist, fangen alle gemeinsam an zu essen.

Weihnachten - unbekannte Traditionen

Leckere Spezialitäten gibt es auch in Ungarn, die süßesten hängen dabei direkt am Weihnachtsbaum und heißen Salonzucker. Aus den eingewickelten Zuckerstücken von einst sind mittlerweile industriell hergestellte, gefüllte Schokoladenbonbons geworden, die nach wie vor ein sehr beliebter Baumschmuck sind.

In Skandinavien zieren geflochtene Weihnachtsherzen viele Christbäume, außerdem Ketten mit kleinen Nationalflaggen. In Litauen sind Ornamente aus Stroh üblich, während Spanier ursprünglich gar keinen Baum in der Wohnung aufgestellt haben. Dafür besitzen viele Familien eine festliche Weihnachtskrippe, und in den Straßen hängen Lichterketten. Wichtiger als der Schmuck ist für die Spanier aber die Ziehung der Weihnachtslotterie am 22. Dezember, deren Hauptgewinn mehr als drei Millionen Euro beträgt. Das Außergewöhnliche daran: Nach jeder Ziehung singen zwei Kinder die Losnummer sowie den entsprechenden Gewinn vor – da es viel zu gewinnen gibt, dauert das Prozedere meist länger als drei Stunden.

Ob das kommende Jahr Glück im Lotto oder anderen Lebensbereichen bereithält, versucht man zu Weihnachten in Tschechien mit dem Apfelorakel vorauszusehen: Dabei schneidet man einen Apfel quer auf und deutet die Form der Kerne im Gehäuse – erkennt man einen Stern, wird es ein gutes Jahr, ein Kreuz hingegen deutet auf ein schlechtes Jahr hin.

Viel bunter ist das weihnachtliche Treiben in Mexiko. Ab dem 16. Dezember werden hier neun Tage lang die Posadas gefeiert – jeder Tag steht für einen Monat der Schwangerschaft Marias. Wenn sich Freunde und Verwandte besuchen, spielen sie vor der Haustür Maria und Josef nach, die nach einer Bleibe suchen. Und es werden Piñatas mit einem Stock zerschlagen: bunte Pappkugeln, die mit ihren sieben Spitzen die Todsünden symbolisieren. Die Figuren sind mit Obst und Süßigkeiten gefüllt, die jeder einsammeln darf, sobald die Piñata aufgeplatzt ist – ein Spiel, das besonders bei Kindern beliebt ist.

Internationale Zustellung der Weihnachtsgeschenke

Und wer verteilt die Geschenke in der ganzen Welt? Der Weihnachtsmann, klar, aber auch der benimmt sich in jedem Land anders: In Finnland heißt er Joulupukki, hat eine Frau namens Joulumuori und kommt nicht durch den Kamin, sondern klopft an die Tür.

Der französische Weihnachtsmann heißt Père Noël und trägt die Geschenke in einem Korb auf dem Rücken statt wie bei uns im Sack. In Russland ist Väterchen Frost mit seiner Enkelin Snegurotschka als Gabenbringer unterwegs, in Ungarn kommt das Christkind und in Chile der Viejo Pasquero, ein alter Hirte.

Auf der Südhalbkugel gerät der Weihnachtsmann in seiner dicken Kleidung natürlich ziemlich ins Schwitzen – dafür hat er gelegentlich andere Privilegien: Laut einem australischen Weihnachtslied zum Beispiel tauscht Santa Claus hier seine Rentiere gegen sechs weiße Kängurus. Oder er kommt auf Wasserskiern. Andere Länder, andere Bräuche …

Machen Sie den Test: Wie gut kennen Sie Weihnachten?

Autor: Melanie Schirmann

Anzeige