Urlaub
''Sehnsucht Karibik'' Teil1 von Thomas Roth.
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"Reggae, Sklaven und ein tödliches Beben", Film von Thomas Roth (Foto rechts), am Dienstag, den 25.12.12, 19:15 Uhr im Ersten. - Foto © WDR

TV-Tipp: ''Sehnsucht Karibik''

Thomas Roth über die Antillen

  • Artikel vom 25. Dezember 2012

Karibische Träume: ARD-Korrespondent Thomas Roth schreibt exklusiv für HÖRZU über die Karibik jenseits aller Klischees.

Weiße Strände, blaugrünes Meer, heiße Raggaeklänge: So stellen wir uns die Karibik vor, jenes Inselsreich im Atlantik vor Mittelamerika. Ein Traumziel. Dieses Bild ist nicht ganz falsch, aber eben nur eine Seite der Wahrheit. Für seinen Weihnachtszweiteiler "Sehnsucht Karibik" (siehe TV-Tipp) hat Thomas Roth, ARD-Korrespondent in New York, die Antillen besucht. In HÖRZU beschreibt er exklusiv, was und wer ihn dort besonders faszinierte.


TV-Tipp:

"Sehnsucht Karibik", 25.12., 19:15 Uhr, Das Erste
Teil 1 der Reise-Doku von Thomas Roth.
Teil 2: Mi., 26.12., 19.15 Uhr


Schön, spannend, sehenswert: vier Tipps für eine Karibiktour

Entspannen: Die schönsten Strände Jamaikas hat die Nordküste. Türkisblaues Wasser und feinsten Sand findet man etwa im Fischerdorf Negril ganz im Westen.
Feiern: Am 6. Februar, dem Geburtstag Bob Marleys, steigt in Jamaikas Hauptstadt Kingston ein großes Straßenfest. Hoteltipp: "Knutsford Court Hotel", DZ ab 120 Euro, 5 Minuten zum Bob Marley Museum. Weitere Infos im Internet unter www.knutsfordcourt.com
Erklimmen: Der Vulkan La Soufrière auf Guadeloupe ist der höchste Berg der Kleinen Antillen. Für nebelfreie Ausblicke: morgens aufbrechen! Die Tour wird oft im Duo mit den Soufrière Hills auf Montserrat angeboten, www.volcanodiscovery.com
Geheimtipp: Urlaub auf Dominica. Sehenswert: der Nationalpark Morne Trois Pitons, seit 1997 Unesco-Weltnaturerbe. Buchbar etwa über www.karibikreisen.com


Hier entstieg sie, einer Göttin gleich, den kobaltblauen Fluten des Karibischen Meeres: Ursula Andress, die atemberaubend schöne Nymphe im weißen Bikini. Neben Sean Connery machte sie 1962 den ersten 007-Film berühmt.

Gedreht wurde "James Bond jagt Dr. No" nahe Saint Ann’s Bay, dort, wo auch Bond-Erfinder Ian Fleming lebte: an der grandiosen Nordküste Jamaikas, der ersten Station auf unserer Reise durch die Karibik. "Damals", erzählt mir Chris Blackwell, heute Jamaikas erfolgreichster Plattenproduzent, "damals dachten wir alle, das wird irgendein zweitrangiger Film, ein B-Movie, aber dann wurde es der Beginn einer Legende!" Blackwell hat damals als Location Scout an dem Film mitgearbeitet. Später hat er geholfen, den größten Reggaestar dieser Welt berühmt zu machen: Bob Marley.

Rita Marley

Rita Marley, Witwe von Bob Marley.
Foto © WDR

Ein weiterer Grund, der Insel zu verfallen. Und genau das ist mir passiert. Es lag weniger an den zum Teil traumhaften, aber sehr touristischen Stränden an Jamaikas Nordküste. Mehr an den oft von feuchten Nebeln verhangenen Blue Mountains. Am Bergdorf Moore Town, einem Widerstandsnest der entlaufenen Sklaven, der Maroons. Am Grab von Granny Nanny, einst Feldherrin der Sklaven im Kampf gegen die britischen Kolonialherren, außerdem Priesterin, Königin, Heilerin – und heute eine Nationalheldin Jamaikas. Ich habe viele junge Leute in den Bergen getroffen, die sie noch immer verehren – rund 300 Jahre später.

Ebenso unvergesslich: die Geburtstagsfeier für Bob Marley, die jedes Jahr am 6. Februar an der Hope Road in der Hauptstadt Kingston zelebriert wird. Den ganzen Tag lang. Wer noch einmal den Spirit von Bob spüren möchte – dies ist der Ort, dies ist die Zeit! Unter Hunderten Anhängern, Freunden, Musikern und Musen ist natürlich auch Rita Marley, Bobs einzige Ehefrau. Was nicht heißt, dass er neben ihr nicht viele andere Frauen (und Kinder) hatte.

Rita ist eine beeindruckende Erscheinung. Afrikanisch gekleidet, eine Art Zepter in der Hand, stand sie vor mir im Hof an der Hope Road. Zu Bob hat sie nach wie vor eine starke spirituelle Beziehung: "Ich habe oft das Gefühl, er steht neben mir mit einem Revolver und beschützt mich!" Übers Gelände dröhnt Reggaemusik, schwere Schwaden von (eigentlich illegalem) Marihuana ziehen über den Hof. Selbst wer nicht Marley-Fan ist – hier könnte er es noch werden.

Ich habe auf meiner Reise durch die Karibik viele beeindruckende Menschen kennengelernt. Patrice Millet auf Haiti zum Beispiel. Er kümmert sich auf sehr berührende Weise um die Jugendlichen aus den elenden Zeltstädten der Hauptstadt Port-au-Prince. Seit dem Erdbeben im Januar 2010 leben immer noch Hunderttausende hier. Patrice war Geschäftsmann, hat aber angesichts des Elends sein Geschäft verkauft und versucht nun, mit seiner kleinen Stiftung die größte Not zu lindern. Zugleich kämpft er um sein Leben, denn er hat Krebs. Sein Schicksal hat mich sehr bewegt. Wir haben für unsere Reportage ein Porträt über ihn gedreht.

Jetzt noch zwei Liebeserklärungen – an zwei Inseln. Die eine ist Montserrat. Der Vulkan Soufrière Hills, seit 1995 wieder aktiv, hat zwar die Südhälfte der Insel und die Hauptstadt Plymouth in Schutt und Asche gelegt – heute ein "modernes Pompeij", das abenteuerlich anzusehen ist. Bis zum Ausbruch aber waren sie alle hier, die großen Rockstars: Paul McCartney etwa, Stevie Wonder, Sting und Mick Jagger.

Liebeserklärung an Dominica

Aufgenommen haben sie in den einst berühmten AIR Studios von Sir George Martin, dem Produzenten der Beatles. Heute am Rand der Sperrzone gelegen, dämmern die Studios vor sich hin. Mir war, als hinge noch all die Musik in der Luft, als ich durch die Gänge stapfte. Um Montserrat zu erreichen, fliegt man am besten nach Antigua und nimmt von dort die zweistündige Fähre oder einen kleinen Flieger zum Miniflughafen der Insel. Und: Abenteuerlust mitbringen!

Die zweite Liebeserklärung geht an Dominica, eine Tropeninsel vulkanischen Ursprungs mit üppiger Vegetation und (noch) ohne Massentourismus. Mit seinen entlegenen Vulkanseen wie dem Boiling Lake ein Paradies für Wanderer! Gefunden habe ich dort übrigens eine Liebesgeschichte: jene von Ariane aus Stuttgart und "Froggy" Charles Magloire von Dominica, die heute mit ihren zwei Kindern in den Bergen leben. Aber diese Geschichte möchte ich noch nicht verraten, sie wird erst im Film erzählt.

Autor: Thomas Roth

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