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Unterwegs auf Schneeschuhen in unberührter Allgäuer Winterlandschaft.

Erlebnis Stille: Unterwegs auf Schneeschuhen in unberührter Allgäuer Winterlandschaft. - Foto © picture alliance

Trendsport

Wandern auf Schneeschuhen im Allgäu

  • Artikel vom 06. Januar 2013

Erlebnis Stille: Wer das Wandern auf Schneeschuhen wagt, kommt langsam voran. Aber genau das macht den Reiz des neuen Trendsports aus. HÖRZU-Reporterin Angela Meyer-Barg auf Tour in unberührter Allgäuer Winterlandschaft.


Auf geht’s! Tipps zum Schneeschuhwandern

Ausrüstung: Schneeschuhe kann man bei den Veranstaltern mieten. Die Modelle werden immer leichter. Bei einigen kann man die metallischen Krallen hochklappen und so kleinere Hänge hinunterrutschen. Wichtig: Stöcke zum Abstützen sowie Funktionswäsche.
Training: Nicht nötig. Wer sich erst einmal an die breitere Trittfläche der Schneeschuhe gewöhnt hat, kann loslaufen – ganz einfach, wie beim Spaziergang.
Angebote: Viele Veranstalter organisieren Schneeschuhtouren. HÖRZU war mit Hagen Alpintours aus Oy-Mittelberg unterwegs. Infos unter www.welt-weit-wandern.de. Alternative: Wikinger Reisen. Infos unter www.wikinger-reisen.de
Ausflüge: Die Grüntenhütte (1477 Meter) ist ein beliebtes Ziel von Schneeschuhtouren im Allgäu.


Sollen die anderen doch anstehen an den Liften, sollen sie teure Skipässe erstehen und Knochenbrüche riskieren – wir sind anders. Wir Schneeschuhwanderer setzen auf Langsamkeit. Das beginnt schon mit dem Anschnallen der Schneeschuhe, die in Wirklichkeit "Untersetzer" sind. Hacke und Spitze der Wanderstiefel werden in ein Metallgestell geschoben, festgeschnallt – fertig.

Sollen die anderen doch Kurse und Skilehrer buchen – wir Schneeschuhwanderer brauchen keine umständliche Einübung. Wir gehen einfach los. Langsam allerdings, denn die vergrößerte Trittfläche ist gewöhnungsbedürftig. Wie ein Pinguin watschelt man anfangs, die Knie hochgezogen, die Füße betont weit voneinander aufgestellt. Aber schnell wird der Gang sicherer, und am Ende der Tour scheinen die Untersetzer mit den Krallen aus Metall wie angewachsen.

Daunen und Filz schützen vor Kälte

Oy-Mittelberg im Allgäu ist ein ideales Revier für jene, die auf großem Fuß wandern wollen. Hier bietet man allen Wintersportarten beste Bedingungen – besonders aber uns. Ganz wichtig: die Ausrüstung. Wenn die Eiszapfen vom "Hotel Sonne" wachsen und die Schritte im Schnee knirschen, dann muss Funktionswäsche her. Rita Hagen, die unsere kleine Expedition gemeinsam mit der Bergführerin Monika Puri leiten wird, kennt ihre Kundschaft: Die kommt in normalen Wetterjacken, wo nur dicke Daune hilft. Die trägt Baumwollsocken, wo nur Wollstrumpfhosen wärmen. Und erst die Handschuhe!

Monika Puri streckt ihre Hände vor: Filzhandschuhe mit aufgesticktem Enzian wehren Kälte ab und machen gute Laune. Mützen mit Ohrenklappen, dazu ein Mundschutz, denn oben auf dem Bergkamm pfeift der Wind. Zum Schluss noch verstellbare Stöcke zum Abstützen – dann geht sie los, unsere Entdeckungsreise in unberührtes Land. Der Zauber des Schneeschuhwanderns offenbart sich unmittelbar: Schritt für Schritt geht es voran, erst durchs Dorf, dann den geräumten Weg entlang ins freie Feld hinein. Egal ob die Schilder nach rechts oder links weisen – der Wanderer kann querfeldein laufen, denn er sinkt auch im Tiefschnee nicht ein.

Am besten schließt man sich einem Führer an, der das Gelände kennt, denn der Schnee überzuckert zugefrorene Bäche und lässt Wegweiser und Abzweigungen unter seiner weißen Decke verschwinden. Eine wundersame Erfahrung, dieses langsame Stapfen ohne die leiseste Angst auszurutschen. Die Krallen greifen fest, der Gang ist sicher, der Kopf wird frei. Monika und Rita verschwinden hinter einem Schneewall. Weiß wie ein Laken liegt die Landschaft vor uns: links Pfotenabdrücke vom Fuchs, rechts die Spur eines Hasen. Aber wer wird schon auf seine Füße gucken, wenn der Blick in ein Zauberland geht?

Schneebepuderte Zweige, kahle Äste mit Schneeborte, zwischen den Bäumen unberührte Berghänge, die auch in Kanada liegen könnten. Das anfängliche Frösteln ist einer gleichmäßigen Wärme gewichen. Und sind das wirklich die eigenen Füße, die im Takt der anderen gehen, als hätte jemand ein Uhrwerk angeworfen? Pause vor einer kleinen Holzhütte. Die Bergführerinnen ziehen Thermoskannen mit heißem Tee und Müsliriegel aus ihren unergründlichen Rucksäcken. Johannisöl, Blasenpflaster und Arnikatinktur gegen Verstauchungen hätten sie auch noch dabei. Die gute Laune der beiden ist ansteckend. "Mit Miesepetrigkeit kommst du in den Bergen nicht weiter", sagt Monika Puri und strahlt.

In Schneewehen versteckt

Weiter geht’s, zur Grüntenhütte. Aber erst noch die Loipe passieren. Ein paar Skifahrer sausen vorbei. Die Hütte liegt in Schneewehen versteckt, wir schnallen unsere "Schuhe" ab und stellen sie aufrecht an die Wand. Drinnen: Kontrastprogramm. Drangvolle Enge, beschlagene Fenster. Wer im Schnee unterwegs ist, erlebt das Prinzip der Wechselbäder. Nach stiller Einsamkeit hier nun das Gedränge der Wintersportler. Der Wirt Norbert Zeberle hantiert in einer offenen Küche mit eisernen Pfannen. An seinem Tresen läuft der Nachrichtenaustausch der Woche, Klatsch inklusive. Einer habe kürzlich seinen Geburtstag hier gefeiert und mächtig auf Feinschmecker gemacht, wird erzählt. Der Wirt verdreht die Augen. Auf der Grüntenhütte ist Einfachheit Trumpf.

Allgäuer Krautkrapfen werden serviert, Kässpatzn oder ein Jausenbrot. Alles Gerichte, deren Zutaten auch mal ein paar Tage überdauern, wenn der Motorschlitten nicht durchstößt durch die Schneeberge. Am Nebentisch knallt ein Bierkrug auf den Tisch, die Hautfarbe des Zechers wechselt von Rosa auf Rot. Zeit zu gehen. Draußen senkt sich langsam die Dämmerung, die Mondsichel schaukelt blass am Winterhimmel. Wir stapfen voran, schwenken ab in unberührtes Feld. Alle Begrenzungen hinter sich lassen und hineingehen in diese weiße Weite. Ein Abenteuer, das süchtig macht. Ganz ohne Risiko und Nebenwirkungen.

Autor: Angela Meyer-Barg

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