Das Restaurant "Seefohrerhus" am Seezeichenhafen von Wittdün. - Foto © dpa Picture-Alliance GmbH
Wenn sie spricht, hört man den Zungenschlag der Berlinerin. Und hinter den runden Brillengläsern erahnt man immer noch das Blumenkind von einst, das beim "Grand Prix Eurovision" 1970 "Wunder gibt es immer wieder" sang. Auf Arte kommentiert Katja Ebstein vom 1. Juli an eine Zeitreise in die 60er Jahre, die auch bei ihr für Auf- und Umbruch standen. Treu geblieben ist sie der Nordseeinsel Amrum. Ihre Liebeserklärung exklusiv in HÖRZU.
Nicht nur im Sommer ist es hier einmalig schön. Manchmal im Herbst ist die Luft wie Glas und das Meer wie ein Spiegel so still. Im November, wenn der Wind an den Fensterläden zerrt, gibt es nichts Schöneres, als sich mit einem Pott Tee und dem gerade wichtigen Buch im warmen Sessel einzuigeln. Im Winter, wenn sich die Eisschollen an der Küste zusammenschieben, scheint die Luft rosa. Im Frühjahr atmet man den Duft von Wiesen und Strandflieder und hört das Geschrei der Möwen. Wettlauf über den Strand Jugendlieben brennen sich tief ins Herz, und genau so erging es mir mit Amrum, dem 20 Quadratkilometer kleinen Eiland in der Nordsee.
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Tipps für Amrum
● Amrumer Odde: Die Nordspitze der Insel steht seit 1934 unter Naturschutz und ist ein Dorado für Ornithologen. Der Vogelwart bietet während der Sommermonate Führungen an. Infos über AmrumTouristik Norddorf, Telefon 04682/947 00.
● Öömrang Hüs: Im Wohnteil des alten Kapitänshauses aus dem 18. Jahrhundert in Nebel kann man sehen, wie die Friesen in alten Zeiten wohnten. Am Wochenende können Brautpaare in der historischen Friesenstube heiraten. Infos unter www.oeoemrang-hues.de
● Musik-Insel Amrum: Vom 19. bis zum 25. Juli jazzt und swingt es auf der Insel. Zahlreiche internationale Jazzgrößen spielen auf. Infos unter www.amrum.de
● Thalasso-Zentrum: Mitten in den Dünen vor Wittdün gelegen. Am Schwimmbad 1, Tel. 04682/94 34 32
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Als dünnes Bleichgesicht kam ich Mitte der fünfziger Jahre ins "Kinderheim Berlin-Wilmersdorf" nach Wittdün, dem Hafen der Insel. Nordseeluft gibt Kraft, hieß es damals. Und das Reizklima stärkt die Abwehr! Das Heim lag kurz oberhalb einer Dünenkante, und für uns begann jeder Tag mit einem wilden Ritual. Die Düne runtergerannt und lautstark über den endlosen Strand, den Kniep, gelaufen, immer weiter, bis die nackten Füße die Gischt erreichten! Meine Appetitlosigkeit war bald vergessen. Mir schmeckte alles: Krabben, Schollen, Butterbrote, Magerquark und Früchtetee. Der Jodgehalt der Luft regt eben den Appetit an. Am Ende der Amrum-Ferien war ich gut erholt und hatte ein bisschen mehr auf den Rippen. Zurück in den engen Häuserschluchten von Berlin geriet mein Aufenthalt auf der Insel eine Zeit lang in Vergessenheit.
Aber wie das so ist mit der ersten Liebe: Als ich 16 war, hatte ich das große Bedürfnis, wieder ans Meer zu kommen. Nach Amrum. Zu diesem nicht enden wollenden Strand, auf diese weite Bühne, auf der keine Kulissen die Sicht versperrten. Nicht sehr viele Familien konnten sich damals Urlaube leisten, wir auch nicht. Also habe ich mit einer Freundin bei Essig-Kühne um die Ecke gejobbt, um das Fahrgeld zu verdienen. Gemeinsam haben wir Rollmöpse in Gläser gedreht. Abends rochen wir selber wie die Heringe, aber das Geld war sicher. Dann ging es ab nach Amrum. Wieder mit dem Zug nach Dagebüll, auf die Fähre umgestiegen, in Wittdün an Land gegangen. Angekommen im "Kinderheim Wilmersdorf".
Autor: Katja Ebstein
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