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Jesus am Kreuz

Jesus am Kreuz - Foto: © www.piqs.de / Steve Ford Elliott, CC (Some rights are reserved.)

Fragen und Antworten zum Karfreitag

Von Leiden und Erlösung

  • Artikel vom 19. März 2010

Kinotipp: "Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen" - Kinostart: 25.03.2010
Doku über die Grabeskirche als Zankapfel der Konfessionen

1. Was geschah am Karfreitag?

Antwort: Es ist der Tag der Trauer. "Kar" leitet sich vom Althochdeutschen "chara" für Kummer ab: Am Karfreitag gedenken Christen weltweit der Kreuzigung Jesu. Laut Markus-Evangelium wird der Heiland an einem Freitag vom Hohen Rat zum römischen Statthalter Pilatus gebracht. Der stellt das Volk vor die Wahl: Freiheit für den Mörder Barabbas oder den König der Juden? "Jesus ans Kreuz", fordert die Menge. Er wird zum Tode verurteilt. Um ihn zu verspotten, setzt man ihm eine Dornenkrone auf. Er selbst trägt das Kreuz, an das er später genagelt wird, auf den Hügel Golgatha. Nach stundenlanger Marter stirbt er mit den letzten Worten: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" Josef von Arimathäa bestattet ihn später in einem Felsengrab und verschließt es. Am Sonntagmorgen ist das Grab leer.

2. Gab es Jesus Christus wirklich?

Antwort: "Selbst Kirchengegner bestreiten heute weder die Existenz noch die Kreuzigung der historischen Person Jesus aus Nazaret", sagt der Theologe Prof. Manfred Oeming, Alttestamentler an der Universität Heidelberg. "Eine so starke Jesus-Bewegung ohne einen Gründungsvater würde einfach keinen Sinn machen." Von Jesus selbst gibt es keine Schriften. Außerhalb der Bibel stammen die meisten Hinweise auf ihn aus dem zweiten Jahrhundert von den römischen Geschichtsschreibern Tacitus, Sueton und Plinius. "Das ist normal", so Oeming. "Zu Lebzeiten war Jesus aus Sicht der Römer nicht wichtig genug, weil er nur kurz in Erscheinung trat." Die Christen galten als "jüdische Sekte", die der römische Kaiser Claudius um ca. 49 n. Chr. mit dem sogenannten "Claudius-Edikt" aus Rom vertreiben ließ. Sueton schreibt auch von "ihrem Anführer Chrestus (= Christus)".

3. Ist das Turiner Grabtuch echt?

Antwort: Das 1,10 Meter breite und 4,36 Meter lange Leinentuch ist eine der berühmtesten christlichen Reliquien. Es zeigt den Körperabdruck eines Mannes, der gekreuzigt wurde. Historisch gesichert ist die Existenz des Tuchs ab dem 14. Jahrhundert, heute liegt es im Turiner Dom. 1988 wurde ein Stoffstreifen in drei internationalen Labors einem Karbontest unterzogen. Getrennt voneinander datierten die Forscher das Tuch auf 1260 bis 1390. "Deshalb halte ich es für falsch", so Prof. Oeming. "Aber ich respektiere dessen religiöse Verehrung." 2004 erklärte ein US-Chemiker nach an deren Tests, das Tuch stamme aus dem 1. Jahrhundert, auch wurden auf dem Gewebe Blütenpollen aus dieser Zeit nachgewiesen. Über die Echtheit der Reliquie wird bis heute heftig gestritten.

4. Wo liegt das Grab Jesu Christi?

Antwort: Um 326 wurde die Grabeskirche auf Veranlassung von Helena, der Mutter Kaiser Konstantins, auf der überlieferten Grabstätte Jesu in Jerusalem errichtet. Mehrfach zerstört, niedergebrannt und wiederaufgebaut, gleicht sie heute nicht mehr ihrem ursprünglichen Aussehen. "Ich war selbst skeptisch, aber in der Kirche wurden tatsächlich Gräber aus Jesu Zeit entdeckt", so Prof. Oeming. "Ob sein Grab genau dort oder etwas entfernt liegt, ist unerheblich. Aber wie viele Archäologen halte ich den Ort an sich für echt." In der Kirche wird das Grab durch eine schlichte Steinplatte symbolisiert, ein Felsen weist auf den Kreuzigungs-Hügel Golgatha hin.

5. Warum leben Mönche auf der Grabeskirche?

Antwort: Sechs christliche Glaubensgemeinschaften streiten um das Gotteshaus: Griechisch-orthodoxe Christen, römisch-lateinische Franziskaner, syrische Christen, armenische Christen, äthiopische Abessinier und ägyptische Kopten. Die Abessinier beanspruchen ein kleines Kloster auf dem Dach, leben dort in Lehmhütten. Die Nutzung der Kirche wurde 1852 festgelegt. Den Schlüssel verwaltet eine muslimische Familie.

6. Warum entzünden wir Osterfeuer?

Antwort: Mit den Feuern wurde in heidnischer Zeit die Frühlingssonne begrüßt. Seit dem 8. Jahrhundert stehen die Flammen für die frohe Botschaft von Christi Auferstehung und die Hoffnung auf neues Leben. "Meiner Meinung nach hat die Auferstehung tatsächlich stattgefunden", so Prof. Oeming. "Sie ist der Urknall des Glaubens. Ohne diese erlösende Botschaft wäre Jesus nie der Stifter einer weltweiten Glaubensgemeinschaft geworden."

Autor: Dagmar Weychardt

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