Wandern auf dem Jakobsweg - Foto © www.piqs.de / klapeg, CC (Some rights are reserved.)
"Ich trag dich bis ans Ende der Welt", Freitag, 26.03.2010, Das Erste, 20.15 Uhr
TV-Drama mit Ann-Kathrin Kramer und Elmar Wepper
Seit etwa 1000 Jahren pilgern auf dieser Route Menschen, die Erleuchtung, Erlösung oder einfach innere Einkehr suchen. Rund 150.000 Wanderer sind es derzeit jährlich. Jetzt wird der Jakobsweg sogar Thema eines deutschen Fernsehfilms: "Ich trag dich bis ans Ende der Welt“ (siehe TV-Tipp) wurde im Mai 2009 auf dem spanischen Teil des Pfads gedreht. Die außergewöhnliche Landschaft und die Begegnungen mit den Pilgern waren für Schauspielerin Ann-Kathrin Kramer ein Erlebnis von einmaliger Intensität. Für HÖRZU hat sie ihre Eindrücke exklusiv aufgeschrieben.
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Reisetipps: Wandern auf dem Jakobsweg
Geführte Touren bieten verschiedene Veranstalter, z. B. Wikinger individuell (www.wikinger.de): Mai, Juni, September, 12 Tage, ab 1648 Euro
Auf eigene Faust: Auch das ist möglich. In Städten und vielen Herbergen (Refugios) gibt es Pilgerausweise, die man sich unbedingt besorgen sollte. Alle Infos z. B. unter:
www.jakobus-info.de
Jakobsmuschel: Sie ist seit Jahrhunderten das Symbol der Pilger. Am besten am Rucksack befestigen!
Aus Deutschland führen ebenfalls Wege nach Spanien (www.fernwege.de)
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Was für ein wunderschönes Stück Land da oben im Norden Spaniens! Gemeinhin assoziieren wir mit diesem Urlaubsziel ja Strand, Hitze und Flamenco. Doch hier am Jakobsweg ist alles ganz anders: Hier strahlt alles einen herrlich nordischen Charme aus. Ich war vollkommen erstaunt. Auf dem Camino de Santiago, wie der spanische Teil der Route heißt, treffen unzählige europäische Zugangswege auf die Hauptroute des Pilgerpfads. Etwas abseits davon gibt es noch eine südlichere Route, die viel weniger frequentiert ist und erst in León auf die klassische Strecke trifft. Dort haben wir gedreht: in San Alberca, einem hübschen kleinen Bergort.
Was mich überraschte: Obwohl auch dort Tourismus kein Fremdwort ist, spricht kein Mensch eine andere Sprache als Spanisch. Aber die Einwohner sind immer freundlich und zuvorkommend, sodass ich mich gut verständigen konnte. Wenn auch radebrechend und gestenreich. Noch mehr verblüffte mich jedoch das Wetter: Die Dreharbeiten begannen im Mai. Wir hatten also etwas kuscheligere Temperaturen erwartet, hier im Süden Europas. Wider Erwarten war es wirklich kalt, in manchen Nächten gab es sogar Frost. In León wurde es dann wärmer. Und nicht nur das: Diese trubelige Stadt lässt kein Pilger aus, denn sie bietet gute Abwechslung zu der einsamen Wanderung durch mal liebliche, mal herbe Landstriche, über Berge, Hochebenen und Täler. Immerhin ist sie Hauptstadt der Provinz Kastilien-León und hat 135.000 Einwohner.
Faszinierend fand ich die Mischung aus neuer und geschichtsträchtiger Architektur. Vor allem die Schönheit der gotischen Kathedrale mit ihren bunten Glasfenstern hat mich begeistert. Ich selbst würde wahrscheinlich keine Tour auf dem Jakobsweg machen. Er hat unbestritten großen Reiz, aber er ist mir gerade ein wenig zu überlaufen. Unter den Pilgern traf ich übrigens erstaunlich viele jüngere Menschen, darunter sehr selbstbewusste, oft sehr lustige Typen. Sie alle schienen mir auf der Suche nach einem großen Gemeinschaftserlebnis – trotz der Strapazen, trotz der Blasen an den Füßen, trotz der Rückenschmerzen, die einen oft plagen, weil man eben doch zu viel mitschleppt. Tatsächlich trifft man hier viele interessante Leute und kann Freundschaften mit Menschen aus aller Welt schließen. Gesprächsstoff hat man per se, immer, sofort.
Ältere Wanderer sind oft aus anderen Gründen unterwegs: Sie wollen innere Einkehr finden oder lernen, mit Schicksalsschlägen und Krankheiten besser umzugehen. Beim Wandern genießen sie die Spiritualität möglicherweise noch intensiver als die Jüngeren. Am Ziel in der Kathedrale von Santiago de Compostela können sich alle Pilger ihre Mühen mit einer Urkunde bestätigen lassen. Hier gefiel mir der historische Stadtkern außerordentlich gut. Rund um die Kathedrale strahlt er eine unheimliche Kraft aus. Wahrscheinlich wirkt er auch deshalb so umwerfend, weil man vorher so lange nur Landschaft und kleine Dörfer gesehen hat. Wie viele Pilger gingen auch wir zum Abschluss ans Kap Finisterre, 60 Kilometer westlich von Santiago. Seinen Namen erhielt es, als Amerika noch nicht entdeckt war. Ich stand auf den schroffen Felsen, rundum nichts als Wasser. Ich sah das "Ende der Welt". Was für ein magischer Ort!
Autor: Ann-Kathrin Kramer