Tiere
Im Winter rücken Bienen eng zusammen.

Im Winter rücken Bienen eng zusammen. Der wärmste Platz ist für die Königin reserviert. / Foto: © dpa

Kinodoku über die Honigbiene

Was machen Bienen im Winter?

  • Artikel vom 02. November 2012

Während der Sommermonate schwirren sie umher, von Blüte zu Blüte. Doch sobald die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken, sieht man ie nur noch selten. Wo verstecken sich die Bienen in der kalten Jahreszeit? Und sind die Honigsammler, die wir im Frühjahr wiedersehen, dieselben Tiere, die noch im Herbst unterwegs waren?

"Im Gegensatz zu Wespen überleben Honigbienen tatsächlich den Winter", sagt Julian Heiermann, Zoologe beim Nabu Bundesverband. "In ihrem Stock bilden sie eine Wintertraube, in der sie sich gegenseitig vor der Kälte schützen." Dabei sitzt die wichtigste aller Bienen, die Königin, in der Mitte der Traube. Dank des fleißigen Einsatzes ihrer Arbeiterinnen herrscht dort stets eine Temperatur von mindestens 25 Grad. "Durch Muskelkontraktionen können Bienen Wärme erzeugen. So überstehen sie selbst Minustemperaturen", erklärt Julian Heiermann.

Selbst im Winter ist bei den fleißigen Insekten also "Teamwork" angesagt: Die Tiere an den kalten Außenseiten der Traube werden regelmäßig von Exemplaren aus der wärmeren Mitte abgelöst und gefüttert. Viel benötigen sie laut Julian Heiermann jedoch nicht: "Die Bienen fahren ihren Stoffwechsel herunter und können im Winter von den Vorräten im Stock zehren."

Sobald die Temperaturen im Februar etwas steigen, endet die Winterruhe langsam. Die Bienen machen sich wieder auf die Suche nach den ersten Nektarpflanzen, um Nachschub für ihre Brut zu sammeln.

Die Bestäuber der Welt

Doch in den vergangenen Jahren wurde es mit jedem Winter ein wenig leerer in den Stöcken. Ein mysteriöses Bienensterben macht Wissenschaftlern Sorgen – denn ein Aussterben der Tiere wäre auch für den Menschen fatal. "Bienen sind die Bestäuber der Welt. Sie bringen Pollen zu 80 Prozent aller Blüten. Würden sie ausfallen, gäbe es bei der Produktion von Obst und den meisten Gemüsesorten erhebliche Einbrüche", warnt Prof. Jürgen Tautz, Bienenexperte an der Universität Würzburg und Entwickler des Bienenportals www.hobos.de. 30 Prozent der Nahrungsmittel würden wegfallen, erklärt er.

Nach Rind und Schwein ist die Honigbiene das drittwichtigste Nutztier in Deutschland. Die Insekten sichern die Lebensgrundlage des Menschen, doch der weltweite Bedarf an Naturprodukten und die damit verbundene Massenproduktion scheint ihnen die Kräfte zu rauben. "Vor 15 Jahren gab es in Deutschland etwa eine Million Bienenvölker, heute sind davon nur noch etwa 700.000 übrig", sagt Tautz.

Suche Nach Lösungen

Der bekannte Schweizer Regisseur Markus Imhoof, der 1981 für "Das Boot ist voll" eine Oscar-Nominierung erhielt, macht sich in seinem neuen Kinofilm auf die Suche nach einer Erklärung für das Sterben. Aus einer Imkerfamilie stammend, hatte Imhoof schon als Kind Kontakt zu Bienen. In seiner Dokumentation "More than Honey" (übersetzt: Mehr als Honig) zeigt er die Tiere in faszinierenden Nahaufnahmen und an den unterschiedlichsten Schauplätzen.

Während der fünfjährigen Recherche- und Dreharbeiten besuchte er einen Bergimker in der Schweiz, der die Bienen mit traditionellem Handwerk zu schützen versucht. Der Filmemacher reiste mit einem quer durch die USA ziehenden Bienenchauffeur und erhielt in China, wo die Honigbiene in ganzen Landstrichen durch Pestizide ausgerottet wurde, einen Ausblick darauf, wie eine Welt ohne die Insekten aussehen könnte. Dabei stellte er fest, dass es vielfältige Gründe für den Schwund gibt. Eines aber haben sie gemeinsam: Verantwortlich ist der Mensch.

"Die moderne Landwirtschaft und der ungezügelte Einsatz von Pestiziden setzt den Bienen stark zu. Das gilt auch für sogenannte bienenfreundliche Pflanzenschutzmittel", erklärt Dr. Melanie von Orlow, Sprecherin der Bundesarbeitsgruppe Hymenoptera des Nabu. Zudem machen den Tieren Parasiten wie Milben und Pilze zu schaffen, obendrein Krankheiten, die sich immer schneller verbreiten. Durch den internationalen Handel mit Honigbienen reisen die todbringenden Erreger um den ganzen Globus.

Unterdessen versuchen Forscher bereits, Arten zu züchten, die gegen Parasiten und Krankheiten resistent sind. Auch als Verbraucher kann man einiges zur Erhaltung der Honigbiene beitragen. Ob im Garten oder auf dem Balkon: Blütenpflanzen wie Rosen, Sonnenblumen oder Krokusse sind für die Tiere eine gute Nahrungsquelle.

"Dabei ist es wichtig, auf chemischen Dünger und Pflanzenschutzmittel zu verzichten", betont von Orlow. Auch auf öffentlichen Plätzen kann man einiges tun: "Guerilla Gardening ist eine tolle Möglichkeit, ungenutztes Parkgrün in Nutzgrün zu verwandeln", so die Biologin. Bei dieser Aktion legen Privatpersonen auf Verkehrsinseln und wilden Rasenflächen Blumenbeete an, verschönern so gleichzeitig das Stadtbild.

Zu viel Aufwand? Schon der Einkauf von Obst und Gemüse beim Biobauern ist ein Beitrag. Beim eigentlichen Bienenprodukt, dem Honig, sollte man auf exotische Kreationen verzichten. Die beste Wahl sind Produkte aus regionaler, ökologischer Landwirtschaft, also vom Imker um die Ecke. "Auf diesem Weg erhält er ein wenig der Investionen zurück, die er für die Allgemeinheit in die Bienen steckt", sagt Prof. Tautz. Und mit gutem Gewissen schmeckt der Honig im heißen Wintertee doppelt so gut.


Kinotipp: ''More Than Honey''

Dem Bienensterben auf der Spur: Doku mit faszinierenden Nahaufnahmen Start: 8.11.

Autor: NIcole Wronski

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