Tiere
Viele Tiere schließen auch Freundschaften über die Artgrenzen hinweg.
Zur Bilderstrecke

Viele Tiere schließen auch Freundschaften über die Artgrenzen hinweg. / Foto: © picture alliance/WILDLIFE

Auch über Artgrenzen hinweg

Tierische Freundschaften

  • Artikel vom 13. Januar 2013

Fressen oder gefressen werden: In der freien Natur herrschen raue Sitten. Doch selbst die Wildnis hat noch eine andere Seite: Denn Mitgefühl, Hilfsbereitschaft, Freundschaft und Liebe, oft als rein menschliche Werte definiert, kommen auch in der Fauna vor. "Selbst Tiere sind nicht gern allein", sagt TV-Moderator Dirk Steffens, der in der ZDF-Reihe "Terra X" nun den Dreiteiler "Supertiere"präsentiert, in dem es um das soziale Miteinander der Kreaturen geht. In der ersten Folge (13.1., 19.30 Uhr) werden ungewöhnliche Tierfreundschaften vorgestellt.

Viele Arten leben in Herden: Vögel verbinden sich etwa zu Schwärmen und bilden so starke Gemeinschaften. Dabei gilt: Gleich und Gleich gesellt sich gern. Manchmal tun sich aber auch völlig fremde Tiere zusammen, selbst Feinde können vorübergehend zu besten Freunden werden. Wenn sich Dachs und Fuchs in die Quere kommen, endet das häufig in aggressivem Kampf. Ist jedoch der Wohnraum im Wald knapp, teilen sich die streitlustigen Zeitgenossen schon mal einen Bau. Sie bewohnen dann unterschiedliche Bereiche und vermeiden direkten Kontakt. Treffen sie trotzdem aufeinander, verhalten sie sich friedlich.

Loewin adoptiert Antilope

Diese Löwin hat Muttergefühle für ein Antilopenbaby entwickelt. / Foto: © dpa

Vögel teilen ihre Nester mit anderen Paaren, Blässhühner sogar mit Schildkröten. Besonders der Mutterinstinkt hilft oft, die Artgrenzen zu überwinden. Der ZDF-Film zeigt erstaunliche Beispiele: ein Nilpferdbaby, das von einer Schildkröte aufgenommen wird; eine Katze, die Eichhörnchen adoptiert; eine Löwin, die eine Antilope großzieht. "Der Mutterinstinkt ist eine der stärksten Motivationen, die die Tierwelt kennt", erklärt Dirk Steffens hierzu.

Der Nobelpreisträger Karl von Frisch bezeichnete das freundschaftliche Zusammenleben "verschiedenartiger Lebewesen" zum gegenseitigen Nutzen als Symbiose. Dabei gibt es zahlreiche Abstufungen: Eine Verbindung kann kurz sein oder lebenslang dauern, sie kann nur wechselseitige Vorteile bedeuten – oder eine beiderseitige Abhängigkeit, die über Leben und Tod entscheidet.

Vampirfledermäuse spenden sogar Blut und füttern damit Artgenossen, um sie vor dem Hungertod zu retten. Aber wehe, der Gerettete erweist sich in der Not als weniger hilfsbereit: Er wird nie wieder eine Spende erhalten und im schlimmsten Fall verhungern.

In der Natur gilt das Gesetz des Gebens und Nehmens. Die Putzdienste bei Fischen und Vögeln zeigen: Der Putzer befreit den Wirt von Parasiten, bekommt dafür Nahrung und Schutz. Steffens: "Meist sind es handfeste Gründe, die Tiere zusammenfinden lassen. Oder steckt noch etwas anderes dahinter?"

Schafe halten zusammen

Schafe halten fest zusammen. / Foto: © picture alliance

Schafe zum Beispiel haben ein großes Talent für Freundschaften. Gerät ein Kamerad in einen Streit, stehen sie ihm bei. Manchmal trösten sie sich sogar, indem sie Wange an Wange reiben, um sich gegenseitig zu beruhigen. Und sie sind dazu fähig, nach einem Streit zu verzeihen und sich zu versöhnen.

Das Zusammenleben von Tieren folgt viel komplizierteren Regeln, als wir lange Zeit glaubten. Steffens: "Neue Studien beweisen, dass einige Tiere zu deutlich komplexeren Empfindungen als Freundschaft fähig sind. Sie können sogar Empathie für andere Lebewesen entwickeln. Vielleicht haben sie sogar einen Sinn für Humor." Das legen zumindest Studien des holländischen Primatenforschers Frans de Waal nahe. Er konnte nachweisen, dass Empathie und Altruismus Aspekte des evolutionären Prozesses sind, die sowohl für Menschen als auch für Tiere wichtig sind.

Die Kreaturen sind uns also im Kern erstaunlich ähnlich. Wissenschaftler warnen trotzdem vor einer allzu großen Vermenschlichung. "Tiere haben mit Sicherheit Gefühle, aber wohl ganz andere als wir", meint Dirk Steffens. "Den Fehler, unsere Empfindungen einfach auf sie zu übertragen, dürfen wir nicht machen."


Senderhinweis: ''Terra X: Supertiere Dicke Freunde''

Teil 1 des Dreiteilers über Tierphänomene mit Dirk Steffens
SO, 13.1., ZDF, 19.30 Uhr

Autor: Thomas kunze

Themen

Der Klick auf eine Kategorie führt Sie zur Übersicht aller passenden Einträge.

Anzeige