Tiere
Umweltaktivist Paul Watson hat allen Walfängern den Kampf angesagt.

Umweltaktivist Paul Watson hat allen Walfängern den Kampf angesagt. / Foto: © epa-Bildfunk

TV-Serie ''Whale Wars''

Paul Watson - der Retter der Wale

  • Artikel vom 10. Februar 2013

Zuerst ist es nur ein Schatten auf dem Radar. Doch der vage Umriss entpuppt sich schnell als gefährlicher Gegner. Die ''Steve Irwin'', das Boot der Tierschützer, wird von einem Sicherheitsschiff der japanischen Regierung verfolgt, der ''Shonan Maru 2''. "Sie soll uns nicht in die Nähe des Schiffes ‚Nisshin Maru‘ kommen lassen, denn das ist ein schwimmendes Riesenschlachthaus für Wale", sagt Paul Watson, Kapitän der "Steve Irwin" und Gründer der militanten
Meeresschutzorganisation Sea Shepherd Conservation Society.

Watson läuft die Zeit davon: Seine Leute wollen die japanische Walfangflotte aufhalten, die alljährlich im Südpolarmeer Jagd auf rund 1000 Zwerg-, Finn- und Buckelwale macht, angeblich im Dienst der Forschung. "Aber das ist Blödsinn", erklärt Watson. "Seit 1986 wurde in Japan kein einziger wissenschaftlicher Artikel gedruckt – trotz 20.000 gefangener Wale." Seine Schutzorganisation beruft sich auf internationale Gesetze: 1986 wurde der kommerzielle Walfang weltweit verboten und 1994 im Südpolarmeer sogar eine Walschutzzone eingerichtet, die nur die Jagd zu Forschungszwecken erlaubt.

Um das japanische Schiff loszuwerden, legen Speedbootfahrer aus Watsons Crew Spezialleinen aus, die die Schiffsschrauben der Japaner bremsen sollen. Zudem verstopfen sie vom Schlauchboot aus die Drainagelöcher am Rumpf der "Shonan Maru 2", damit deren Motor überhitzt. Doch die Japaner sind vorbereitet. Sie setzen Wasserwerfer ein, werfen Enterhaken auf Boot und Crew, zerstören viel Ausrüstung. Die einzige Waffe, die den Sea Shepherds bleibt, ist ihre Kamera. Wie immer filmen sie ihre Aktion.

Zu sehen sind die aufrüttelnden Bilder in der Serie "Whale Wars", die im Kanal Animal Planet des Pay-TV-Anbieters Sky läuft, bald aber auch auf DMAX zu sehen sein soll (Informationen auf www.dmax.de). "Die mächtigste Waffe der modernen Welt ist die Kamera", so Watson zu HÖRZU.

Das Schiff Steve Irivn

Das Schiff ''Steve Irvin'' - mit Piratenflagge / Foto: © epa-Bildfunk

Der erfahrene Kapitän mit dem schlohweißen Bart wuchs in einem Fischerdorf an der Ostküste Kanadas auf. Schon als Kind zerstörte er Biberfallen, arbeitete später für die Küstenwache, studierte Kommunikationswissenschaften und zählte zu den zehn ersten Mitgliedern von Greenpeace. Als ihm die Umweltorganisation zu zahm wurde, gründete er 1977 Sea Shepherd (übersetzt: Seehüter), eine Vereinigung freiwilliger Aktivisten, die mit spektakulären, nicht immer legalen Mitteln für den Schutz der Meeresbewohner eintritt.

Oberstes Gebot bleibt aber auch für Watson: "Wir wollen niemanden verletzen und haben dies in 35 Jahren nie getan. Deshalb setzen wir Stinkbomben, Farbe und Wasserwerfer ein. Auch keines unserer Mitglieder wurde je ernsthaft verwundet." Was Watson allerdings fordert, ist absolute Hingabe. Wer Mitglied werden will, wird gefragt, ob er sein Leben für die Wale riskieren würde. "Andere riskieren ihr Leben für eine Flagge, Ölfirma oder Religion", so Watson. "Ich finde es edler, es für bedrohte Arten zu riskieren. Wenn die Ozeane sterben, sterben wir alle."

Unter dieser Parole läuft auch der Einsatz im Südpolarmeer: Um sich von dem japanischen Regierungsboot zu lösen, nimmt Watson Kurs auf Australien. Drei Freiwillige, die von dort stammen, sollen bei Nacht an Bord des Verfolgers gehen und einen diplomatischen Vorfall provozieren. Hintergrund: Sind Australier auf ihrem Schiff, dürfen die Japaner die Gewässer nicht ohne Weiteres verlassen. Reagiert die australische Regierung jedoch nicht wie kalkuliert, droht den Enterern in Japan Haft.

Watsons Leute warten eine Nacht ab, in der Wolken den Vollmond verdecken. Dann starten zwei Speedboote von der "Steve Irwin" Richtung "Shonan Maru 2". Auf halbem Weg meldet eines der Boote Motorschaden. "Bringt die Mission zu Ende", befiehlt Watson. Ein Boot fährt weiter. Das Achterdeck der "Shonan" ist bewacht, mit Stacheldraht gesichert. Gibt es eine Lücke? Bange Minuten. Eine Wackelpartie im Auf und Ab der Wellen.

Doch dann finden die Aktivisten ein Loch im Stacheldraht und klettern an Deck, bevor ein japanischer Soldat Alarm schlagen kann. Die Nachricht löst auf der "Steve Irwin" Jubel aus. Nun kann sie ungestört Kurs auf die Antarktis nehmen, wo die japanische Fangflotte Jagd auf Wale macht.

Die Japaner haben einen Zwergwal erlegt

Die Japaner haben einen Zwergwal erlegt. / Foto: © dpa

Die "Shonan" braucht einige Tage, um die "blinden Passagiere" loszuwerden. Nach diesem Coup, der den Sea Shepherds im Januar 2012 gelingt, fährt die "Steve Irwin" mit einem Schwesterschiff weiter Störmanöver gegen die japanische Walfangflotte, die aus drei Harpunen-, drei Sicherheits- und einem Fabrikschiff besteht. Am Saisonende im März haben die Japaner 266 Zwergwale und einen Finnwal getötet – nur 26 Prozent ihrer Quote. "Ein Erfolg für uns, aber immer noch 266 Wale zu viel", bilanziert Watson kämpferisch.

Der Kapitän dankt ab

Gerade hat die Walfangsaison 2013 begonnen. Vier Shepherd-Schiffe mit 120 Freiwilligen aus 24 Nationen sind auf Konfrontationskurs. Doch etwas ist anders als in den Jahren zuvor: Paul Watson, Herz, Motor und Präsident der Sea Shepherds, trat im Januar von wichtigen Posten und als Kapitän der "Steve Irwin" zurück. Ein Paukenschlag.

Hintergrund: Japan und Costa Rica haben wegen Gefährdung ihrer Schiffe Haftbefehl gegen Watson erlassen. Im Mai 2012 wurde er zudem in Deutschland verhaftet, aber auf Kaution freigelassen. Er floh außer Landes. Im Dezember meldete er sich von Bord der "Steve Irwin" vor Neuseeland zurück. Ob und wo er
wieder an Land gehen wird, ist unklar. Zudem hat ein US-Gericht angeordnet, dass er zu japanischen Schiffen 500 Yards (457 Meter) Abstand halten muss.

"Der Rücktritt war ein strategischer Zug und meine Idee", erklärt Watson. "Die Aktionen werden nun von unserer australischen Sektion geleitet." Der Tiger unter den Tierschützern hat seine Titel verloren, aber nicht seine Zähne. Er kündigt an: "Ich bleibe als Beobachter an Bord und schreibe ein Buch." Sein Titel? "Whale Wars" – Walkriege.

Autor: Dagmar Weychardt

Themen

Der Klick auf eine Kategorie führt Sie zur Übersicht aller passenden Einträge.

Anzeige