Tiere
Hannes Jaenicke
Zur Bilderstrecke

Schauspieler Hannes Jaenicke kümmert sich in seiner neusten Doku über bedrohte Tierarten um die Gorillas Zentralafrikas. - Foto © ZDF / Martina Scheingraber

Tierschützer Hannes Jaenicke

"Rettet die Berggorillas!"

  • Artikel vom 12. Oktober 2010

Wenn Jolande lacht, staunen alle Besucher: Das 14-jährige Berggorilla-Weibchen zeigt die gleiche Mimik wie wir Menschen! Beim Husten hält sie artig die Hand vor den Mund. Morgens küsst sie sanft ihre drei Töchter. Und wenn Schüsse durch den Urwald im Osten der Demokratischen Republik Kongo peitschen, versteckt sie sich ängstlich hinter einem Baum. Die Gene von Berggorillas stimmen zu 90 Prozent mit den menschlichen überein. Doch im Gegensatz zu uns gehört Jolande zu einer bedrohten Art: Nur noch 720 Primaten ihrer Art gibt es auf dem Planeten. Haben sie eine Überlebenschance? Um das herauszufinden, reiste der Schauspieler und Tierschützer Hannes Jaenicke im Mai 2010 in die Regenwälder Zentralafrikas. Seine Erlebnisse schildert er in einer bewegenden TV-Doku – und hier vorab exklusiv in HÖRZU.

Tag 1: Ankunft in Afrika
Ich lande im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Immer wieder gibt es in dieser Region Unruhen. Seit Jahren tobt hier einer der grausamsten Bürgerkriege des Kontinents. Jedes Kind weiß, wie man mit einer Waffe umgeht.

Tag 2: nahe Goma
Wir wollen weiter in den Regenwald. Der beginnt schon nahe der Stadt Goma, einer stark umkämpften Region. Unser Ziel im Urwald ist der Virunga-Nationalpark, Heimat der letzten Berggorillas. Die streng bewachte Schutzzone bietet nicht nur den Riesenaffen Deckung, sondern auch kriegerischen Rebellengruppen, die um Rohstoffe wie Holz, Gold und das Erz Coltan kämpfen. Artenschutz kann hier ein tödlicher Job sein.

Tag 3: Im Virunga-Nationalpark
Schon um halb fünf Uhr morgens breche ich mit den Rangern auf. Wir wollen zum Gorilla-Sektor vorstoßen. Jeder Ranger ist bewaffnet – aus gutem Grund. In den letzten 14 Jahren wurden 130 von ihnen getötet, erzählt mir Parkdirektor Emmanuel de Merode. Kein anderer Nationalpark der Welt hat so viele Verluste zu verzeichnen. Die Ranger sind wahre Helden: Täglich setzten sie für den Schutz der Natur ihr Leben aufs Spiel. Heute suchen wir gemeinsam die größte Gorilla-Familie im Park: den Clan des Silberrückens Kabirizi. Doch wir finden nur Spuren von Wilderern. Vor uns hängt eine Drahtschlinge an einem Ast, für das Auge fast unsichtbar. Immer wieder verheddern sich Tiere in so einer mörderischen Falle. Heute ist sie Gott sei Dank leer. Wir sind rechtzeitig gekommen. Vor einem Monat hatte das Gorilla-Baby Nsekanbo nicht so viel Glück. Der Draht zerschnitt sein Gesicht, es starb an seinen Verletzungen. Eine Tragödie! Da der Bestand der Gorillas auf 720 geschrumpft ist, muss man um jedes einzelne Tier kämpfen!

Tag 4: Die Begegnung
Unsere Suche nach den Riesenaffen geht weiter. Überall finden wir jetzt ihre Spuren: abgerupftes Baumwerk, tiefe Schneisen im Gras, Nester. Alle wissen, dass wir den Tieren jetzt sehr nahe sind. Auf Ranger Johns Geheiß setze ich eine sterile Atemmaske auf. Gorillas sind nämlich äußerst anfällig für menschliche Krankheiten. Der kleinste Husten kann sie anstecken – und lebensgefährlich für sie werden. Dann ist er plötzlich da, der große, sehnsüchtig erwartete Augenblick: meine erste Begegnung mit Berggorillas in freier Natur! Keine zwei Meter von mir entfernt thront ein Männchen, ein riesiger Schwarzrücken. Ein anrührender Moment – aber auch ein Respekt einflößender. Wie immer nutzen die Ranger die Chance, um die Tiere der Gruppe zu zählen und jedes einzelne akribisch zu registrieren. Sie machen dabei eine aufregende Entdeckung: Die Kabirizi-Familie hat Nachwuchs bekommen! 34 Tiere gehören jetzt zum Clan. Das Neugeborene wird sorgsam inspiziert. Alles in Ordnung. Ein Hoffnungsschimmer! Bei einer derart bedrohten Art ist jedes gesunde Jungtier ein großer Grund zur Freude!

Foto Flashbühne © ZDF / Martina Scheingraber
Fotos Bilderstrecke © ZDF / Martina Scheingraber

Autor: Hannes Jaenicke

Anzeige