Ein Physiotherapeut und Teamarzt Dr. Klaus Gerlach laufen zum Einsatzort. / Foto © dpa Picture-Alliance
Topfit sein, im Spiel alles geben, bis an die Grenzen gehen, oft auch darüber hinaus. Und nach Verletzungen oder bösen Fouls sofort wieder einsatzfähig sein. Das ist der Auftrag an die Nationalspieler zur Fußball-WM in Südafrika. Und an ihren medizinischen Stab um Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. Da die Truppe um Schweinsteiger, Klose und Podolski durch Unfälle im Vorfeld geschwächt ist – Kapitän Ballack fehlt wegen Innenbandrisses, Torhüter Adler wegen Rippenbruchs –, darf keiner mehr ausfallen. Gut, dass die Sportärzte wahre Wundertricks beherrschen.
-----------------------------------------------------------------------------------------------
Lesen Sie auch...
Der große Selbsttest: 10 Übungen für zu Hause
Die besten Lebensmittel für die Gesundheit
Nahrungsmittel: die 30 besten Fitmacher
-----------------------------------------------------------------------------------------------
Während der Fußball-WM 2006 gab es laut Fifa pro Match im Schnitt 2,3 Verletzungen. In 35 Prozent aller Fälle ist die Muskulatur betroffen. "Am häufigsten sind Muskelverhärtungen, so genannte Muskelzerrungen und Muskelfaserrisse", so Müller-Wohlfahrt, Mannschaftsarzt des FC Bayern und des deutschen Nationalteams sowie Mitherausgeber des neuen Fachbuchs "Muskelverletzungen im Sport" (Thieme Verlag). "Dabei erhöht die unmittelbare Erstversorgung deutlich die Chancen auf einen zügigen Heilungsprozess, eine rasche Wiederaufnahme des Trainings und die erfolgreiche Teilnahme an Wettkämpfen."
Ideale Sofortmaßnahme bei Muskelverletzungen ist die Kühlung. Am besten geeignet ist dafür ein mit Eiswasser getränkter Schwamm, der für gut 20 Minuten um die betroffene Stelle gewickelt wird. Danach entlastet man die Muskeln durch einen Verband und lagert die lädierte Körperpartie hoch. Beides kann Einblutung und Entzündung hemmen oder sogar verhindern – und so die Heilung beschleunigen.
Bei der Diagnose vertraut Müller-Wohlfahrt vor allem seinem Fingerspitzengefühl: Der betroffene Muskel wird abgetastet, um klar zwischen Verhärtung und Faserriss zu unterscheiden. Eine Verhärtung kann in ein bis drei Tagen auskuriert sein, ein Muskelfaserriss braucht mindestens eine Woche, oft sogar zwei.
"Entscheidend ist eine schnelle, präzise Diagnose", bestätigt auch Dr. Klaus Gerlach, Teamarzt des FSV Mainz 05. "Im Adrenalinstress nehmen die Spieler leichte Verletzungen kaum wahr. Im Wettkampf steckt ein Kicker viel weg: Dann werden etwa Platzwunden schon mal ohne Betäubung getackert oder verbunden und erst in der Halbzeit oder nach dem Spiel intensiv versorgt."
Auf den ersten Blick sind die Tricks der WM-Ärzte simpel: Kühlung, funktionelle Verbände zur Entlastung, Globuli gegen die Schmerzen – schon kehrt der Spieler in null Komma nichts auf den Rasen zurück. Den Medizinern gelingt es manchmal sogar, einen verklemmten Meniskus oder ein verdrehtes Band rasch wieder in Position zu bringen. Allerdings bedeuten schwere Verletzungen etwa am Meniskus oder an den Bändern selbst für einen Profi das Aus. "Hier ist der Arzt dann gefordert, die Verletzung nicht weiter aufbrechen zu lassen", sagt Dr. Gerlach. "Bänderdehnungen können im Lauf eines WM-Turniers unter optimaler Therapie aber schon nach acht bis zehn Tagen abheilen."
Zu den berühmtesten Blitzheilungen zählt jene von Jürgen Klinsmann bei der EM 1996. Der damalige DFB-Kapitän zog sich im Viertelfinale gegen Kroatien einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zu. Eine Woche später war er im Endspiel gegen Tschechien dabei – und wurde mit dem Team Europameister. Heilung über Nacht? "Es gibt keine Wunder im Heilungsprozess eines Sportlers", sagt Gerlach. "Das Erfolgsrezept: Die Therapie beginnt unmittelbar nach der Verletzung mit physiotherapeutischen Maßnahmen wie etwa Lymphdrainage noch in der Kabine. Die Diagnostik läuft parallel, im Prinzip über Nacht. OP-Termine müssen kurzfristig koordiniert werden."
Neben schneller Erstversorgung und Diagnose profitieren die Top-Athleten bei der Weltmeisterschaft vor allem von der täglichen Behandlung durch erstklassige Physiotherapeuten, Masseure und Rehabilitationstrainer. Dr. Müller-Wohlfahrt: "Dementsprechend sind Profisportler in der Regel heute auch wesentlich schneller wieder voll einsatzbereit."
Verletzt! Was nun? Hier von Experten die 10 besten Tipps für die Selbstbehandlung
Autor: Anja Matthies
Der Klick auf eine Kategorie führt Sie zur Übersicht aller passenden Einträge.