Psychologie
Auch Töpfern kann eine Art Meditation sein.

Auf dem Weg zu mehr Gelassenheit: Auch Töpfern kann eine Art Meditation sein. - Foto © picture-alliance / beyond/Vladim

Sechs Strategien

Wege zu mehr Gelassenheit

  • Artikel vom 08. Januar 2013

Gelassenheit, das ist dieser wunderbare Zustand der inneren Ruhe und des seelischen Friedens. Wer gelassen ist, begegnet den Menschen mit Milde und beherrscht die Kunst der Geduld. Er weiß um Fehler und Mängel – bei sich selbst, bei anderen, in aller Welt – und kann gut damit leben. Gelassen zu sein, das bedeutet auch, loslassen zu können. Sich von Menschen, Dingen, Zuständen oder Gedanken zu lösen, die einem nicht guttun.

Auf dem Weg zu mehr Gelassenheit sollten wir nicht nur unser Denken ändern, sondern den Körper, den Geist und die Seele gleichermaßen einbeziehen. Wie das geht, erklärt hier Dr. med. Oliver Urban, Fachmann für Psychosomatik, Heilpraktiker für Psychotherapie sowie Inhaber und Leiter einer Heilpraktikerakademie mit fünf Schulungszentren in ganz Deutschland (www.dhpa.de).

Meditation – auf 1000 Arten

Meditation wird oft missverstanden: Viele Menschen denken, man müsse dabei stillhalten. Tatsächlich beschreibt der Begriff einen Zustand, in dem man sich von allen Gedanken löst. Beim Meditieren befindet man sich ganz und gar im Hier und Jetzt. Was war, was kommt, was anderswo passiert – für einen Moment ist das alles egal. Manche Menschen erreichen diesen Bewusstseinszustand durch Yoga oder stilles Innehalten. Andere durch Gesang, Malen oder lange Spaziergänge. Auch Sport kann eine Art Meditation sein – von asiatischen Kampfkünsten wie Tai-Chi oder Qigong bis hin zu Ausdauertraining wie Jogging oder Radfahren.

Aber Achtung: Wer sich heftig überwinden muss, um Yoga zu machen, oder wer Dauerlauf als Qual empfindet, wird dadurch auch keine Meditation erreichen. Viel sinnvoller kann es dann sein, beispielsweise mit der Miniatureisenbahn zu spielen oder Briefmarken zu sammeln. Hauptsache, man geht vollkommen auf in dem, was man gerade tut, empfindet tiefe Zufriedenheit und innere Ruhe.

Gute Gedanken

Eine bewährte Methode zur Vermeidung von akutem Stress: Erinnern Sie sich in ruhigen Momenten an eine Situation, in der Sie sich glücklich und entspannt fühlten. Malen Sie vor Ihrem inneren Auge ein ganz plastisches Szenenbild, drücken Sie dabei Zeigefinger und Daumen aneinander. Wiederholen Sie die Übung mehrmals täglich. Bald wird das innere Bild nicht mehr nötig sein – es reicht, die Finger aneinanderzudrücken, um Glück und Entspannung zu fühlen. Nach einiger Zeit funktioniert die Technik auch in Situationen, die früher zu Stress führten. Statt Anspannung entsteht dann Gelassenheit.

Farben, Tees & Düfte

Blau wie der Himmel, grün wie eine Wiese: Das sind die Farben der Ruhe, sie fördern Entspannung und Gelassenheit. "Deshalb sind fast alle Beruhigungstabletten blau oder grün gefärbt", erklärt Dr. Urban. Übertragbar ist das auch auf Kräuter und Düfte: Die blauen Blüten des Lavendels verbreiten einen beruhigenden Duft. Seine Inhaltsstoffe, das zeigen aktuelle Studien, wirken tief, entspannen, lösen Ängste und verbessern den Schlaf (z. B. "Lasea", Apotheke). Auch Ringelblumen- oder Baldriantee verhilft zu mehr Ausgeglichenheit.

Keine Perfektion

Fast alle Menschen, die unter seelischer Unausgeglichenheit oder Erschöpfungszuständen leiden, neigen zum Perfektionismus. Übertriebene Ansprüche an sich selbst können sogar eine Ursache für Depressionen sein. Deshalb ist es wichtig zu akzeptieren: Niemand muss oder kann alles hundertprozentig machen. Zwar haben Leistung und Konkurrenz in unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert – doch die größten Erfolge feiern nicht die fleißigsten und penibelsten Menschen, sondern eher diejenigen, die Prioritäten setzen.

Eine neue Zeitplanung

Wir sind es gewohnt, so viele Aufgaben und Termine wie möglich in jeden Tag zu pressen. Doch Zeitdruck führt bei den meisten Menschen zu Anspannung. Ein sinnvoller Tagesplan sieht für jede Tätigkeit etwas mehr Zeit vor als eigentlich nötig. So bleiben wir auch dann gelassen, wenn Verzögerungen eintreten, etwa weil die Bahn Verspätung hat oder ein Freund Trost braucht. "Falls doch alles glatt läuft und ich dadurch Zeit im Überfluss habe, nutze ich sie zum Meditieren", sagt Dr. Urban.

Beratung & Kurse

Brauche ich mehr Bewegung oder Ruhe? Bin ich Perfektionist? Stresst mich Zeitdruck, oder spornt er mich an, etwas zu leisten? Die wichtigste Etappe auf dem Weg zur Gelassenheit ist diejenige, in der man seine Bedürfnisse kennenlernt. Vielen Menschen tut es gut, dabei Hilfe in Anspruch zu nehmen. Oft reichen schon zwei bis drei Termine bei einem erfahrenen Coach.
Vorsicht: Die Bezeichnung "Psychologischer Berater" ist nicht geschützt, jeder darf sich so nennen. "Heilpraktiker für Psychotherapie" haben dagegen eine Prüfung abgelegt. Auch Gruppenseminare – etwa an der Volkshochschule – können sehr hilfreich sein.

Autor: Nele-Marie Brüdgam

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