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Gesundheit
Volkskrankheit Osteoporose: Neue Studien zeigen, was Knochen & Gelenke schützt.

Volkskrankheit Osteoporose: Neue Studien zeigen, was Knochen & Gelenke schützt. / Foto © Margarita Borodina / polylooks.de

Mit HÖRZU-Experte Prof. Reiner Bartl

Osteoporose: Neue Studien geben Hoffnung

  • Artikel vom 02. Mai 2010

Endlich kommt Hilfe. Und zwar von ganz oben. Studien der Weltraumforschung könnten jetzt auch jenen sieben Millionen Deutschen zugutekommen, die an Osteoporose leiden. Sie belegen nämlich: In der Schwerelosigkeit werden die Knochen von Astronauten porös. Diesen Prozess könnte allerdings ein neuartiges Vibrationstraining stoppen.

Derzeit läuft an der Berliner Charité dazu ein interessantes Experiment: die "Bettruhestudie". 24 Testpersonen verbrachten dafür 60 Tage liegend im Bett, um den Zustand der Schwerelosigkeit zu simulieren. Sechs von ihnen trainierten dabei auf der neu entwickelten Metallplattform "Space Galileo" ihre Muskulatur. Mit diesem Vibrationsgerät können in nur vier Minuten so viele Muskelzyklen aus An- und Entspannung erzeugt werden wie bei einem Mittelstreckenlauf. "Mehrere Studien zeigen, dass sich die Vibrationsmethode auch positiv auf Osteoporose auswirken kann", sagt Studienkoordinator Dr. Daniel Belavy. "Exakte Ergebnisse werden aber erst in drei Monaten vorliegen."

Wissenschaftler am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt Köln testen zudem, ob Knochenschwund durch Kaliumbikarbonat gestoppt werden kann. Die zweite Studienphase beginnt im Sommer. Projektleiterin Dr. Petra Frings-Meuthen: "Erst dann können wir konkrete Aussagen über die Wirksamkeit des Nahrungsergänzungsmittels machen."

Die Schmerzen stoppen

Die Forschung zu Knochen- und Gelenkkrankheiten macht hoffungsvolle Fortschritte. Eine, die davon profitieren könnte, ist Birgit Eichner (63), Präsidentin des Bundesselbsthilfeverbandes Osteoporose (www.osteoporose-deutschland.de) und seit zehn Jahren selbst betroffen. Der erste Wirbel brach, als die Sekretärin auf ihrem Bürostuhl saß und sich nur kurz umdrehte: "Plötzlich schoss ein stechender Schmerz in meinen Rücken." Vor zwei Jahren brach der zweite Wirbel: "Als ich mich gerade übers Waschbecken beugte." Osteoporose ist ein stiller Dieb, nagt an den Knochen, höhlt sie langsam aus – ohne Warnung. Sie verrät sich erst, wenn die ersten Knochen bersten. Gefährdet sind vor allem Wirbelkörper, Schenkelhals, Speiche und Oberarmkopf.

"Jede dritte Frau und jeder fünfte Mann über 50 in Deutschland leiden unter Knochenschwund", sagt Prof. Reiner Bartl vom Münchner Osteoporosezentrum: "Man schätzt, dass etwa 40 Prozent aller Frauen einmal im Leben eine durch Osteoporose bedingte Fraktur erleiden." Die Krankheit sucht ihre Opfer nicht wahllos aus. "Wir kennen heute viele Faktoren, die sie auslösen", erklärt Prof. Bartl. Spätestens nach dem 30. Lebensjahr bauen die Knochen ab – durchschnittlich um ein Prozent pro Jahr. Durch den drastischen Abfall des Östrogenspiegels nach der Menopause verlieren Frauen zusätzlich bis zu vier Prozent Knochensubstanz pro Jahr. Es gibt aber auch familiäre Belastungen. Bartl: "Wie die Mutter so das Kind – das gilt vor allem bei Osteoporose."

Wie bei Jan (41), dem Sohn von Birgit Eichner. Als der Krankenpfleger einem Freund im Rollstuhl helfen wollte, brach eine Rippe. Seine Knochendichte lag bereits 50 Prozent unterhalb des Normwerts. Trotzdem hat Jan Eichner sich nicht unterkriegen lassen: "Die Osteoporose und ich – wir haben uns jetzt arrangiert."

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Autor: Susan Junghans-Knoll

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