Eiweiße aus Pollen von der Haselnuss können Heuschnupfen auslösen. Foto: © www.piqs.de / Singa, CC (Some rights are reserved.)
Es fängt ganz plötzlich an: Die Augen tränen, ein Niesanfall jagt den nächsten, rote Pusteln jucken auf der Haut. Rund 20 Millionen Menschen in Deutschland kennen diese Symptome. So viele Allergiker gibt es hierzulande nach Schätzungen von Dr. Martin Metz, Dermatologe am Allergiezentrum der Charité in Berlin. Tendenz steigend. "Das europäische Exzellenz-Netzwerk GALEN, ein Expertengremium für Allergie und Asthma, geht davon aus, dass bis zum Jahr 2015 jeder zweite Europäer betroffen sein wird“" sagt Metz. Sein Kollege Tilo Biedermann, Allergologe an der Universitäts-Hautklinik Tübingen, erläutert: "Einer der Gründe liegt vermutlich darin, dass wir uns immer seltener mit Bakterien und Viren herumschlagen müssen."
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Zehn Tipps, wie Sie Allergien vorbeugen können
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Früher waren wir viel häufiger Schädlingen und Krankheitserregern ausgesetzt. Lymphknoten, Milz, Thymus, Darm – alle Organe unseres Immunsystems, die Abwehrzellen bilden und verbreiten, mussten auf Hochtouren arbeiten, um die Eindringlinge in Schach zu halten. Nur so konnte unser Abwehrsystem überhaupt komplex und wirkungsvoll werden. Heute sind wir in der Lage, uns vor vielen Erregern zu schützen. "Das hat aber auch zur Folge, dass sich unser Immunsystem nicht mehr umfassend schulen muss." Allergien können sich so leichter entwickeln. Pollen, Hausstaub, Tierhaare, Nüsse, sogar Medikamente – mittlerweile kennen Wissenschaftler mehr als 20.000 unterschiedliche Stoffe, die im Körper Alarm auslösen können. Beim ersten Kontakt merkt der angehende Allergiker noch nichts. Doch das Immunsystem wappnet sich, indem es ein spezifisches Waffenarsenal in Form von Antikörpern ausbildet.
Beim zweiten Kontakt schießt die Abwehr dann weit über das Ziel hinaus: Die Antikörper docken massenhaft an Mastzellen an, die nun explosionsartig Botenstoffe wie Histamin freisetzen. Diese können typisch allergische Beschwerden auslösen, beispielsweise Juckreiz, Rötung und Schwellung oder sogar lebensbedrohliche Atemnot. Auf bestimmte Stoffe reagieren wir besonders schnell allergisch. "Birkenpollen etwa haben von Natur aus ein paar recht aggressive Eiweiße", so Biedermann. Um die männliche Erbinformation in die weibliche Blüte zu bringen, müssen diese Pollen den Stempel bildlich gesprochen aufschneiden. "Genau das Gleiche passiert auf der menschlichen Schleimhaut." So ein Angriff alarmiert unsere Abwehrkräfte.
Wieso verkraften gesunde Menschen den Kontakt mit Allergenen, während der Allergiker derart überreagiert? Experte Biedermann: "Allergiker entwickeln keine Toleranz gegenüber den an sich harmlosen Substanzen, ihr Immunsystem startet sofort durch." Dessen Aufgabe besteht eigentlich darin, schädliche Erreger abzuwehren, aber auch harmlose und wichtige Stoffe zu akzeptieren, etwa die Millionen Bakterien in unserem Darm. "Es ist kein Wunder, dass genau dort der größte Teil unseres Immunsystems sitzt." Wer im Lauf seines Lebens eine Allergie entwickelt, lässt sich nicht voraussagen. Auch wenn die Veranlagung vererbt wird, kann es letztlich jeden treffen. Dann heißt es, die Auslöser so gut wie möglich zu meiden. In vielen Fällen lassen sich die Symptome in Schach halten und mit einer Therapie manchmal sogar ganz unterdrücken. Medikamente wie Sprays, Tabletten und Augentropfen sowie Inhalationen können die Krankheit zwar nicht beseitigen, ihre Wirkstoffe aber lindern die Beschwerden.
Autor: Nicole Simon - Foto: © www.piqs.de / Singa, CC (Some rights are reserved.)
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