Gesunde Ernährung
Wer kann schon Süßem widerstehen?

Wer kann schon Süßem widerstehen? / Foto: © picture alliance/chromorange

Die süße Sucht

Wege aus der Zuckerfalle

  • Artikel vom 14. Januar 2013

Morgens ein Knuspermüsli, mittags das Schokodessert, nachmittags gesüßten Kaffee oder Tee, dazu noch Kekse oder Kuchen. Und am Abend der Griff zu den Gummibärchen – quasi nebenbei nehmen wir den ganzen Tag Zucker zu uns. Auch über Produkte, die nicht so süß schmecken, aber trotzdem Zucker in sich bergen: Eine Currywurst zum Beispiel enthält umgerechnet rund vier Stück Würfelzucker, eine Pizza Hawaii etwa sieben Würfel und eine Dose Pfirsiche rund zehn.

Die meisten Menschen essen nun mal gern süß, in welcher Form auch immer. Vielleicht, weil wir von klein auf durch die Süße des Fruchtwassers und der Muttermilch darauf eingestellt sind. Vielleicht auch, weil Süßes glücklich macht, entspannt oder tröstet. Wer nicht bewusst darauf achtet, greift darum auch schnell viel öfter zu, als es für den Körper gut wäre. Manche Experten vertreten bereits die These, dass man eine Sucht nach Zucker entwickeln kann und der Gaumen nach immer größeren Mengen verlangt.

Versteckte Kalorien

Dass Süßes Appetit auf mehr macht, ist wie ein gefundenes Fressen für die Nahrungsmittelindustrie. Sie verkauft ihre Produkte heute immer öfter fettarm, dafür aber zuckerreich – was gar nicht mal so auffällt, wenn die Süße in Worte wie Saccharose, Glucosesirup oder Fructose verpackt wird. Vergleichen Sie normalen Vollmilchjoghurt mit industriellem Vanillejoghurt: Das Naturprodukt enthält etwa vier Gramm Zucker pro 100 Gramm, der aromatisierte Joghurt gut viermal so viel.

Die Folgen für die Verbraucher sind bekannt: Ganze Nationen werden immer dicker. Nicht nur, weil sie sich wenig bewegen oder zu fett essen. Nein: Forscher glauben, dass es vor allem am hohen Zuckerkonsum liegt.

Abhilfe verspricht da seit einigen Monaten der kalorienfreie Süßstoff aus der Pflanze "Stevia rebaudiana". Das weiße Pulver wird durch ein chemisches Verfahren gewonnen, taucht auf Zutatenlisten als E 960 auf und wird inzwischen unter anderem in Milchprodukten, Konfitüren und Süßigkeiten verarbeitet. Auch zum Kochen und Backen ist es geeignet. Das kann ein paar Kalorien einsparen – allerdings enthalten die meisten industriellen Steviaprodukte trotzdem weiterhin Kristallzucker.

Dies kann einerseits damit zusammenhängen, dass die Expertenkommission für Lebensmittelzusatzstoffe höchstens vier Milligramm Stevia täglich pro Kilo Körpergewicht empfiehlt, andererseits kann es auch am leicht stumpfen, metallischen Nachgeschmack des Süßstoffs liegen.

Gegen die süße Sucht

Einen solchen Nachgeschmack kennt man auch von synthetischen Süßstoffen wie Saccharin oder Aspartam, die außerdem in der Kritik stehen, weil manche von ihnen Magen-Darm-Probleme verursachen oder gar krebserregend sein können. Gesünder sind natürliche Alternativen zum Süßen – und noch besser wäre es, die Gier nach Zucker insgesamt zu reduzieren.

Zum Beispiel, indem man Süßigkeiten nicht mehr maßlos direkt aus der Packung isst, sondern abgezählt auf einen Teller legt und dann jede einzelne bewusst genießt. Indem man mal Obst statt Schokolade nascht. Oder indem man süße Angewohnheiten verändert: Vielleicht schmecken beim Fernsehen ja auch Gemüsesticks oder Kaffee und Tee mit etwas weniger Zucker


Ahornsirup

Ahornsirup schmeckt lecker zu Pancakes. / Foto: © picture alliance/Beyond

Acht natürliche Alternativen zum Haushaltszucker:

Honig ist süßer als Zucker, kann darum sparsamer eingesetzt werden. Verfeinert etwa Tee, Dressings und Marinaden.

Agavendicksaft süßt wie Zucker, ist aber kalorienärmer und schmeckt neutral. Passt in Getränke, Konfitüre, Backwaren.

Zuckerrübensirup Seine herbe Süße erinnert an Malz. Schmeckt gut in Müsli, Joghurt oder zu Pfannkuchen.

Ahornsirup Schmeckt leicht nach Karamell, süßt stärker als Zucker. Lecker zu Pancakes, Eis, Müsli, Joghurt.

Thaumatin Natürlicher Süßstoff aus dem Samen des Katamfe-Strauchs. Zerfällt bei Hitze, nur für kalte Süßspeisen.

Luo Han Guo Das "chinesische Stevia" aus der Arhat-Frucht (Asialaden) süßt etwa Kaffee, Tee und Gebäck.

Erythrit Kalorienfrei, aber nicht wasserlöslich. Ist als "Sukrin" im Reformhaus zu finden.

Xylit Zuckerersatz zum Backen, Kochen, für Desserts. Größere Mengen wirken abführend.

Autor: Melanie Schirmann

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