Gesund leben
Ihre Lieblingsgeschichte wollen Kinder immer wieder hören.

Ihre Lieblingsgeschichte wollen Kinder immer wieder hören und erinnern sie oft noch als Erwachsene. / Foto: © picture alliance/Bildagentur-online pixel

So steigern Sie Ihren IQ

Training und optimale Ernährung fürs Gehirn

  • Artikel vom 15. Januar 2013

Bestimmte Dinge brennen sich förmlich ins Gehirn ein. Das Lieblingslied aus Jugendjahren zum Beispiel. Hundertfach gehört, kann man es noch Jahrzehnte später problemlos mitsingen. Dahinter steckt ein einfaches Prinzip: Je öfter Dinge wiederholt werden, desto stärker prägen sie sich ein. Das gilt für Vokabeln übrigens ebenso wie für Unwahrheiten. Ein Satz, den viele erinnern, lautet: "Wir nutzen nur zehn Prozent unseres Gehirns." Einstein soll ihn gesagt haben. Doch er stimmt nicht! "Damals gab es noch gar keine Messverfahren, die solch eine Aussage hätten stützen können", sagt Dr. Siegfried Lehrl von der Gesellschaft für Gehirntraining in Erlangen.

Während wir oft gehörte Halb- oder Unwahrheiten speichern, vergessen wir manches schon am selben Tag. "Würden nicht ab und zu Dinge über Bord fallen", so Experte Lehrl, "würden wir unsere Orientierung verlieren." Das tägliche Vergessen schützt davor, dass die Festplatte im Gehirn überladen wird – und überquillt. Die Informationsfülle ist auch der Grund, warum wir im Alter schlechter lernen und uns vieles nicht mehr so leicht einfällt. "Ältere haben schon viel mehr erlebt als junge Menschen. Sucht man eine Information, dauert es daher länger, sie wiederzufinden", erklärt Lehrl.

Überhaupt empfiehlt der Experte, nicht zu hohe Ansprüche an den eigenen Kopf zu stellen! "Wir behalten nun mal nicht so viel, das ist normal." Schlimm wird es, wenn jemand perfekt sein möchte. "Dadurch entstehen dann Zweifel – und die unterdrücken die Erinnerung zusätzlich", so Lehrl. Überhaupt ist es gar nicht entscheidend, welches Quantum im Kopf gespeichert wird, sondern wie die Informationen organisiert sind. „"Es ist wichtig, den Arbeitsspeicher fit zu halten. Dazu gehört die Menge der Daten, die wir aufnehmen und abrufen können, aber auch die Geschwindigkeit, mit der wir Fakten finden."

Manche Menschen trainieren ihr Gedächtnis täglich ganz nebenbei im Job. Lehrl: "Wer bei der Arbeit immer schnell Wissen abrufen muss, Neues verarbeitet und auch noch schnell reagieren muss, fordert seinen Kopf so sehr, dass zusätzliches Gedächtnistraining überflüssig wird. Wer dagegen seinen Job verliert oder in Rente geht und deshalb weniger gefordert wird, riskiert, dass Hirnkapazitäten verloren gehen."

Denn genau wie bei einem Muskel gilt auch für unser Gedächtnis das Motto: Use it or loose it. Also: Nutze es oder verliere es. Der Verlust tritt sogar schon dann ein, wenn wir nur kurz in eine Situation geraten, die unser Denken kaum herausfordert. Etwa wenn wir für eine Weile ins Krankenhaus müssen. Zwar kann dadurch der Intelligenzquotient tatsächlich in den Keller rutschen. Aber genauso, wie er hinunterrauscht, geht er auch wieder hoch, wenn man sein Gehirn aktiv trainiert oder spannende Lebensumstände den Kopf herausfordern.

Aber nicht nur knifflige Aufgaben oder Situationen machen uns intelligenter. Auch Ernährung oder Bewegung spielt eine Rolle dabei, ob wir schnell und schlau oder langsamer und dümmer reagieren.

Ernährung

Fakt ist: Unser Gehirn verbraucht 20 bis 25 Prozent unserer gesamten Energie. Hunger und eine schlechte Versorgung mit Vitalstoffen verursachen daher echte Denkaussetzer. Fast jeder hat das schon einmal erlebt. Wenn der Magen knurrt, kann man keine komplizierten Aufgaben lösen. Auch wer eine Diät macht, fastet oder sich nur von Fast Food ernährt, handelt ebenfalls eher dumm.

Karotten machen schlau

Karotten machen schlau. / Foto: © picture alliance/Bildagentur-online

Schlaue Esser bauen den richtigen "Treibstoff" in ihren Speiseplan ein. Dazu gehören zum Beispiel die B-Vitamine. Allen voran das Vitamin B12, mit dem besonders ältere Menschen oft nicht optimal versorgt sind. Ein Symptom, das auf einen Mangel hindeutet, ist übrigens Gedächtnisschwäche. Über die Ernährung lässt sich der Stoff, der uns schlau macht, ausgleichen – etwa durch Kalbsleber, Miesmuscheln oder Lachs.

Weitere B-Vitamine stecken in Bierhefe, Naturreis, Gerste und Couscous. Lachs und weitere fette Seefische wie Makrelen, Sardinen oder Räucherheringe sollten ohnehin öfter auf den Teller kommen. Deren Omega-3- Fettsäuren schmieren förmlich unsere grauen Zellen. Studien zeigen, dass die gesunden Fette unsere Konzentration erhöhen. "Die Omega-3-Fettsäuren halten die Membranen zwischen den Nervenzellen flexibler", erklärt der Erinnerungs-Experte Siegfried Lehrl.

Viele Alterserscheinungen, und nicht nur äußerliche wie Falten, schreiben Wissenschaftler dem Einfluss zellschädigender freier Radikale zu. Inzwischen wissen die Forscher aber auch, was dagegen hilft. Lebensmittel, die viele Antioxidantien enthalten, mildern die Wirkung der freien Radikale. Die Vitamine A, C und E schützen die Zellen. Wer gerade gestresst ist, länger krank war oder Probleme mit dem Gedächtnis hat, sollte daher verstärkt zu frischem Obst und Gemüse greifen.

Auch Pflanzenfarbstoffe gehören zu den antioxidativ wirkenden Substanzen. Beeren etwa strotzen geradezu vor zellschützenden Inhaltsstoffen. Da diese Substanzen sehr stabil sind, kann man entspannt zu Tiefkühlware greifen, wenn gerade keine Beerenzeit ist. Tipp: Als Beilage sollte man öfter mal eine gute Portion Möhren, Kürbis oder Süßkartoffeln nehmen!

Auch kleine Veränderungen helfen unserer Erinnerung! Da unser Körper, je älter er wird, Nährstoffe fortschreitend schlechter aufnimmt, hilft es ebenfalls, das Essen gut durchzukauen. Wer jeden Bissen 20- bis 30-mal kaut, trägt dazu bei, dass der Körper wichtige Vitalstoffe besser aufnehmen kann.

Auch Hilfe aus der Natur hat sich bewährt, etwa ein Wirkstoff des Ginkgobaums. Eine neue mehrjährige Studie, die unter anderem von Forschern der Universität Toulouse durchgeführt wurde, belegt, dass der Ginkgo-biloba-Extrakt EGb 761 (z. B. "Tebonin", Apotheke) eine vorbeugende Wirkung gegen die Entstehung von Demenz des Alzheimer-Typs besitzt. Zudem soll der Wirkstoff, wie ältere Studien zeigen, die Hirnzellen im Hippocampus anregen, viele neue Verbindungen schaffen und ausbauen. Sehr gut für die mentale Fitness!

Bewegung

"Wer wirklich etwas für sein Hirn tun möchte, braucht nicht nur Bewegung für den Kopf, sondern auch für den Körper", sagt Lehrl. Auf zwei Dinge kommt es beim Sport an: Erstens muss die Koordinationsfähigkeit herausgefordert werden, zweitens benötigt das Hirn viel Sauerstoff. Den erhält es am besten durch Ausdauertraining. Dafür muss man nicht gleich eine Stunde joggen gehen. Schon ein strammer Spaziergang, etwa in der Mittagspause, pumpt wieder Frische in den Kopf. Dadurch wächst die Anzahl der Blutgefäße – was wiederum unsere Hirnstruktur stärkt.

Radfahren trainiert das Hirn

Radfahren trainiert das Hirn. / Foto: © picture alliance / Eibner-Pressefoto

Wer langfristig schlauer sein will, sollte sich neben kleinen Spaziergängen dreimal pro Woche 30 bis 60 Minuten bewegen. "Sogar während dieser Aktivität steigert sich unsere Hirnleistung. Beim Radfahren sogar bis zu 20 Prozent", erklärt Dr. Lehrl. Freizeitsport sorgt übrigens gleich für doppelten Nutzen: Wer dabei bewusst abschaltet, gönnt seinem Gehirn eine Pause, die es braucht, wenn besonders hohe Anforderungen gestellt werden. Merke: Auch akuter Stress und Zeitnot erschweren das Erinnern.

Und sollte es doch einmal langweilig werden: Stellen Sie sich einfach auf ein Bein – statt auf zwei. Das sieht nicht nur lustig aus, sondern trainiert nebenbei die Koordination. Ebenso gut funktionieren folgende Übungen: rückwärts zu gehen oder mal den linken statt den rechten Arm für einfache Tätigkeiten zu nutzen. Auch Training auf dem Minitrampolin hilft. All diese Dinge fordern unsere Koordinationsfähigkeit und schulen neben der Balance auch direkt unsere Hirnleistung. Lustiger und leichter geht Gedächtnistraining nicht!

Training fürs Gehirn

Natürlich kann man auch ganz ernsthaft mit klassischen Übungen seinen Kopf trainieren. Und das sollte man auch. Denn nur eine gute Mischung aus Ernährung, Bewegung und Gedächtnistraining wirkt und hält die Erinnerungen frisch. Falls Übungen gerade mal nicht zur Hand sind, reicht es auch schon, beim Lesen einmal etwas mehr Tempo zu geben. Bewusstes Schnelllesen stimuliert die Verknüpfung neuer Nervenbahnen – und macht dadurch schlauer.

Eine weitere Übung, die Dr. Siegfried Lehrl empfiehlt: "Kreisen Sie in einem Bericht so schnell wie möglich alle Wörter mit der Silbe -eit an. Dadurch stärken Sie Ihre Fähigkeit, Informationen möglichst schnell zu verarbeiten."

Als Dank für all dies Training verspricht der Experte: "Wer konsequent sein Gehirn fördert, schafft es innerhalb weniger Wochen bis zum Superhirn. Das zeigen Untersuchungen." Um zehn bis 18 IQ-Punkte lässt sich die Hirnleistung so steigern. Wer sich das Training ganz leicht machen will, spielt übrigens öfter mal mit Kindern. "Die sind eine natürliche Herausforderung an jedes Gehirn", sagt Lehrl.

Autor: Esther Langmaack

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