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Foto © iStock, kirillica

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Halsschmerzen und Himbeerzunge

Scharlach: So erkennt man Symptome bei Erwachsenen und Kindern

  • Artikel vom 10. Januar 2017

Scharlach ist vor allem für Erwachsene gefährlich. Die Symptome rechtzeitig zu erkennen und behandeln ist deshalb so wichtig. Zudem wird an einer Scharlach-Impfung gearbeitet.

Vor allem in den Wintermonaten kommt es zu ausgeprägten Scharlach-Ausbrüchen. Meist grassiert die Infektionskrankheit in Kitas und Schulen. Denn eigentlich ist Scharlach eine Kinderkrankheit und tritt vor allem im Alter zwischen drei und neun Jahren auf. Allerdings schützt die überstandene Krankheit nicht immer auch in Zukunft vor einer erneuten Ansteckung. Deshalb bekommen auch Erwachsene Scharlach, medizinisch Scarlatina oder Streptococcus pyogenes-Infektion.

Scharlach ist nicht harmlos

Zwar gibt es keine genauen Zahlen über die Häufigkeit der Infektionskrankheit, denn eine Meldepflicht für Scharlach gibt es nur in einigen Bundeländern, etwa Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Doch Schätzungen der Stiftung Kindergesundheit zufolge sind es in Deutschland rund 50.000 Scharlachfälle pro Jahr, darunter befindet sich immerhin ein Viertel an Erwachsenen. Gerade bei ihnen kann Scharlach zu gravierenden Komplikationen führen, etwa

• rheumatisches Fieber
• Gelenkentzündungen (Polyarthritis)
• Herzmuskelentzündung ("Scharlachherz")
• akute Nierenentzündung
• Lungenentzündung
• Sepsis mit toxischem Schock und Multiorganversagen
Diese Komplikationen drohen jedoch meist nur dann, wenn die Krankheit nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wird. Bei Kindern wird Scharlach dabei nur selten übersehen, weil es sich um eine typische Kinderkrankheit handelt. Anders ist das bei Erwachsenen. Sie denken bei den Symptomen oft nicht daran, dass es sich um Scharlach handeln könnte und gehen deshalb nicht gleich zum Arzt.

Symptome von Scharlach

Die Anzeichen für Scharlach ähneln denen für Erkältung. Die wichtigsten Symptome sind:

• Halsschmerzen, typisch für Scharlach ist, dass sie plötzlich einsetzen und sehr massiv sind, dabei Mandelentzündung und Rachenentzündung
• hohes Fieber
• Gliederschmerzen
• Erbrechen
• anfangs weißlicher Zungenbelag, später wird die Zunge rot mit hellen Erhebungen – die typische “Himbeerzunge” bei Scharlach
• Typischer Hautausschlag bei Scharlach

Die Rötung der Zunge bildet sich etwa am dritten Krankheitstag. Zuvor entwickelt sich bereits ein Hautausschlag (Exanthem). Zuerst handelt es sich nur um stecknadelgroße rote Punkte. Sie vergrößern sich und breiten sich aus, vor allem Oberkörper, Achseln und Leisten sind betroffen, während Handflächen und Fußsohlen frei bleiben. Entsteht der Ausschlag auch im Gesicht, wird bei Scharlach ein dreieckiger Bereich um den Mund herum ausgespart. Umgeben vom roten Ausschlag sehen die weißen Stellen aus wie ein Milchbart. Typisch für das Exanthem bei Scharlach: Der Ausschlag juckt nicht und verändert unter Druck seine Farbe nicht, wie das bei Ausschlag mit anderen Ursachen oft der Fall ist.

Das Exanthem dauert nur wenige Tage und verschwindet dann wieder. Danach beginnt sich die Haut vor allem an den Innenflächen der Hände und den Fußsohlen zu schuppen. Die leuchtend rote Farbe des Ausschlags gab der Infektionskrankheit übrigens ihren Namen (von mittellateinisch scarlatum für "roter Stoff"). In alten Schriften wird Scharlach auch als “Purpurkrankheit” bezeichnet,.

Streptokokken sind Ursache

Ausgelöst wird die Infektionskrankheit durch bestimmte Bakterien, Streptococcus pyogenes (A-Streptokokken). Die Erreger gelten als Schleimhautparasiten und siedeln vor allem im Rachenraum. Jeder fünfte bis zehnte Mensch trägt diese Keime in sich, ohne zu erkranken, berichtet das Robert-Koch-Institut. A-Streptokokken lösen unter anderem auch Mandelentzündung (Angina tonsillaris) und Wundrose aus. Die Streptokokken produzieren mitunter Giftstoffe (Toxine), die die Blutgefäße durchlässiger machen und die für Scharlach typischen Symptome wie Rötung von Schleimhaut und Rachen auslösen.

Scharlach – Ansteckung über Tröpfchen- und Schmierinfektion

Scharlach gilt als besonders ansteckend. Die Streptokokken werden über den Speichel, also per Tröpfcheninfektion etwa durch Niesen, Küssen, Sprechen oder Ausatmen weitergegeben. Wer engen Kontakt mit einem Erkrankten hat, muss damit rechnen, nach ein bis drei Tagen – so lange dauert die Ansteckungszeit (Inkubationszeit) bei Scharlach – ebenfalls zu erkranken. Neben dieser direkten Ansteckung gibt es noch eine indirekte über Gegenstände wie etwa Türgriffe. Bei einer solchen Schmierinfektion gelangen die Bakterien auf die Hände und bei Berührung von Augen, Mund oder Nase in den Körper.

Übrigens ist Scharlach bereits vor Ausbruch der Krankheit ansteckend: Bevor die ersten Symptome auftreten, können die Bakterien weitergegeben werden. Das erklärt, warum sich Scharlach so rasch ausbreiten kann und ganze Kitas deshalb geschlossen werden müssen. Nur wenn Scharlach mit Antibiotika behandelt wird, erlischt dieses hohe Ansteckungsrisko 24 Stunden nach der ersten Einnahme. Unbehandelt besteht diese Gefahr viel länger, bis zu drei Wochen nach Ausbruch der Krankheit.

Wer Scharlach überstanden hat, ist nur bis zu einem gewissen Grad immun. Weil es mehrere Arten von Streptokokken gibt, die Scharlach auslösen und unterschiedliche Toxine produzieren, ist eine erneute Infektion aber möglich.

Mit Schnelltest diagnostizieren

Der Arzt erkennt Scharlach meist bereits durch einen Blick in den Rachen. Sicherheit gibt dann ein Rachenabstrich. Mit einem Schnelltest liegt das Ergebnis bereits nach wenigen Minuten vor. Den Schnelltest gibt es übrigens rezeptfrei in der Apotheke zu kaufen. Allerdings sollten so massive Symptome, wie Scharlach sie auslöst, nicht selbst untersucht, sondern auf jeden Fall von einem Arzt abgeklärt werden. Er kann andere Erkrankungsursachen ausschließen (Viruserkrankungen können ähnliche Symptome hervorrufen) und entsprechende Medikamente verschreiben.

Die richtigen Antibiotika zur Behandlung

Antibiotika, vor allem Penicillin, bekämpfen die Streptokokken verlässlich. Die Medikamente müssen in der Regel zehn Tage eingenommen werden. Bei Penicillin-Unverträglichkeit gibt es noch eine Reihe anderer Wirkstoffe, etwa:
• Cephalosporine
• Erythromycin
• Roxithromycin

Wichtig ist, die Einnahmedauer auf jeden Fall einzuhalten – auch wenn bereits nach ein oder zwei Tagen eine deutliche Besserung eintritt. Wer die Tabletten früher absetzt, riskiert einen Rückfall (Rezidiv) und fördert Resistenzen. Eine Resistenz gegen Penicillin ist bei Scharlach bisher aber nicht bekannt. Anders ist das bei den Ersatzantibiotika, etwa Erythromycin. Hier warnt das Robert-Koch-Institut vor hohen Resistenzraten. Die Medikamente wirken dann nicht mehr richtig gegen Streptokokken.

Scharlach in der Schwangerschaft

Weil auch eine überstandene Scharlach-Infektion nicht vor einer erneuten Erkrankung schützt und es (noch) keine Impfung gegen Scarlatina gibt, ist es durchaus möglich, auch in der Schwangerschaft Scharlach zu bekommen. Setzt die Behandlung dann sofort ein, besteht kein Risiko für Mutter und Kind. Penicillin gehört zu den Antiobitika, die auch in der Schwangerschaft gut vertragen werden und erfahrungsgemäß das Kind nicht gefährden.

Impfung gegen Scharlach in Sicht

Doch vielleicht schon in wenigen Jahren könnten sich Frauen mit Kinderwunsch gegen Scharlach impfen lassen. Australische Wissenschaftler haben einen Impfstoff entwickelt, der gleichzeitig gegen die verschiedenen Arten von A-Streptokokken schützen könnte. Autor: Monika Preuk