Gesund leben
Lungenembolie

Bei einer Lungenembolie verstopft ein Blutgerinnsel ein Gefäß in der Lunge. / Foto © iStock, yodiyim

Thrombose in der Lunge

Lungenembolie – Symptome, Ursachen und Therapie

  • Artikel vom 22. Dezember 2016

Bei den ersten Anzeichen einer Lungenembolie ist schnellste Hilfe nötig. Eine Lungenembolie ist so gefährlich wie Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Wenig bekannt ist, dass die Lungenembolie gleich nach Herzinfarkt und Schlaganfall die dritthäufigste lebensgefährliche Erkrankung des Herzkreislaufsystems ist. Europaweit gibt es jährlich bis zu 370.000 Todesfälle durch eine Lungenembolie, medizinisch als Pulmonalarterienthrombembolie, umgangssprachlich häufig als Lungeninfarkt bezeichnet. Bei 90 Prozent der Patienten tritt der Tod bereits zwei Stunden nach dem Auftreten der Symptome ein, warnt die Deutsche Gesellschaft für Angiologie (DGA).

Lungenembolie – was ist das?

Bei einer Lungenembolie hat ein Blutgerinnsel (Blutpfropf, Thrombus) ein Blutgefäß in der Lunge verstopft. Dadurch steigt der Druck in den Gefäßen, die vor dem Verschluss liegen. Der dahinter liegende Bereich ist von der Blutversorgung abgeschnitten. Der hohe Druck in der Lunge belastet massiv das Herz. Es kommt zu Sauerstoffmangel, Rechtsherzversagen und dem Untergang von Lungengewebe. Ein schwerer Schock mit Kreislaufversagen kann eintreten, der immer lebensbedrohlich ist.

Die wichtigsten Symptome

Die Anzeichen einer Lungenembolie sind weniger bekannt als die von Herzinfarkt und Schlaganfall – und sie sind meist auch eher unspezifisch. Deshalb wird oft nicht oder zu spät der Notarzt gerufen, die Behandlung beginnt damit verzögert und ist weniger effektiv.

Achten Sie deshalb auf diese Anzeichen:

• Plötzliche, starke Atemnot oder schnelles Hecheln
• atemabhängige Brustschmerzen, die auch in Bauch und Schulter ausstrahlen können
• Rasselgeräusche beim Atmen
• Herzrasen (schneller Puls)
• Angst
• Schweißausbrüche
• Bluthusten (nur bei etwa jedem zehnten Patienten)

Die Symptome ähneln auf den ersten Blick denen, die bei einem Herzinfarkt oder einem Asthma-Anfall auftreten können. Auf jeden Fall handelt es sich um einen medizinischen Notfall, der möglichst zeitnah abgeklärt werden muss.

Die Stadien der Lungenembolie

Je nachdem, welche und wie viele Gefäße in der Lunge betroffen sind, äußern sich die Symptome mehr oder weniger ausgeprägt. Entsprechend wird die Ausdehnung der Lungenembolie medizinisch in vier Stadien eingeteilt:

Stadium I: plötzliche, vorübergehende Atemnot, Angst, schnelle Atmung
Stadium II: zusätzlich treten Schwitzen und Herzrasen auf
Stadium III: alle in Stadium I und II genannten Symptome noch ausgeprägter, zusätzlich verfärben sich Lippen und Schleimhäute bläulich (Zyanose, Blausucht, Ursache ist Sauerstoffmangel), Rasselgeräusche beim Atmen
Stadium IV: Bewusstlosigkeit, Blutdruckabfall, kritischer Schockzustand

Mögliche Ursachen des Lungeninfarkts

Meistens geht einer Lungenembolie eine Venenthrombose voraus – etwa in den Oberschenkel-, den Becken- oder den Unterschenkelvenen. Wenn sich ein Thrombus aus der Vene löst, kann er mit dem Blutstrom über das Herz in die Lunge geschwemmt werden.

Weitere, seltene Ursachen für eine Lungenembolie:

Fettteilchen, die etwa bei einer Operation aus Versehen in den Blutkreislauf gelangen.
Luft im Blut: Dieses Risiko besteht, wenn eine größere Vene verletzt wird oder durch unkorrekten Verschluss von Venenkathetern.
Luftembolie bei Tauchern, wenn beim zu schnellen Auftauchen der Sauerstoff im Blut Bläschen bildet.
Fruchtwasser, das bei einer Kaiserschnittoperation in die Venen gelangt.

Lungenembolie – die neun wichtigsten Risikofaktoren

Die häufigste Ursache der Lungenembolie, eine Venenthrombose im Becken oder den Beinen, bildet sich häufig durch andere Faktoren, die damit indirekt als Auslöser des Lungeninfarkts in Frage kommen:

• Rauchen
• Anti-Baby-Pille
• Hormonersatztherapie
• Bewegungseinschränkungen wie lange Bettlägerigkeit nach Operationen oder bei Krankheit
• Übergewicht
• Krebserkrankung
• Blutgerinnungsstörungen
• Lange Flugreisen

Langes Sitzen, etwa beruflich bedingt, erhöht außerdem nachweislich das Risiko einer Lungenembolie, wie Studien zeigen.

Diagnose und Behandlung der Thrombose

Bei Verdacht auf Lungenembolie wird der Arzt zuerst rasch Herz und Lunge abhorchen, Blutdruck und Puls messen. In der Klinik folgen weitere Tests:

Bluttest – hier werden spezielle Marker für eine Lungenembolie gesucht, die sogenannten D-Dimere. Sie sind Spaltprodukte, die der Körper bildet, wenn er Blutgerinnsel abzubauen versucht. Erhöhte Werte der D-Dimere weisen deshalb auf eine Thrombose oder Lungenembolie hin. Ist der Wert nicht erhöht, kann mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Lungenembolie ausgeschlossen werden.

Computertomografie (CT) – mit CT-Pulmonalisangiographie können Ärzte rasch und mit einer Sicherheit von 96 Prozent feststellen, ob eine Lungenembolie eingetreten ist. Auch Daten über Ort des Ereignisses, Ausmaß und betroffene Gefäße können auf diese Weise erhoben werden.

Bei der Diagnose kommt auch die Magnetresonanztomographie (MRT) in Frage. Der große Vorteil gegenüber dem CT: Das MRT setzt den Patienten keiner Strahlenbelastung aus. Allerdings gibt es zum Thema MRT und Lungenembolie noch zu wenige Studien, wie die offiziellen Behandlungsleitlinien vermerken.

Behandlung der Lungenembolie richtet sich nach Schweregrad

Je nach Ergebnis der Untersuchung helfen verschiedene Therapien, die meist kombiniert werden. Bei einem Kreislaufstillstand werden Maßnahmen zur Wiederbelebung wie Herzdruckmassage, Sauerstoffgabe usw. ausgeschöpft. Ein Katheter wird gelegt, um die nötigen Medikamente zu verabreichen.

Gezielt den Engpass in der Lunge beheben sollen folgende Behandlungen:

Blut verdünnen bzw. die Blutgerinnung hemmen (Antikoagulation). Standard ist dabei der Wirkstoff Heparin, der über mehrere Tage lang gegeben wird.

Auflösung des Thrombus (Thrombolyse) mit einem Medikament (Fibrinolytikum).

Meist reichen diese Behandlungen, um den Thrombus langsam aufzulösen. Gelingt das nicht, wird das Gefäß mit einem mechanischen Reperfusionsverfahren wieder durchgängig gemacht. Dabei wird kathetergesteuert der Thrombus abgeschliffen und abgesaugt.

Vena-Cava-Filter soll Lungenembolie verhindern

In manchen Fällen setzen Ärzte nach der Lungenembolie auch ein körbchenförmiges Filtersystem in eine der großen Hohlvenen ein. Diese relativ neue Methode soll verhindern, dass sich erneut eine Lungenembolie, also ein Rezidiv, bildet.

Der Vena-Cava-Filter, auch als Cava-Schirm oder Cava-Sieb bezeichnet, wird meist vorübergehend implantiert und soll neue Blutgerinnsel abfangen. Er ist vor allem für diejenigen Patienten eine Option, die eine medikamentöse Antikoagulation nicht vertragen. Studien haben jedoch gezeigt, dass sich die Erwartungen kaum erfüllen.

Was in jedem Fall nach einer Lungenembolie wichtig ist: regelmäßig die Blutgerinnung kontrollieren und entsprechend einen Blutverdünner einnehmen, etwa Marcumar. In der Regel empfiehlt der Arzt die Einnahme für drei bis sechs Monate. Das Medikament soll die Entstehung neuer Blutgerinnsel verhindern, die wiederum eine Thrombose auslösen können und die Gefahr einer Lungenembolie steigern. Übrigens haben Männer ein höheres Risiko als Frauen, nach einer Lungenembolie ein Rezidiv zu entwickeln, sagen die Experten der Deutschen Gesellschaft für Angiologie.

Der Lungenembolie vorbeugen

Sie können viel dazu beitragen, Ihr persönliches Risiko für eine Lungenembolie zu senken. Dazu gehören:

Gewöhnen Sie sich das Rauchen ab. Das gilt vor allem für Frauen, die die Pille einnehmen.

Sorgen Sie für Bewegung. Auch wenn Sie etwa berufsbedingt viel sitzen müssen: Hin und wieder Fußgymnastik unter dem Schreibtisch bringt das Blut in Schwung und entlastet die Venen.

Trinken Sie viel, die Flüssigkeit verhindert, dass das Blut dicker wird und damit das Risiko für eine Thrombose steigt.

Bei längerer Bettlägerigkeit wenden Sie bitte die blutverdünnenden Medikamente unbedingt an, die Ihnen der Arzt verschrieben hat.

Bei längeren Reisen, die ständiges Sitzen erfordern, helfen Kompressionsstrümpfe, das Thromboserisiko zu senken.

Quellen: Leitlinien „Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und der Lungenembolie“, Dt. Gesellschaft für Angiologie, 2015; Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK); Informationen der Universiätsklinik Heidelberg; Deutsche Gefäßliga; Ärztezeitung Informationen zum Welt-Thrombose-Tag 2016; Aktionsbündnis Thrombose

Autor: Monika Preuk