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Endomtetriose / Foto © iStock, 7postman

Endomtetriose – Symptome, Ursachen und Behandlung. / Foto © iStock, 7postman

Frauenkrankheit

Endometriose – nicht nur unerfüllter Kinderwunsch ist ein Symptom

  • Artikel vom 22. Dezember 2016

Gebärmutterschleimhaut wuchert außerhalb der Gebärmutter – das beschreibt Endometriose. Bauchraum, Eierstöcke, Darm und Blase können betroffen sein. Mehr über Symptome und Therapie.

Meistens beginnen die Probleme durch Endometriose, wenn Frauen zwischen 20 und 30 Jahre alt sind. Manche haben bereits ab der ersten Monatsblutung damit zu tun.

Symptome bei Endometriose

Endometriose verursacht die unterschiedlichsten Beschwerden. Häufige Anzeichen sind:

• kurz vor dem Einsetzen der Menstruation und zu Beginn starke Bauch- und Unterleibsschmerzen (Dysmenorrhoe). Die Schmerzen können bis in Beine und Rücken ausstrahlen.
• Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und bei gynäkologischen Untersuchungen
• Darmblutungen
• Darmschmerzen
• Reizdarm
• Reizblase
• Blut im Urin
• unerfüllter Kinderwunsch

Bis zur Diagnose verstreichen oft Jahre

Weil die Symptome von Endometriose so unterschiedlich und unspezifisch sein können, dauert es im Durchschnitt sieben bis acht Jahre, bis die Krankheit diagnostiziert wird. Hier spielt auch eine Rolle, dass viele Frauen es als „normal“ hinnehmen, wenn sie Menstruationsprobleme haben und deshalb gar nicht erst zum Arzt gehen.

Dabei erkranken pro Jahr in Deutschland rund 40.000 Frauen neu an Endometriose. Die Europäische Endometriose-Liga geht davon aus, dass zehn Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter Endometriose haben. Damit könnte Endometriose eine der häufigsten Frauenkrankheiten sein – allerdings wissen die wenigsten über die Krankheit Bescheid.

Endometriose – was ist das?

Die exakte Definition von Endometriose: eine gutartige, oft jedoch schmerzhafte Wucherung von Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) außerhalb der Gebärmutter. Betroffen von diesen Endometrioseherden sind meist benachbarte Organe, etwa

• Eierstöcke
• Eileiter
• Haltebänder der Gebärmutter
• Bauchfell
• Douglasraum – eine taschenförmige Aussackung zwischen Gebärmutter, Blase und Darm

In einzelnen Fällen wurde schon über Endometrioseherde in der Lunge oder den Augen berichtet.

Formen der Endometriose

Medizinisch wird Endometriose in verschiedene Formen eingeteilt. Diese Systematisierung richtet sich nach dem Ort der Endometrioseherde. Demnach gibt es drei Formen:

Endometriose der inneren Geschlechtsorgane (Endometriosis genitalis interna): Dabei handelt es sich um die häufigste Form von Endometriose. Sie betrifft Muskelschichten der Gebärmutter und die Eileiter, steht also in direktem Zusammenhang mit der Gebärmutter.

Äußere genitale Endometriose (Endometriosis genitalis externa): Die Herde befinden sich außerhalb der Gebärmutter, aber in der Nähe der Geschlechtsorgane, etwa Eierstöcke, Halteapparat der Gebärmutter und Douglasraum.

Endometriose außerhalb der Genitalbereichs oder Endometriose außerhalb des kleinen Beckens (Endometriosis extragenitalis) bezeichnet die Lokalisation der Herde etwa an und in Blase oder Darm, aber auch seltene Formen wie Endometriose der Lunge.

Je nachdem, wo sich das versprengte Gewebe der Gebärmutterschleimhaut angesiedelt hat, kommt es zu den unterschiedlichen Beschwerden wie starken Bauchschmerzen, Blasenproblemen und Darmschmerzen. Dabei können die Herde nur stecknadelkopfgroß sein, aber auch viel ausgedehnter.

Warum die Symptome bei Endometriose zyklusabhängig sind

Besonders typisch für Endometriose: Die Beschwerden sind zyklusabhängig, denn die Endometrioseherde bestehen aus Endometrium und unterliegen damit allen Prozessen, die durch den monatlichen Hormonzyklus ausgelöst werden:

Aufbau der Gebärmutterschleimhaut ab etwa dem fünften Tag des Zyklus
Abstoßung dieser obersten Schicht des Endometriums (etwa 28. Tag), wenn keine Befruchtung stattgefunden hat.

Endometrioseherde unterliegen ebenfalls diesen Auf- und Abbaumechanismen.

Sie wachsen parallel zum Endometrium und sind stärker durchblutet, drücken dadurch auf die umliegenden Organe und lösen so mitunter massive Schmerzen aus. Wenn die Periode einsetzt, beginnen auch die Endometrioseherde zu bluten – zu diesem Zeitpunkt sind die Beschwerden am schlimmsten.

Falls das Blut nicht abfließen kann, bilden sich blutgefüllte Zysten. Zusätzlich kommt es zu Verklebungen, Verwachsungen und Vernarbungen, etwa der Eileiter, aber auch zwischen Organen im gesamten Bauchraum, etwa Gebärmutter, Blase und Darm.

Endometriose oft Ursache für Unfruchtbarkeit

Diese Fakten erklären auch, warum Endometriose nicht nur zeitweise, sondern auch anhaltende Beschwerden und Folgen haben kann. So ist Endometriose häufig der Grund für Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Und unerfüllter Kinderwunsch hat seine Ursache ebenfalls oft in Endometriose:

Monatlich abfließendes Blut aus Endometrioseherden hat die Eileiter verklebt oder
das Blut konnte nicht ablaufen und Zysten an den Eierstöcken haben sich dadurch gebildet.

Vermutlich ist Endometriose die Ursache bei etwa einem Drittel aller Frauen, die unfruchtbar sind.

Die Ursachen von Endometriose

Doch warum bilden sich Endometrioseherde außerhalb der Gebärmutter, wie kommen Zellen der Gebärmutterschleimhaut in den Bauchraum? Über die Ursachen der Endometriose wird immer noch geforscht, eine allgemein gültige Ursache konnte noch nicht entdeckt werden. Aber es gibt verschiedene interessante Hypothesen:

Retrograde Menstruation: Diese „umgekehrte“ Menstruation bedeutet, dass winzige Mengen von Blut mit Endometriumzellen in die Eileiter gelangen können.

• Implantationstheorie: Über die Blutwege werden Endometriumzellen verschleppt, sie siedeln sich an anderer Stelle an und beginnen dort zu wachsen.
• Metaplasietheorie: Ein Entwicklungsfehler beim Fötus bewirkt später, das sich außerhalb der Gebärmutter Endometriumzellen bilden.
• Primäre Erkrankung der Gebärmutter: Diese neue Theorie geht davon aus, dass sich durch Mikroverletzungen in tiefen Schichten der Gebärmutter Endometriumzellen lösen und über die Eileiter in den Bauchraum gelangen.
• Immunologische Veränderungen: Frauen mit Endometriose weisen bestimmte Immunzellen auf, die in Zusammenhang mit den „verirrten“ Endometriumzellen stehen könnten.
• Genetische Faktoren: In manchen Familien tritt Endometriose gehäuft auf. Ein „Endometriose-Gen“ wurde jedoch noch nicht entdeckt.

Diagnose von Endometriose

Die ausführliche Beschreibung der Symptome gibt dem Arzt bereits erste Hinweise, dass Endometriose vorliegen könnten. Die gynäkologische Tastuntersuchung kann Endometrioseherde aufdecken, die im Bereich von Scheide, Gebärmutter und Eierstöcken wachsen, allerdings müssen sie dazu bereits recht groß sein.

Weitere Diagnosemittel bei Endometriose:

Ultraschalluntersuchung kann vor allem Zysten aufspüren
Computertomographie und Magnetresonanztomographie entdecken Herde jedoch erst, wenn sie mehrere Millimeter groß sind
Bauchspiegelung (Laparoskopie): Unter Vollnarkose wird ein kleiner Bauchschnitt gesetzt, über den der Arzt eine Sonde in den Bauchraum schiebt. Damit kann er nicht nur kleinste Endometrioseherde entdecken, sondern sie zugleich entfernen.

Das entnommene Gewebe wird histologisch untersucht. Erst wenn sich dabei herausstellt, dass es sich tatsächlich um Gebärmutterschleimhaut handelt, steht die Diagnose letztlich fest.

Besteht der Verdacht, dass sich Endometrioseherde in Darm oder Blase befinden, wird das mit den entsprechenden Spiegelungen dieser Organe und Gewebeproben abgeklärt.

Endometriose-Therapie: Hormone und Operation

Bei der Behandlung der Endometriose steht im Mittelpunkt, Schmerzfreiheit zu ermöglichen sowie – falls es der Wunsch der Patientin ist – eine Schwangerschaft.

Zwei Verfahren bilden die Basis der Endometriose-Behandlung:

Operative Entfernung der Endometrioseherde, am besten gleich im Rahmen der Laparoskopie. Sind die Herde größer oder sitzen an schlecht zugänglichen Stellen, ist eine aufwändigere Operation nötig. Dabei werden alle sichtbaren Endometrioseherde so entfernt, dass alle Organe und die anatomischen Verhältnisse erhalten bleiben. Oft ist es für betroffene Frauen deshalb möglich, schon wenige Monate nach der Endometriose-Operation schwanger zu werden.

Hormonelle Behandlung mit Medikamenten, die einen Östrogenentzug bewirken und damit die Endometrioseherde nach und nach verkleinern. Gängige Mittel sind dabei:

• Gestagene (Gelbkörperhormone)
• orale Kontrazeptiva, also die „Pille“ (in diesem Fall einphasige Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparate, die durchgehend eingenommen werden)
• GnRH-Analoga (Wechseljahreshormone, die den Östrogenspiegel senken)
• Die hormonelle Behandlung schließt eine Schwangerschaft aus.

Beide Therapien sind, vor allem, wenn sie kombiniert werden, sehr erfolgreich. Allerdings hält der Erfolg oft nur einige Jahre an – nach der Operation können sich erneut Endometrioseherde bilden und nach Absetzen der Hormonpräparate werden die Endometriumzellen wieder aktiv. Viele Patientinnen müssen deshalb bis zum Beginn der Wechseljahre Hormontabletten einnehmen. Erst mit dem Klimakterium werden das Endometrium und damit auch die versprengte Schleimhaut inaktiv.

Alternative Medizin und Ernährung bei Endometriose

Viele Patientinnen berichten, dass Homöopathie, TCM mit Akupunktur oder Osteopathie gut gegen die Schmerzen bei Endometriose wirken. Wissenschaftliche Untersuchungen, die das bestätigen können, gibt es jedoch noch nicht. Viele Gynäkologen begrüßen diese Behandlungsansätze jedoch zur Unterstützung der schulmedizinischen Therapie.

Auch eine spezielle Ernährung soll sich bei Endometriose günstig auswirken, Entzündungen und Schmerzen vermindern. Die Endometriose-Diät, wie sie etwa die Endometriose-Vereinigung Austria empfiehlt, entspricht im Wesentlichen der Rheumadiät mit

viel Fisch und wenig Fleisch, am besten nur Geflügel
viel frisches Obst und Gemüse
wenig Transfette und Histamin (Rotwein, Käse, Hefe, Wurst, Räucherwaren)

Auch wenn Endometriose letztendlich nicht heilbar ist, so gibt es doch auch eine gute Nachricht für die Betroffenen: Eine Studie hat vor kurzem gezeigt, dass Frauen, die Endometriose haben, bei Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) eine wesentlich günstigere Prognose haben als andere Frauen.

Endometriosepatientinnen haben eine fast 30 Prozent höhere Chance, diesen Krebs zu überleben. Die Forscher vermuten, dass diese Frauen ein anderes Hormonmilieu und deshalb bei Eierstockkrebs einen Vorteil haben. Eierstockkrebs gilt als besonders aggressive Tumorart.

Quellen: Europäische Endometriose Liga, Stiftung Endometriose Forschung, Netzwerk Endometriose, Bundesärztekammer, Leitlinien Endometriose Diagnostik und Therapie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Berufsverband der Frauenärzte

Autor: Monika Preuk