Gesund leben
Bei vielen sitzt die Angst vor dem Altersheim tief.

Bei vielen sitzt die Angst vor dem Altersheim tief. / Foto: © dpa

Von Pflegegeld bis Zusatzversicherung

Der große Pflege-Ratgeber

  • Artikel vom 13. Januar 2013

Ein Unfall, eine Krankheit, zunehmende Gebrechen: Jeder kann plötzlich pflegebedürftig werden. Für Wochen oder für immer. Eine beängstigende Vorstellung? Das muss nicht sein! Wer gut vorbereitet ist, kann rasch umfassende Hilfe organisieren und so die Lebensqualität sichern – für sich oder für seine Angehörigen. Welche Rechte haben Patienten? Wie gestaltet man Pflege angenehm und effektiv? Welche Neuerungen gelten seit Jahresbeginn? Darüber informiert dieser Ratgeber, an dem zwei renommierte Expertinnen mitgearbeitet haben: Elke Gravert von der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland und Nadine-Michèle Szepan, Leiterin der Abteilung Pflege beim AOK-Bundesverband.

❶ Wenn der Pflegefall eintritt

➜ Das Krankenhaus entlässt einen pflegebedürftigen Patienten. Was nun?
Oft muss die häusliche Pflege erst vorbereitet werden. Oder der Patient braucht noch Zeit, um zu Kräften zu kommen und nach Hause zurückzukehren. Dann bietet sich die stationäre Kurzzeitpflege an, eine vierwöchige Pflege im Heim. Die Pflegekasse zahlt bis zu 1550 Euro dazu (Pflegekassen sind bei den gesetzlichen Krankenkassen angesiedelt).

➜ Wie beantrage ich Leistungen der Pflegeversicherung?
Zunächst muss man einen langen Fragebogen ausfüllen und einreichen. Dann meldet sich ein Gutachter des MDK (Medizinischer Dienst der Krankenversicherung). Er besucht den Betroffenen, um die Pflegebedürftigkeit einzuschätzen – Angehörige sollten dabei sein. Die Begutachtung muss spätestens vier Wochen nach Antragstellung erfolgen. "Wird der Antrag auf Pflegeleistungen abgelehnt: Widerspruch einlegen", rät Expertin Elke Gravert. "Hilfreich sind Stellungnahmen der behandelnden Ärzte." In eiligen Fällen veranlasst der Sozialdienst des Krankenhauses die Schnelleinstufung der Pflegebedürftigkeit.

➜ Wer organisiert die Pflege?
In Krankenhäusern ist der Sozialdienst dafür zuständig. Tritt die Pflegebedürftigkeit zu Hause ein, kann man den Hausarzt nach einem guten ambulanten Pflegedienst fragen. Sowohl Pflegedienste als auch -heime helfen, Leistungen der Pflegekasse zu beantragen. Zudem hat jede Versicherung Berater, die Patienten und Angehörige auf Wunsch zu Hause besuchen. Beratung erhält man auch bei örtlichen Pflegestützpunkten und bei der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (kostenfreies Beratungstelefon: 0800/011 77 22; im Internet: www.upd-online.de).

➜ Müssen Versicherte tatsächlich Zuzahlungen leisten?
Ja, denn die Pflegeversicherung ist nur eine Teilkaskoversicherung. Doch niemand bleibt aus Geldmangel unterversorgt. Sind weder der Pflegebedürftige selbst noch nahe Angehörige imstande, für die Pflege mit aufzukommen, kann man Hilfe beim Sozialamt beantragen. Kosten für die medizinische Behandlungspflege (etwa Infusionen geben, Wunden versorgen) trägt die Krankenkasse.

➜ Was müssen die Kinder bezahlen?
Gibt es keinen Partner, der die Pflege mit finanziert, sind die Kinder zuständig. Sie müssen aber nicht mehr bezahlen, als sie können. Ein Kind darf mindestens 1600 Euro monatlich von seinem Einkommen behalten, obendrauf kommen Freibeträge etwa für Ehepartner, eigene Kinder, eigene Altersvorsorge.

➜ Lohnt sich eine private Pflegezusatzversicherung?
"Das kommt ganz auf die persönliche Situation an", sagt Beraterin Gravert. "Wie hoch ist die aktuelle oder zu erwartende Rente? Gibt es Vermögen? Sind andere Einkünfte zu erwarten, zum Beispiel Mietzahlungen?" Wer eine Zusatzversicherung abschließen möchte, sollte viele Angebote einholen, auch das Kleingedruckte aufmerksam lesen und den Vertrag eventuell bei einer Verbraucherzentrale prüfen lassen. Seit Jahresbeginn bezuschusst der Staat private Zusatzversicherungen mit bis zu 60 Euro jährlich ("Pflege-Bahr" in Anlehnung an die "Riester-Rente").

Pflege zu Hause

69 Prozent aller Menschen in Deutschland, die Pflege benötigen, leben zu Hause. / Foto: © dpa

➜ Wer entscheidet, ob Patienten zu Hause oder im Heim gepflegt werden?
Grundsätzlich die Pflegebedürftigen selbst, und zwar nur nach ihren persönlichen Wünschen, unabhängig von den Finanzen. Kann jemand keine Entscheidungen treffen oder äußern, entscheidet sein Bevollmächtigter oder Betreuer nach dem vereinbarten oder vermuteten Willen des Betroffenen.

➜ Ist die Pflegeversicherung nur für Senioren zuständig?
Nein. Sie zahlt bei Bedarf für jedes Mitglied einer Krankenkasse und Mitversicherte, also auch für pflegebedürftige Kinder, Jugendliche und Erwachsene jedes Alters.

Autor: Nele-Marie Brüdgam

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