Currywurst mit Pommes - der Alptraum einer cholesterinbewussten Ernährung, Foto © www.piqs.de / eckhard krause , CC (Some rights are reserved.)
Zu viel Cholesterin lässt die Adern verkalken! Diese Warnung wiederholen viele Ärzte gebetsmühlenartig – und verordnen Millionen von Menschen bis an ihr Lebensende Medikamente, um die Cholesterinwerte zu senken. Im Visier haben sie dabei das sogenannte "böse Blutfett", das LDL (Low Density Lipoprotein). Aber wie gefährlich ist es wirklich?
"Es ist längst nicht klar, ob hohe LDL-Werte der Grund für Herz-Kreislauf-Probleme sind oder nur häufig gemeinsam mit ihnen auftreten", sagt Andreas Waltering vom Kölner Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit (IQWiG), das den Nutzen von Behandlungen unabhängig und objektiv prüft. "Vielleicht ist es sogar so wie mit der Haarfarbe: Man könnte glauben, dass graue Haare das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen, denn Menschen mit grauen Haaren haben häufiger einen Schlaganfall. Aber natürlich nur, weil graue Haare Zeichen eines höheren Alters sind und das Schlaganfallrisiko mit dem Alter zunimmt."
Selbst wenn Cholesterin den Blutgefäßen schadet, hängt die Wahrscheinlichkeit, einen Herzinfarkt zu erleiden, nicht allein von den Blutfetten ab: "Eine wichtige Rolle spielen das Rauchen zu hoher Blutdruck und Krankheiten wie Diabetes", so der Facharzt für Innere Medizin. Gefährlich wird es aber erst, wenn mehrere Risikofaktoren zusammenkommen. Dann sollen Medikamente helfen: cholesterinsenkende Statine. Für die Hersteller war ihre Entwicklung ein Glücksgriff: Mit einem jährlichen Umsatz von mehr als 27 Milliarden Dollar sind Statine die kommerziell erfolgreichsten Mittel der Pharmageschichte.
Tatsächlich reduzieren sie nach einem Herzinfarkt das Risiko für einen weiteren Anfall. Für Waltering liegt der Grund ihrer Wirksamkeit aber nicht unbedingt in der Cholesterinsenkung: "Statine wirken im ganzen Körper. Dort greifen sie in eine Vielzahl von Signalwegen und Prozessen ein, die ebenfalls an der Entstehung von Infarkten beteiligt sind." Ein Großteil der circa fünf Millionen Deutschen, die von ihren Ärzten Statine verschrieben bekommen, steht jedoch keinesfalls vor einem weiteren Infarkt, sondern hat lediglich erhöhte LDL-Werte. Um diese mit Medikamenten zu senken, nehmen sie viele Nebenwirkungen in Kauf. Dabei ist der Effekt dieser Vorsorge minimal. Waltering: "Wenn 1000 Menschen mit hohem LDL-Wert und einem weiteren Risikofaktor wie Bluthochdruck vier Jahre lang täglich Statine nehmen, lassen sich im selben Zeitraum statistisch gesehen gerade mal sechs Todesfälle verhindern."
Die fünf wichtigsten Fragen zu Blutfetten
Autor: Nicole Simon
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