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Nicht jede Vorsorge-Untersuchung ist sinnvoll.

Nicht jeder Test ist sinnvoll. - Foto: © www.piqs.de / canonier, CC (Some rights are reserved.)

Die wichtigsten Tests im Überblick

Welche Vorsorge wirklich sinnvoll ist

  • Artikel vom 21. März 2010

Mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, den Schokoriegel ab und an durch einen Apfel ersetzen: Man kann selbst viel tun, um möglichst lange gesund zu bleiben. Manche verborgene Gefahr aber ist nur zu erkennen, wenn Profis sich auf die Suche machen, etwa bei Vorsorgeuntersuchungen. Selbst Prominente wie Johannes B. Kerner, Günter Netzer oder Ulla Schmidt werben deshalb auf Plakaten und in Anzeigen für die Check-ups, für Brustkrebs-Screening oder Darmspiegelung.

Tatsächlich gibt es Tests, die bei großflächigem Einsatz Leben retten können – beispielsweise die Gebärmutterkrebs-Vorsorge oder den Stuhltest gegen Darmkrebs. Allerdings gilt das längst nicht für alle Untersuchungen. Einige von ihnen sind nicht für jeden sinnvoll, manche können sogar Schaden anrichten. In einem kürzlich veröffentlichten Beitrag in der Fachzeitschrift "Der Onkologe" kommen die Medizinjournalisten Klaus Koch und Christian Weymayr zu dem Schluss, dass Untersuchte oft fälschlich als Krebspatienten eingestuft werden: "Dieses Risiko ist mindestens ebenso groß wie die Wahrscheinlichkeit, durch die Untersuchung vor dem Tod durch einen Tumor bewahrt zu werden." Ein ähnlich ernüchterndes Fazit zieht auch Professor Hajo Zeeb Leiter der Abteilung Prävention und Evaluation am Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin: "Viele Menschen überschätzen den positven Nutzen von Vorsorge und Früherkennungs-Untersuchungen." Doch was ist wichtig, was nicht? Der Überblick:

Karies, Parodontose
Sobald die ersten Milchzähne da sind, sollte jeder seine Zähne zweimal im Jahr kontrollieren lassen. Diese Untersuchung tut nicht weh, ist aber ein enorm wichtiger Bestandteil der Karies-Vorsorge.

Hautkrebs-Früherkennung
Ab einem Alter von 35 Jahren kann sich jeder alle zwei Jahre von einem Arzt auf Hautkrebs untersuchen lassen. Sinnvoll ist der Test bei Menschen mit sehr vielen, sehr großen Muttermalen oder solchen, die sich plötzlich verändern. Auch bei bekannten Hautkrebsfällen in der Familie ist er zu empfehlen. Für Menschen, die zu keiner Risikogruppe gehören, konnte kein Nachweis des Nutzens erbracht werden. In anderen Ländern ist der Test keine kostenlose Vorsorgeuntersuchung.

Allgemeiner Gesundheitscheck
Bei diesem Check ab 35 Jahren beurteilt der Arzt den Bewegungsapparat, die Haut und die Sinnesorgane, hört Herz und Lunge ab und misst den Blutdruck. Im Labor werden zudem durch ein Blutbild Cholesterin- und Blutzuckerwerte bestimmt. Auch der Urin wird analysiert. Für gesunde, beschwerdefreie Menschen ist der Effekt dieser Untersuchung unklar. Sind die Ergebnisse unauffällig, genügt es, die Untersuchung alle fünf bis zehn Jahre vornehmen zu lassen.

Dickdarmkrebs-Vorsorge, Stuhltest
Der Arzt untersucht meist sechs Stuhlproben auf Spuren von Blut. Diesen einfachen und effizienten Test zahlt die Kasse ab dem 50. Lebensjahr einmal im Jahr. Folgt auf eine auffällige Stuhlprobe eine Darmspiegelung, senkt der Test nachweislich die Sterblichkeit. Ab 55 Jahren hat jeder zudem Anspruch auf zwei Darmspiegelungen im Abstand von zehn Jahren. Gibt es Darmkrebsfälle in der Familie (Großeltern, Eltern), gilt dieses Alterslimit nicht, die Untersuchung darf also auch früher durchgeführt werden. Bei der Spiegelung führt der Arzt ein sogenanntes Koloskop, einen flexiblen Schlauch mit Lichtquelle und Kamera, über den After in den Darm ein. Damit kann er das Innere des Dickdarms betrachten, Gewebeproben nehmen oder Polypen, die Vorstufen von Tumoren, entfernen. Experten sind bislang unsicher, ob die Spiegelung auch ohne auffälligen Stuhltest oder Risikofaktoren zu empfehlen ist. Durch Beruhigungsmittel, die für die Untersuchung nötig sind, oder Verletzungen beim Einführen des Koloskops können Komplikationen auftreten. Da sie Krebs verhindern kann, zählt die Darmspiegelung bislang aber zu den wichtigen Vorsorgetests.

Autor: Nicole Simon

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