Steuererklärung
Viele Rentner müssen mittlerweile eine Steuererklärung abgeben.

Viele Rentner müssen mittlerweile eine Steuererklärung abgeben. / Foto: © picture alliance / dpa Themendienst

Steuer-Spartipps für Senioren

Rentner: im Fokus des Fiskus

  • Artikel vom 07. Dezember 2012

"Amtliche Ruhestörung ist das", wettert Julius H. und trommelt mit dem Zeigefinger wütend auf einen Brief vom Finanzamt. Spätestens in vier Wochen, so heißt es dort, solle er, der 87-Jährige, eine Steuererklärung abgeben. Zum letzten Mal getan hat er das vor 26 Jahren, im Jahr nach seinem Rentenantritt. Wie die meisten Senioren zahlt er weder Lohn- noch Einkommensteuer. "Sogar meine neue Adresse haben die Beamten ausbaldowert", schimpft H., der vor zwei Jahren in ein Seniorenheim umzog. "Was soll ich denn jetzt tun? Einen Steuerberater ins Altenheim bestellen?"

Wie Julius H. ergeht es derzeit Tausenden Rentnern: Nach jahrelanger Funkstille verlangt der Fiskus plötzlich eine Steuererklärung von ihnen. "Amtsintern bezeichnet wird eine solche Aufforderung wenig fein als ‚Rentnerklatschen‘, abgeleitet vom Fliegenklatschen", so Steuerberater Anton-Rudolf Götzenberger aus Halfing bei Rosenheim, Autor des Ratgebers "Der gläserne Steuerbürger".

Fortgeschrittenes Alter sei hierbei kein Grund, jemanden zu verschonen, so der Experte: "Den Beamten wird beigebracht: Steuerpflicht ist Steuerpflicht!" Ohne Grund verschicken sie die "blauen Briefe" allerdings nicht. "Kaum ein Rentner ahnt, was die Beamten über seine Einnahmen inzwischen alles wissen", so Götzenberger. Überweist die gesetzliche Rentenkasse einem Ruheständler etwa 12.000 Euro im Jahr, wird dies gleichzeitig ans Finanzamt gemeldet.

Gesucht: Steuersünder

Mitteilungspflichtig sind übrigens auch Banken, Versicherer und andere Stellen, die Gelder auszahlen oder wie Notare von Auszahlungen erfahren. Durch diese Kontrollmitteilungen sind die Ämter bestens informiert. Ihr Ziel ist es hauptsächlich, echten Steuersündern das Handwerk zu legen. Übersteigen die gemeldeten Einnahmen bestimmte Beträge, und liegt dem Amt keine Steuererklärung vor, fordert es die beim betreffenden Rentner ein.

Auf immerhin zwei Millionen schätzt die Deutsche Steuer-Gewerkschaft die Zahl der Rentner, die Steuern hinterziehen. "Die meisten handeln aber nicht aus böser Absicht", relativiert Erich Nöll vom Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine. "Viele, die jahrelang nichts mit dem Finanzamt zu tun hatten, können einfach nicht verstehen, dass sie plötzlich wieder zahlen müssen."

Tatsächlich rutschen immer mehr Senioren zurück in die Steuerpflicht. Und das, obwohl sich ihre Einkünfte nicht oder allenfalls leicht verändert haben. Grund ist das 2005 in Kraft getretene Alterseinkünftegesetz, das die Besteuerung von Renten umgekrempelt hat. Allein im Umstellungsjahr bescherte dies dem Fiskus 1,3 Millionen neue Steuerzahler über 65.

Wichtig: Fristen & Tricks

Ab welcher Höhe gesetzliche Renten besteuert werden, lässt sich nicht pauschal sagen. Maßgeblich ist das Jahr des Renteneintritts. Für alle, die 2005 Ruheständler wurden oder es schon waren, liegt die Grenze mit einer Bruttorente von 1591 Euro im Monat noch relativ hoch (Verheiratete: 3182 Euro). Doch mit jedem neuen Renteneintrittsjahrgang sinkt die Schwelle, weshalb immer mehr Senioren zu Steuerzahlern werden. So blieben 2008 nur noch 1450 Euro steuerfrei, 2011 gar nur noch 1308 Euro.

Hinzu kommt: Beziehen Senioren neben der Rente noch Kapitalerträge, die den Sparerfreibetrag übersteigen, setzt die Steuerpflicht für ihre gesetzliche Rente bereits unterhalb der genannten Beträge ein. Dasselbe gilt, wenn noch andere Einkünfte wie Betriebsrente, Privatrente oder Mieteinnahmen dazukommen.

Eingefordert wird von den Ämtern derzeit die Erklärung für 2010. Abgabefrist dafür wäre schon Ende Mai 2011 gewesen. "Wer eine Aufforderung erhält, ist zur Abgabe verpflichtet", stellt Martina Bruse vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine klar. "Auch die gesetzte Frist muss beachtet werden." Sonst wird die Steuer geschätzt, und es drohen Verspätungszuschläge. Wird es zeitlich zu eng, kann eine längere Frist beantragt werden.

Die Aufforderung bedeutet übrigens nicht, dass letztlich auch Steuern gezahlt werden müssen. "Auch Rentner haben die Möglichkeit, bestimmte Ausgaben abzusetzen", erklärt Bruse. Die besten Steuerspartipps für Senioren finden Sie im Kasten unten.

Statt einen Steuerberater zu rufen, ist Julius H. dann selbst zum Finanzamt gegangen. "Anders als früher waren die Beamten sehr hilfsbereit und haben mich beim Ausfüllen der Formulare unterstützt." Sogar den entscheidenden Tipp gaben sie ihm: "Ich wusste nicht, dass die Bank von meinen Sparzinsen Abgeltungssteuer einbehält." Weil er diese jetzt steuermindernd in seiner Erklärung ansetzen konnte, musste er am Ende gar keine Steuern zahlen.


Steuertipps für Rentner

Wer einiges von der Steuer absetzt, behält mehr von der Rente übrig. / Foto: © dpa

Steuertipps für Rentner

Mit diesen fünf Ratschlägen können Senioren kräftig Steuern sparen:

1 Sozialversicherung Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegekasse können in voller Höhe abgesetzt werden, private Zusatzversicherungen aber nicht.

2 Behinderten-Pauschbetrag Je nach Grad der Behinderung (GdB) sinkt das steuerpflichtige Einkommen dadurch um 310 bis 3700 Euro im Jahr.

3 Pflege-Pauschbetrag Wer einen Angehörigen ohne Bezahlung pflegt und auch kein Pflegegeld bezieht, kann ohne Nachweis 924 Euro gegenrechnen.

4 Kapitalerträge Werden pauschal mit 25 Prozent besteuert. Liegt der persönliche Steuersatz jedoch darunter, wird die Differenz auf Antrag erstattet.

5 Pflegeheimkosten Sind von Selbstzahlern voll absetzbar. Das Finanzamt kürzt sie aber um eine "zumutbare Eigenbelastung" (bis zu 7 Prozent).

Autor: Stefan Vogt

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